Abstand, Abstand, Abstand

Corona-Krise in Bremen: Senat gegen Ausgangssperre - Restaurants schließen

Die City leer: Im Zeichen von Corona steht auch in Bremen das öffentliche Leben still. Neu: Ab Sonnabend ist die Bewirtung in Lokalen untersagt, zulässig bleibt Außer-Haus-Verkauf. Eine Ausgangssperre sieht Bremen aber kritisch. Foto: DPA/SCHULDT
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Die City leer: Im Zeichen von Corona steht auch in Bremen das öffentliche Leben still. Neu: Ab Sonnabend ist die Bewirtung in Lokalen untersagt, zulässig bleibt Außer-Haus-Verkauf. Eine Ausgangssperre sieht Bremen aber kritisch.

Bremen - Der Bremer Senat ist gegen eine Ausgangssperre, die Bewirtung in den Restaurants wird jedoch in Absprache mit Niedersachsen eingestellt.

Außerdem wird ein Förderprogramm zur Abmilderung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise für kleine Unternehmen aufgelegt, für die Bremischen Häfen gibt es eine „Task Force“. Die Corona-Ambulanz vom Klinikum Mitte zieht am Montag in die Messehalle 6 auf der Bürgerweide. Das sind die wichtigsten Beschlüsse, die Bremen am Freitag verkündet hat.

Coronavirus in Bremen: Bevölkerung hält sich weitgehend an Auflagen

In geballter Stärke traten Bürgermeister Andreas Bovenschulte, Innensenator Ulrich Mäurer (beide SPD), Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt, Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (beide Linke) und Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) am Nachmittag vor die Presse. Zwei Tage nach der drastischen Einschränkung für das öffentliche Leben könne man noch keine Bilanz ziehen, ob Läden- und Lokalschließungen Wirkung zeigten. 

Doch es ließe sich zumindest sagen, dass sich die Bremer weitestgehend an die Auflagen hielten, so Bovenschulte und Mäurer. Sinn der Verbote sei die Verlangsamung der Ausbreitung von Covid-19 im Land Bremen. In der Breite gebe es eine „hohe Akzeptanz“ für die Maßnahmen. Nur etlichen Jugendlichen sei der Ernst der Lage noch nicht wirklich bewusst. Als „Akt der Solidarität“ sei es zwingend, dass alle Menschen die Regelungen befolgten, sagte Bovenschulte, der sich später ausdrücklich bei den Beschäftigten des Gesundheitssystems für ihren Einsatz bedankte.

Corona-Krise in Bremen: Außer-Haus-Verkauf von Restaurants noch gestattet

Nach der Entscheidung des Senats werden die Maßnahmen verstärkt. Durften Restaurants und Lokale bislang bis 18 Uhr öffnen, wird ab Sonnabend die Bewirtung gestoppt, das heißt, im Lokal darf nicht mehr gespeist werden. Die Betriebe müssen aber nicht schließen. Mäurer empfiehlt ausdrücklich, Außer-Haus-Verkauf anzubieten. Essen bestellen und abholen, sei die Devise. Schließen müssen jedoch Friseure und Fahrschulen.

Eine Ausgangssperre wie in Bayern (mit dem stark betroffenen Nachbarn Österreich) lehnt Bremen ab, zumal sich die Menschen hier weitgehend an die Regelungen hielten, sagte Bovenschulte. Das öffentliche Leben sei schon jetzt massiv eingeschränkt, Menschenansammlungen seien verboten, die Regelungen würden kontrolliert. Der Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Apotheke, Nahverkehr, Besuch bei Familienangehörigen – das sei trotz Ausgangssperre möglich und sei auch zwingend notwendig. Bovenschulte und Mäurer sehen daher nur einen geringen Unterschied zwischen den seit Mittwoch verhängten Verboten und einer Ausgangssperre. Bovenschulte: „Wir müssen mit allem, was wir haben, Corona bekämpfen, aber nicht unsere Grundrechte.“ Mit einer Ausgangssperre werde möglicherweise eher symbolisch Politik gemacht, sagte der Bürgermeister mit Blick auf Bayern.

Corona in Bremen: Senat stellt Hilfen für Unternehmen in Aussicht

Um insbesondere Kleinstunternehmern aus betroffenen Branchen „schnell und unbürokratisch“ zu helfen, legt Bremen ein Förderprogramm auf. Für die „Corona-Soforthilfe“ stehen zusätzliche Haushaltsmittel in Höhe von zunächst zehn Millionen Euro kurzfristig zur Verfügung, sagte Wirtschaftssenatorin Vogt. Gedacht sind die Hilfen für Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern und einem Umsatz unter zwei Millionen Euro. Ziel sei die Vermeidung von Insolvenzen, Absicherung von Freiberuflern und die Sicherung von Arbeitsplätzen. Die Zuschüsse müssten nicht zurückgezahlt werden. Die Mittel seien „dringend nötig“. Vogt: „Denn jedes kleine Unternehmen, das wir so retten können, bei dem die Arbeitsplätze erhalten bleiben – dafür ist das Geld gut angelegt.“

Die Förderhöhe kann bis zu 20 000 Euro betragen, die Anträge würden schnell geprüft. Für Anträge bis 5 000 Euro sei das Verfahren „stark vereinfacht“. Ansprechpartner ist die „Task Force“ bei der Aufbaubank (BAB). Vogt betonte, dass dies eine zusätzliche Soforthilfe sei. Der Bund werde weitere Mittel bereitstellen.

Coronavirus in Bremen: „Halten Sie Abstand!“

Der eindringlichste Appell von Gesundheitssenatorin Bernhard war: „Halten Sie Abstand!“ Und zu den weiteren Maßnahmen führte sie aus: Die Corona-Ambulanz am Klinikum Mitte wird am Montag in die Halle 6 auf der Bürgerweide verlegt. Wartebereiche gibt es zudem in der Halle 5. So müsse niemand mehr draußen stehen, zudem sei Platz genug für – genau, Abstand. Der Umzug soll die Kliniken entlasten. Für den Dienst haben sich laut Bernhard zahlreiche Freiwillige gemeldet, unter anderem Pflegekräfte und Ärzte im Ruhestand. Damit sei Bremen gut aufgestellt und könne im Bedarfsfall nachlegen.

An den Corona-Ambulanzen habe unterdessen der Andrang nachgelassen, der Rückstau bei den Tests sei erledigt. Stand am Abend zählt Bremen 127 Infizierte. 27 werden stationär behandelt, so die Senatorin, darunter aber auch Verdachtsfälle sowie Menschen aus Niedersachsen. Ein Patient müsse beatmet werden. Für die nächsten Tage erwartet Bernhard kein Hochschnellen der Zahlen. 

Corona in Bremen: Intensivbetten sollen aufgestockt werden

Dennoch sollen die 340 in Bremen vorhandenen Intensivbetten sukzessive auf 500 bis 600 aufgestockt werden. Alle Kliniken seien gut aufgestellt, zeigten sich solidarisch, hätten Krisenstäbe eingerichtet. Alle planbaren Aufnahmen, Operationen sowie anderen Eingriffe seien untersagt, um mehr Kapazitäten für die Behandlung von Corona-Patienten zu schaffen. Zur Eindämmung der Ausbreitung erließ die Behörde ein Besuchsverbot in Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen. Noch ungeklärt ist, ob Bremen Corona-Erkrankte künftig an einer oder zwei Kliniken behandeln wird oder dezentral.

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