Cryogenverfahren macht aus Alt Neu

Giftig und doch wertvoll

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Betriebsleiter Volker Winkelmann vor dem geschredderten Ausgangsmaterial, das im nächsten Schritt sortiert und abgepackt wird.

Bremen - Von Steffen Koller. Sie sind giftig und belasten die Umwelt: Lacke, Farben und Reste von Altöl. Und doch kann man aus ihnen wieder Stoffe gewinnen, die gerade für die Kunststoff- und Metallindustrie wertvoll sind. Die Bremer Firma Nehlsen hat mit ihrem sogenannten Cryogenverfahren eine Möglichkeit entwickelt, genau diese Materialien schonend zu recyceln. Ein Blick hinter die Firmenmauern.

Der Zaun muss lackiert werden, das Auto braucht neues Öl. Im Laden wechselt die Farb- oder Öldose schnell den Besitzer. Doch was dann? Oft werden die Dosen und Kanister zum Wertstoffhof gebracht, doch Rückstände bleiben immer. Einfach auf die Deponie werfen, wie vor Jahrzehnten noch, ist verboten. Verbrennen? Auch keine Lösung.

Die Firma Nehlsen in der Überseestadt hat sich in Zeiten der Ressourcenknappheit genau dieses Dilemma zunutze gemacht und zeigt, wie aus fast unbrauchbaren Materialien wieder verwertbare Grundstoffe werden.

Riesige Containerhallen links und rechts der Fahrbahn, im Hintergrund erheben sich die mächtigen Verladekräne der Überseestadt. Die Straße macht einen Linksknick, dann kommt das Gelände der Firma Nehlsen zum Vorschein, die sich seit Gründung im Jahr 1923 einen Namen in der Logistikbranche gemacht hat. Überall stehen große Fässer, das Dröhnen von Lastwagen hallt über den Platz. Eher unscheinbar wirkt das Gelände, doch wirft man einen Blick in eine der Hallen, kommt das Herzstück der Firma zum Vorschein: die Cryogenanlage.

Mit dieser Anlage, die ihre ersten Testläufe Mitte der 90er Jahre erlebte und heute nach Firmenangaben die einzige ihrer Art in Europa ist, will Nehlsen Maßstäbe in der ressourcenschonenden Wiederverwertung setzen.

Und so funktioniert das Verfahren: Zunächst werden Metall und Kunststoffe geschreddert, im nächsten Schritt werden die Kleinteile mit Hilfe von flüssigen Stickstoffs auf eine Temperatur von minus 100 bis 120 Grad abgekühlt und dadurch spröde gemacht. Daher auch der Begriff Cryogen, der so viel bedeutet wie Kalttrenntechnik. Das spröde Material wird durch eine Hammermühle zerkleinert, sortiert und am Ende abgefüllt.

„Pro Stunde können bis zu neun Tonnen Verpackungen aufbereitet werden“, so Geschäftsführer Jürgen Neumann. Jährlich würden so bis 9000 Tonnen Sonderabfälle aufgearbeitet. Sie stammen vorrangig aus der Automobil- und Flugzeugindustrie. Rund drei Millionen DM habe die Anlage zu Beginn gekostet. Mittlerweile sei sie wesentlich mehr wert. Jedes Jahr müssten Teile ausgetauscht oder nachgebessert werden. Das Endprodukt ähnelt kleinen Konfettischnipseln, wird abgepackt und im In- und Ausland verkauft. Auch große Schiffe mit Öltanks werden von der Firma leergepumpt, das Restöl gereinigt und weiter verkauft.

Zwar würden kaufmännische Aspekte im Vordergrund stehen, sagt Neumann. „Dennoch wollen wir eine Vorbildfunktion für Europa einnehmen. Wir dürfen den Müll von heute nicht auf dem Rücken unserer Kinder abladen.“ Apropos: Das Unternehmen bildet Chemielaboranten, Betriebswirte und Mechatroniker aus – die nächste Generation in der Recyclingbranche steht schon in den Startlöchern.

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