Kampf gegen die Pandemie

Nebel aus Bremen im Kampf gegen das Corona-Virus

Nebel als Hoffnung gegen Corona? Dieser Dunst ist nach Angaben von Erfinder Ralf Ohlmann gesundheitlich vollkommen unbedenklich, was diverse Gutachten belegen.
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Nebel als Hoffnung gegen Corona? Dieser Dunst ist nach Angaben von Erfinder Ralf Ohlmann gesundheitlich vollkommen unbedenklich, was diverse Gutachten belegen.

Bremen – Desinfektion – sie gilt als eine der zentralen Maßnahmen zur Bekämpfung des Corona-Virus. Während Kliniken, Schulen und Veranstaltungshäuser fast ausschließlich auf die Reinigung mit Alkoholpräparaten setzen, empfiehlt der Medizinwissenschaftler Ralf Ohlmann eine ganz andere Lösung: „health-protect“. So heißt die in Bremen entwickelte alternative Hygienetechnologie aus natürlichen Wirkstoffen, die laut mehrerer Gutachten nicht nur gegen Bakterien und Pilze wirksam ist. Sie tötet auch das Corona-Virus ab – über feinen Nebel.

Es sind gerade mal zwei Worte, die Hoffnung machen könnten: „health-protect“, Gesundheitsschutz. So heißt der Wirkstoffkomplex, den der 58-Jährige zusammen mit der Bremer Wissenschaft entwickelt hat und der auf die langjährige Erfahrung von Ohlmann in der Lebensmittelhygiene beruht. Der Wirkstoff töte Schimmelpilze ab und multiresistente Krankenhauskeime, vernichte Listerien und Legionellen – und auch das Corona-Virus habe keine Chance gegen das rein natürlich aufgebaute Mittel. So berichtet es Ralf Ohlmann, Leiter der Bundesfachkommission Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelhandel beim Bundesverband für Wirtschaftsförderung und Außenwirtschaft (BWA) in Berlin.

Mikrobiologe Ralf Ohlmann.

Bremer Erfindung macht Hoffnung in Corona-Pandemie: Von jedem anwendbar

Gleichzeitig ist Ohlmann auch wissenschaftlicher Vorstand im Luft- und Hygienefachinstitut „Just in Air“ mit Sitz in Bremen. Dort tüfteln er und etwa ein Dutzend Mitarbeiter bereits an der Verbesserung des Verfahrens. Seiner Einschätzung nach könnten zwar täglich Hunderte von Litern übliches Desinfektionsmittel angewandt werden, einen nachhaltigen Effekt gegen eine Pandemieausbreitung hätte dieses Vorgehen jedoch nicht. „Der Fehlerfaktor Mensch“, wie auch die nicht automatisierte Technik, seien dabei entscheidend. Ein Patientenzimmer beispielsweise täglich zu reinigen, gehe schon, klar, doch dabei würden nur Bakterien und Viren von einem Ort zum anderen geschleppt.

„health-protect“ geht einen anderen Weg – und sei von jedem Menschen anwendbar: Die Flüssigkeit könne einfach in handelsübliche Luftbefeuchter gefüllt werden, den Rest macht das Gerät. Die Flüssigkeit – ein Liter reiche für rund zehn Millionen Liter Luft – verteile sich kontinuierlich und vor allem im gesamten Raum. Ob Fernbedienung, Bilderrahmen, Tür- oder Fenstergriff – der Nebel erfasst, so Ohlmann, jeden noch so versteckten Winkel des Raums. Ohlmann ist durch die vorliegenden Fachstudien und Gutachten so überzeugt von dem Produkt, dass er sagt: „Würden alle geschlossenen Räume für 14 Tage benebelt werden, das Corona-Virus wäre weg.“ Dafür dürften sich die Menschen jedoch zwei Wochen lang nicht außerhalb der abgesicherten Bereiche bewegen. „Das wird nie funktionieren“, das weiß er auch.

Bremer Erfindung macht Hoffnung in Corona-Pandemie: Verminderte Ansteckungsgefahr

Da die Nebelpartikel den menschlichen Aerosolen ähneln, würden sie sich noch in der Luft mit diesen verbinden und so die Ansteckungsfähigkeit des Virus von vornherein mindern. Die natürlichen Inhaltsstoffe seien dabei „vollkommen unbedenklich“, sagt Ohlmann, was diverse Prüfberichte belegen. Entweder verwende der Körper die Substanzen oder er scheide sie aus. Einem Gutachten der Bundesanstalt für Milchforschung Kiel zufolge sei die „Wirksamkeit von health-protect über die Feinvernebelungstechnologie gegenüber den wichtigsten Krankheits- und Verderbniserregern (…) in der Luft und auf Oberflächen gutachterlich und durch Praxiserfahrungen belegt“. Gutachten zweier Prüfinstitute in Gießen und Schwerin, die dieser Zeitung vorliegen, kommen zum Ergebnis, dass das Präparat sowohl die erforderlichen Kriterien einer Flächendesinfektion erfüllt als auch das Corona-Virus abtötet.

Bremer Erfindung macht Hoffnung in Corona-Pandemie: Ergänzung zur Maskenpflicht

Ohlmann, das betont er, versteht die Bremer Innovation jedoch nicht als Ersatz für Abstandsregeln und Maskenpflicht, sondern als ergänzende Maßnahme. „health-protect“, das laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zugelassen und für die Anwendungsfälle offiziell verkehrsfähig ist, könne sowohl in Klassenräumen, Bahn und Bus als auch in Theatersälen benutzt werden.

Viele Fitnessstudios hätten „health-protect“ schon im Einsatz, so Ohlmann. Je nach Größe und vorhandener Technik ist auch die Nebelabgabe über große Lüftungssysteme bereits im Einsatz. Nun gehe es darum, eine breite Öffentlichkeit herzustellen, sagt der 58-Jährige. Gesprächspartner, die von der Erfindung gehört hätten, seien „sofort begeistert und überzeugt“ gewesen. Im öffentlichen Handel ist das Produkt noch nicht erhältlich. Kontakt unter  „info@propure-protect.de“. Ein Liter kostet den Angaben zufolge etwa zehn Euro. Ausbringgeräte zur Vernebelung in der personalfreien Zeit, zum Beispiel über Nacht, können einfache Ultraschallvernebler sein, sagt Ohlmann.

Bremer Erfindung macht Hoffnung in Corona-Pandemie: Wirkstoffe aus Pflanzenabfällen

„health-protect“ kann in handelsübliche Luftbefeuchter gefüllt werden, den Rest übernimmt das Gerät.

In Kooperation mit der privaten Bremer Jacobs-Universität in Grohn arbeitet Ralf Ohlmann zur Zeit an einem Verfahren, die für das Projekt „health-protect“ benötigten Wirkstoffe zukünftig auch aus Pflanzenabfällen gewinnen zu können. Reste von Kaffeebohnen, Quitten oder Rhododendren würden gerade getestet, sagt Chemieprofessor Dr. Nikolai Kuhnert, der zusammen mit Matthias Ullrich, Professor für Mikrobiologie, das Projekt leitet. Es sei zum Beispiel möglich, die äußere Haut der Kaffeebohne, die vor dem Rösten entfernt werde, zu nutzen, sagt Kuhnert. Bislang, so Ralf Ohlmann, sei man im ersten Drittel der Forschung. Angedacht sei, die nächste Generation des Hygienemittels ab Mitte 2022 auf den Markt zu bringen – als „health-protet 4.0“.

Von Steffen Koller

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