„Da ist noch Bedarf“

Bremer Stiftung „Starke Kinder“ hilft bei Musik und Sport

„Zum Geldausgeben war keine Zeit“: Die Konditorei von Gertrude und Edwin Klier im Jahr 1958. Gertrude und Tochter Hannelore Klier haben 2011 die Stiftung „Starke Kinder“ gegründet.
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„Zum Geldausgeben war keine Zeit“: Die Konditorei von Gertrude und Edwin Klier im Jahr 1958. Gertrude und Tochter Hannelore Klier haben 2011 die Stiftung „Starke Kinder“ gegründet.

Bremen – Was soll mit unserem Erbe geschehen, was machen wir damit? Diese Frage haben sich zwei Bremerinnen vor nunmehr bald zehn Jahren gestellt, im Jahr 2011 nämlich. Die jüngere der beiden Frauen war zu diesem Zeitpunkt über 60; sie hat weder Geschwister noch Kinder. Die andere Frau: ihre Mutter. Nun, die beiden Bremerinnen fanden eine Antwort auf ihre Frage. Sie gründeten eine Stiftung, deren Zweck die Förderung von Sport und oder Musik bei Kindern und Jugendlichen ist.

„Wir dachten uns, da ist noch Bedarf“, sagt Hannelore Klier im Gespräch mit unserer Zeitung über den Stiftungszweck. Gemeinsam mit ihrer Mutter Gertrude Klier, die im Dezember 2014 im Alter von 95 Jahren gestorben ist, hat sie die Stiftung „Starke Kinder“ gegründet. „Kinder sollen Musik oder Sport machen können. Dafür machen wir uns stark. Wir wollen Kindern den Rücken stärken.“

Musikalische Bildung etwa wirke sich auch auf die schulische Leistung aus, sagt Hannelore Klier. Und im Orchester werde beispielsweise auch Sozialkompetenz entwickelt. „Wer in einer Mannschaft oder im Orchester spielt, gewinnt Teamfähigkeit“, heißt es. Musikunterricht zu fördern, das war der erste Gedanke gewesen. Doch: „Was machen wir mit den Kindern, die sich für Musik nicht interessieren? So sind wir auf Sport gekommen“, so Klier.

Bremer Stiftung „Starke Kinder“ zahlt für Noten und Ballettschuhe

Nun aber haben nicht alle Familien genügend Geld, um ihren Kindern Musikunterricht oder Instrumente oder Sportkleidung zu bezahlen. Oder es gibt einmal einen Engpass, der überbrückt werden muss. In Fällen wie diesen ist es möglich, dass die Stiftung von Gertrude und Hannelore Klier aktiv wird.

Hannelore Klier gründete mit ihrer Mutter eine Stiftung.

„Jedes Kind und jeder Jugendliche aus einkommensschwachen Verhältnissen kann durch die Stiftung gefördert werden – im Ausnahmefall auch über das 18. Lebensjahr hinaus“, heißt es bei der Stiftung. Kinder und Jugendliche aus Hastedt und Osterholz würden „bevorzugt gefördert“, weil dies die Heimatstadtteile der Stifterinnen sind. Aber auch Kinder aus anderen Stadtteilen, aus dem Umland der weiter entfernten Bereichen Niedersachsens bekommen Unterstützung. Klier verweist auf „zwei Jungen aus dem Kreis Gifhorn“. Die Brüder Hans-Jacob (12) und Jan-Tonio (15) bekommen Zuschüsse für den Posaunenunterricht.

Bremer Eiskunstläuferin bei den Deutschen Jugendmeisterschaften

Die Stiftung – zu erreichen ist sie online über www.starke-kinder-bremen.de – übernimmt beispielsweise Leihgebühren für Instrumente. Oder sie zahlt für Saiten, Noten, Ballettschuhe. Für einen festgelegten Zeitraum werden auch laufende Kosten wie Unterrichtsgebühren oder Vereinsbeiträge übernommen. In den vergangenen zwei Jahren wurden Kinder und Jugendliche in den Bereichen Streicher- und Klavierunterricht, Posaunen- und Schlagzeugunterricht, Eiskunstlauf und Karate, Reiten und Zirkuskunst unterstützt; es gab Zuschüsse zu Fußballschuhen, Reithosen und Schuhen fürs Cheerleading.

In Bremen hilft die Stiftung unter anderem der 19-jährigen Ekaterina Kondiliabrova aus Blockdiek, die eine begeisterte und hochtalentierte Eiskunstläuferin ist. Seit 2017 bekommt sie finanzielle Unterstützung durch Zuschüsse zu Training und Ausstattung. Die Bremer Sportlerin hat es bereits mehrfach zu den Deutschen Jugendmeisterschaften geschafft.

Ein anderes Beispiel, diesmal aus dem Bereich der Musik: Eine inzwischen volljährige junge Frau hatte als Kind ein Jahr lang Streichunterricht in der Grundschule. Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule fiel dieser Unterricht weg. Eine Musiklehrerin bemerkte die Begeisterung der Schülerin für das Geigenspiel – und stellte den Kontakt zur Stiftung her. „Dieser Schülerin zahlten wir über die Volljährigkeit hinaus den Unterricht“, heißt es bei der Bremer Stiftung.

Am Anfang steht eine Konditorei an der Bismarckstraße

Was soll mit unserem Erbe geschehen? Kurzum: Mutter und Tochter Klier haben eine gute (und dauerhafte) Antwort gefunden auf die Frage, die sie sich einst stellten. Woher das Geld eigentlich kam, das dann in die Stiftung eingeflossen ist? Auch darauf gibt es eine Antwort. Das Geld kam weder aus der Musik noch aus dem Sport, sondern: aus dem Handwerk.

Der Konditor- und Bäckermeister Edwin Klier eröffnete 1951 mit seiner Ehefrau Gertrude eine kleine Konditorei an der Bismarckstraße. Tochter Hannelore kam schon als kleines Mädchen gern in das Geschäft. 1957 eröffnete das Ehepaar Klier an der Hamburger Straße einen größeren Betrieb mit Café; später kam eine Bäckerei hinzu. Sieben Tage Arbeit in der Woche – „zum Geldausgeben war keine Zeit“, habe Edwin Klier später oft gesagt, heißt es. Ohne es zu ahnen, schuf der Konditormeister – er starb bereits 1987 im Alter von 73 Jahren – so das Kapital für eine Stiftung.

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