Mit Café und süßerem Konzept

Neu in der Kolonialwarenhandlung Holtorf: Craft-Bier und Makronen

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Sascha Mühlenbeck am Tresen in „Holtorfs Heimathaven“ – mit hausgemachtem Karamellaufstrich und einem Holtorf-Klassiker, der Müsli-Mischung.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ein fröhliches „Moin!“ schallt dem Kunden entgegen, der den Laden am Ostertorsteinweg 6 betritt. Kaffeeduft erreicht die Nase, während die Augen sich noch gar nicht entscheiden können zwischen dem historischen Eichentresen, dem nostalgischen Fliesenboden und den vielen bunten Verpackungen und Etiketten in den Regalen.

Die Kolonialwarenhandlung Holtorf, bundesweit bekannt und denkmalgeschützt, hat neue Betreiber. „Holtorfs Heimathaven“ – so heißt das Geschäft nun. Nadine Niebank (34) ist die neue Inhaberin, ihr Partner Sascha Mühlenbeck (39) der Geschäftsführer. Beide kommen aus dem Gastronomie- und Hotelleriebereich. Sie haben seit zwei Jahren den „Heimathaven“, ein Geschäft in der Oldenburger Fußgängerzone.

Auch Bremen hatten sie immer im Blick – und zwar das Viertel. „Aber da ist ja schon Holtorf“, sagten sie sich dann, erzählt Mühlenbeck. Also: Oldenburg. Im Frühsommer kam dann ein Anruf ihres Kaffeelieferanten. „Ich war gerade im Garten am Buddeln“, sagt Mühlenbeck. Der Lieferant überraschte ihn mit der Frage: „Hast Du Lust, Holtorf zu übernehmen?“

Altes Konzept hatte keine Zukunft mehr

Marcus Wewer, der vorherige Inhaber, wollte aufgeben. Sein Konzept, hier – neben den traditionellen Feinkostartikeln, Gewürzen und Backzutaten – auch Bio-Fleisch anzubieten, hatte sich nicht durchgesetzt. Wewer wollte dem Bio-Fleisch – nun an einem anderen Ort – aber treu bleiben.

1874 hatte der Bremer Kaufmann Wilhelm Holtorf das Geschäft eröffnet. 1903 bekam die Kolonialwarenhandlung jene hölzerne Jugendstilausstattung, die auch noch heute die Räume schmückt. Seit 1973 steht das Geschäft samt Inneneinrichtung unter Denkmalschutz.

Nadine Niebank und Sascha Mühlenbeck haben das Holtorf-Konzept nun ein wenig geändert. Der Charme von Jugendstil und Kaiserzeit ist geblieben, keine Frage, das Sortiment aber ist süßer geworden. Kein Fleisch, weniger klassische Feinkostartikel – dafür Pralinen und Schokolade, Kaffee und Craft-Bier, Spirituosen, Wein und allerlei schön Verpacktes zum Verschenken.

Hauseigene Patisserie

„Holtorfs Heimathaven“ hat eine hauseigene Patisserie. Fruchtaufstriche werden hier gekocht, Pralinen und Makronen hergestellt. Es gibt Spezialitäten wie zum Beispiel einen eigenen Karamellaufstrich. Handwerklich hergestellte Produkte sind hier angesagt. „Zusatzstoffe kommen uns nicht in die Tüte“, sagt Mühlenbeck.

Neue Akzente setzen zudem Tische und Stühle im Geschäft. Kunden können hier nun kaffeesieren – das gab es früher nicht. „Mit der Gastronomie wollen wir ein bisschen die Hürde nehmen“, so Mühlenbeck. Es traue sich nicht jeder, einfach nur mal zum Gucken in so ein Geschäft zu kommen – und dann vielleicht doch nichts zu kaufen. Bei einer Tasse Kaffee aber kann man die einzigartige Mischung aus Nostalgie und Gegenwart erst einmal ungestört auf sich wirken lassen.

Ein Einzelhandel mit Café

Die Kombination haben die „Heimathaven“-Macher aus Oldenburg mitgebracht. Einen kleinen, aber bedeutenden Unterschied gibt es allerdings. Mühlenbeck: „In Oldenburg ist es eher Café mit Einzelhandel. Hier ist es umgekehrt: Einzelhandel mit Café.“ Damit ist klar, worauf in Bremen der Fokus liegt.

Charakteristische Holtorf-Klassiker haben die neuen Betreiber deshalb auch erhalten. So gibt es die Holtorf-Müsli-Mischung wieder. „Ich habe noch nie so viel Müsli über die Theke gehen sehen wie hier“, sagt Mühlenbeck. Lose Ware aus hölzernen Schubfächern – ein weiterer Holtorf-Klassiker – ist ebenfalls noch im Programm: „Orangeat, Zitronat, Mohn, Datteln, Goji-Beeren, Sesam“, zählt Mühlenbeck auf.

Veranstaltungen wie Craft-Bier- und Gin-„Tastings“ runden das neue Angebot ab. Und noch etwas von früher ist geblieben – der Schnack am Tresen nach dem fröhlichen „Moin!“ zur Begrüßung.

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