Prozess um zerteilte Leiche: Fast 15 Jahre Haft?

„Da tun sich Abgründe auf“

Ihm drohen fast 15 Jahre Haft: der 65-jährige Angeklagte zusammen mit seiner Verteidigerin Arnike Duensing. Sie sieht entgegen der Staatsanwaltschaft keine Beweise für die Täterschaft ihres Mandanten. 
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Ihm drohen fast 15 Jahre Haft: der 65-jährige Angeklagte zusammen mit seiner Verteidigerin Arnike Duensing. Sie sieht entgegen der Staatsanwaltschaft keine Beweise für die Täterschaft ihres Mandanten. Foto: KOLLER
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Bremen – Im Verfahren gegen einen 65-Jährigen, dem die Staatsanwaltschaft die Tötung seines Nachbarn und die anschließende Zerteilung seiner Leiche vorwirft, sind am Montag die Plädoyers gehalten worden. Die Anklage forderte, den Rentner in allen Anklagevorwürfen schuldig zu sprechen und beantragte eine Haftstrafe von 14 Jahren und neun Monaten.

Nach Auffassung von Staatsanwältin Nadine Hartmann hätten sich alle Anklagepunkte gegen den 65-Jährigen „vollumfänglich“ bestätigt. So habe sich in der seit Anfang April andauernden Beweisaufnahme ergeben, dass beide Männer am 9. September vergangenen Jahres in der Wohnung des Rentners zusammenkamen, um dort die Fortschritte seiner Indoor-Cannabisplantage zu begutachten. Sowohl Angeklagter als auch späteres Opfer kannten sich seit etwa zehn Jahren, beide seien drogenabhängig gewesen und hätten selbst über einen längeren Zeitraum mit Rauschgift gehandelt.

Im weiteren Verlauf des Treffens, so Staatsanwältin Hartmann, habe der 65-Jährige einen Mini-Revolver genommen und seinem Bekannten in den Kopf geschossen. Aus Angst, eintreffende Polizisten würden die Hanfplantage entdecken, zerteilte der Mann die Leiche seines Nachbarn und versteckte unter anderem den Kopf des Mannes in seiner Kühltruhe, so Hartmann. Andere Körperteile soll er entsorgt oder sie auf seinem Balkon platziert haben.

Und das Motiv?

Warum der Angeklagte seinen Bekannten tötete, darauf konnte auch Hartmann keine Antwort geben. Die möglichen Motive des Mannes blieben bislang ungeklärt, auch weil der 65-Jährige dazu beharrlich schweigt. Er räumte bislang nur ein, den Leichnam seines Nachbarn zerstückelt zu haben – und fügte an, der 50-Jährige habe sich entweder selbst getötet oder versehentlich in den Kopf geschossen.

Doch auch diese Theorien sieht Hartmann widerlegt. Dagegen sprächen vor allem forensische Gutachten des Bundeskriminalamtes. Die Experten kamen zum Ergebnis, dass der Mann sich aus einer Entfernung von mindestens 30 Zentimetern erschossen haben müsste. Wie die Staatsanwältin selbst im Gerichtssaal mittels eines Experiments veranschaulichte, sei dies nicht möglich. Einschusswinkel und Entfernung der Waffe seien bei einem möglichen Suizid nicht in Einklang zu bringen.

Keine Schmauchspuren

Zudem fanden sich keine DNA an der Waffe sowie Schmauchspuren an der Hand des Opfers. Beides hätte dort aber zu finden sein müssen, argumentierte sie. Wegen Totschlags – für Mord fehlt es laut Hartmann an Mordmerkmalen – sowie Störung der Totenruhe und Drogenhandels im großen Stil forderte sie eine Haftstrafe von 14 Jahren und neun Monaten.

Wie Hartmann gingen auch die beiden Nebenklagevertreterinnen, die Mutter und Bruder des Getöteten vertreten, nicht von einem Selbstmord des 50-Jährigen aus. Nichts habe für einen Suizid des Mannes gesprochen, im Gegenteil: Der Mann habe Pläne gehabt und hätte seiner Tochter, zu der er ein inniges Verhältnis gepflegt haben soll, so etwas nicht angetan, sagte Britta von Döllen-Korgel. Sie hege nicht „den Ansatz eines Zweifels, dass der Angeklagte Herrn K. getötet hat“, sagte sie. Über die Motive des 65-Jährigen könne man zwar nur spekulieren. Dennoch betonte sie: „Da tun sich Abgründe auf.“

Selbstmordgedanken?

Die Verteidigung des Mannes hob hingegen die bereits mehrfach geäußerten Selbstmordgedanken des Opfers hervor, es habe in der Vergangenheit „deutliche Hinweise auf suizidgefährdete Situationen“ gegeben, sagte Arnike Duensing. Sie forderte, ihren Mandaten zumindest vom Vorwurf des Totschlags freizusprechen.

Das Urteil soll am Mittwoch, 24. Juni, verkündet werden.

Von Steffen Koller

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