Coronaviren durch Fleischimport

Schweinshaxe aus Bremen soll Grund für neuen Corona-Fall in China sein

China hat eine aus Bremen importierte Schweinshaxe als Auslöser für einen neuen Corona-Fall genannt. Wie staatliche Medien berichteten, habe sich ein Arbeiter in einem Kühlhaus infiziert.

  • Spuren des Virus seien an der Verpackung gefrorener Schweinshaxe gefunden worden.
  • Das Fleisch sei aus Bremen importiert worden und wurde von Tianjin nach Dezhou transportiert.
  • Tianjin sei nun in den „Kriegsmodus“ gewechselt, es gelten demnach strenge Kontrollen.

Update vom 9. November, 15.45 Uhr: „In Bremen gibt es keinen Schweineschlachthof und auch keinen Zerlegungsbetrieb“, sagte der Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts, Lukas Fuhrmann, am Montag. Aus welchem deutschen Schlachthof die Schweinshaxe kam, war zunächst nicht herauszufinden. Senatssprecher Christian Dohle zufolge gibt es auch kein Unternehmen, das Schweineteile verpackt und eine Exporterlaubnis nach China hat.

Die Lieferung, in der die Haxe war, muss damit in einem anderen Bundesland verpackt worden sein. Über Bremerhaven werden sehr viele Waren in andere Länder exportiert. Containerschiffe brauchen von Europa bis nach China in der Regel zwischen vier und sechs Wochen.

Schweinshaxe als Grund für Corona-Fall? Unwahrscheinlich!

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hält eine deutsche Schweinshaxe als Grund für einen Corona-Fall in China für unwahrscheinlich. „Laut unserem zuständigen Ressortforschungsinstitut, dem Bundesinstitut für Risikobewertung, sind bislang nach wie vor keine Infektionen mit Sars-CoV-2 über den Verzehr von Fleischwaren oder Kontakt mit kontaminierten Fleischprodukten oder Oberflächen bekannt“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung ist davon auszugehen, dass das Coronavirus unter Gefrierbedingungen und in Dunkelheit für mehrere Wochen infektiös bleiben kann. Der aktuelle Fall sei schwer zu beurteilen, sagte Sprecher Jürgen Thier-Kundke. Ein solcher Übertragungsweg erscheine eher als unwahrscheinlich, ganz auszuschließen sei er aber nicht. „Als wichtigster Übertragungsweg des Sars-CoV-2 wird generell die Übertragung über den Atmungstrakt mittels Tröpfchen oder Aerosolen in der Luft angesehen“, sagt Thier-Kundke. Belastbare Belege für eine Übertragung des Virus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen gebe es derzeit nicht. (dpa)

Update vom 9. November, 12.58 Uhr: Der Bremer Virologe Andreas Dotzauer von der Uni Bremen hält es für unwahrscheinlich, dass sich der chinesische Arbeiter an der Fleisch-Verpackung aus Bremen infiziert haben soll, wie er buten un binnen sagte. Für diesen Fall müssten mehrere unglückliche Faktoren zusammenkommen. Es sei nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich.

Meldung vom 9. November: Peking/Bremen - China hat eine aus Bremen importierte Schweinshaxe als Auslöser für einen neuen Corona-Fall ausgemacht. Staatliche Medien berichteten, dass sich in der ostchinesischen Stadt Tianjin ein Arbeiter in einem Kühlhaus infiziert habe. Dort durchgeführte Tests hätten ergeben, dass an der Verpackung gefrorener Schweinshaxe Virus-Spuren vorhanden gewesen seien.

Stadt:Tianjin
Einwohner:14.131.500 (2012)
Fläche:11.760 km²
Region:Nordchina

Das verpackte Fleisch sei aus Bremen importiert worden. Nach der Ankunft in Tianjin wurde es schließlich weiter in die Stadt Dezhou, im Nordwesten der Provinz Shandong gesendet. Als Reaktion auf die Infektion seien nach Angaben der staatlichen ZeitungGlobal Times“ acht Menschen vorsorglich in Quarantäne gestellt worden. Diese acht Personen hätten zuvor engen Kontakt mit dem positiv getesteten Arbeiter gehabt.

Kleinere Ausbrüche werden mit strengen Maßnahmen wie Lockdowns bekämpft

Die Stadt Tianjin sei zudem in den „Kriegsmodus“ übergegangen. In der Regel ist damit gemeint, dass strenge Kontrollen greifen. Der Regierung zufolge gibt es in China seit Monaten kaum noch neue Infektionen. Dadurch normalisieren sich das Leben und die Wirtschaftstätigkeit wieder.

China hat schon mehrfach gefrorene Lebensmittel oder deren Verpackungen, die aus dem Ausland importiert wurden, für Infektionen verantwortlich gemacht.

Zwar gelten große Teile des Landes als „corona-frei“, allerdings kommt es immer wieder zu kleineren lokalen Ausbrüchen, die mit strengen Maßnahmen wie Lockdowns und Massentests bekämpft werden. China hat schon mehrfach gefrorene Lebensmittel oder deren Verpackungen, die aus dem Ausland importiert wurden, für Infektionen verantwortlich gemacht. Im September war im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest vorsorglich ein Importverbot für Schweinefleisch aus Deutschland ausgesprochen worden. Auf Schlachthöfen in Niedersachsen war es seit Beginn der Pandemie immer wieder zu Corona-Ausbrüchen unter den Angestellten gekommen.

Rubriklistenbild: © Jan Woitas / picture alliance / dpa

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