Bislang keine bestätigte Infizierung

Coronavirus: Verdacht in Niedersachsen - Entwarnung für China-Urlauberin aus Bremen

Coronavirus - China
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Ein Forscher liefert Nachweisreagenzien für das neue Coronavirus an.

Weltweit wachsende Sorge vor dem Coronavirus. Jetzt gibt es Verdachtsfälle in Bremen und Niedersachsen.

  • Weltweit wächst die Sorge vor dem Coronavirus
  • Verdachtsfälle in Niedersachsen und Bremerhaven
  • Coronavirus-Verdacht in Bremen bestätigt sich nicht

Update, 3. Februar: Inzwischen ist auch im Landkreis Verden ist ein Coronavirus-Verdachtsfall aufgetreten. In der Aller-Weser-Klinik Achim ist eine Frau nach einer Urlaubsreise isoliert worden.

Update, 29. Januar: Bei der Frau aus Bremen, die als Touristin in China war, hat sich der Verdacht auf das Coronavirus nicht bestätigt. Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen aus Berlin lägen laut „buten un binnen“ seit dem späten Dienstagabend vor. Das Virus konnte bei der Frau nicht nachgewiesen werden.

Coronavirus-Verdachtsfälle in Niedersachsen werden geprüft

In Niedersachsen gebe eine einstellige Zahl von Coronavirus-Verdachtsfällen, die weiter in der Prüfung sind, sagte ein Sprecher des Landesgesundheitsamts in Hannover am Mittwoch. Eine tatsächliche Infizierung mit der Lungenkrankheit sei aber bislang nicht registriert. Das Landesgesundheitsamt prüft die Verdachtsfälle mithilfe der eigenen Labordiagnostik. Alle Betroffenen seien zuvor in China gewesen. 

In Bremerhaven gibt es außerdem einen Coronavirus-Verdachtsfall. Allerdings hält das Gesundheitsamt eine tatsächliche Infektion des Patienten mit dem Virus für äußerst unwahrscheinlich, wie die Stadt am späten Dienstagabend mitteilte.

Hafenarbeiter aus Bremerhaven liegt im Klinikum Mitte 

Der 47-jährige Hafenarbeiter liege unter anderem mit Fieber stationär im Klinikum Mitte. Nach eigenen Angaben habe er zuvor Kontakt mit chinesischen Werftarbeitern gehabt. Allerdings war zunächst unklar, wann diese das letzte Mal in China waren. Der Patient und seine Kontaktpersonen wurden vorsorglich isoliert. 

Originalmeldung, 27. Januar: Bremen - Es gibt einen Verdachtsfall auf das Coronavirus in Bremen. Das bestätigte Martin Götz, Referatsleiter für Infektionsschutz im Gesundheitsamt. Dabei handelt es sich um eine Frau aus Bremen, die als Touristin in China war. 

Laut Götz erfüllt die Patientin „gewisse Kriterien“. Es gilt aber eher als unwahrscheinlich, dass die Person tatsächlich infiziert ist. Dennoch greifen sämtliche Vorsichtsmaßnahmen. Die Person liegt isoliert auf der Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte. „Ihr geht es klinisch gut“, so Götz. Die Laborwerte werden derzeit in der Charité in Berlin untersucht. Bis die Ergebnisse vorliegen, kann es bis zu fünf Tage dauern, sagte ein Sprecher der Klinikholding Gesundheit Nord in Bremen.

Niedersachsen sieht sich für ein mögliches Auftreten des neuartigen Coronavirus im Land gut gewappnet. Seit Dienstag können Verdachtsfälle mit einer eigenen Labordiagnostik im Landesgesundheitsamt in Hannover geprüft werden. "Das erspart uns die Einsendung der Proben an die Charité und damit wertvolle Zeit", sagte die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) bei einem Besuch der Behörde. Reisende aus Niedersachsen und Bremen sollen sich an gewisse Regeln halten.

Coronavirus 2019-nCoV: Was man darüber weiß - und was nicht

Das neue Coronavirus breitet sich mit einer enormen Dynamik aus - trotz der Gegenmaßnahmen der chinesischen Behörden. Weltweit versuchen Forscher, aus der noch jungen Entwicklung auf möglichst viele Eigenschaften des Erregers zu schließen. Was man weiß - und was nicht: 

CORONAVIREN

Der Erreger 2019-nCoV zählt zu den Coronaviren - so benannt, weil sie von zackenartigen Strukturen umgeben sind, die einer Krone ähneln. Sieben Vertreter dieser Gruppe verursachen beim Menschen Atemwegserkrankungen. Von dreien davon ist bekannt, dass sie mitunter schwere Symptome auslösen: Beim ebenfalls aus China stammenden Sars-Virus (Schweres Akutes Atemwegssyndrom) wurden 2002/2003 rund 8000 Fälle bekannt, etwa 800 Menschen starben. 2012 tauchte in Vorderasien das Mers-Virus (Middle East Respiratory Syndrome) auf. Es ist weniger ansteckend, aber aggressiver: Von rund 2500 Infizierten bis November 2019 starben knapp 860 - etwa jeder dritte. 2019-nCoV ist sehr eng mit Sars verwandt. 

INFEKTIOSITÄT

Wie ansteckend das neue Coronavirus ist, lässt sich bisher nur schwer beurteilen. Chinesische Behörden gehen davon aus, dass ein Infizierter durchschnittlich 1,4 bis 2,5 Menschen ansteckt - das wäre ähnlich wie bei Sars. "Solche Zahlen sind extrem unzuverlässig", sagt der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. Demnach hängt die Übertragungsrate von sehr vielen Faktoren ab - etwa ob Menschen sozial aktiv sind oder eher zuhause bleiben. Genau darauf zielen nach Ansicht Drostens die Maßnahmen in China ab. "Ich denke, diese Maßnahmen bringen etwas." Positiv ist, dass Menschen meist erst mit der Symptomatik infektiös werden - im Gegensatz zur Grippe, bei der Menschen schon ansteckend sind, bevor sie erkranken.

AGGRESSIVITÄT

Das neue Coronavirus scheint weniger aggressiv zu sein als Sars und Mers. Bis Montag starben 80 von rund 2800 Infizierten - das entspräche einer Sterberate von 2,9 Prozent. Allerdings dürfte die Zahl täuschen, denn gerade am Anfang eines Ausbruchs werden eher die schweren Fälle bekannt. Eine Mortalität um drei Prozent wäre nach Ansicht Drostens sehr viel. Der Experte geht davon aus, dass auch die für Sars gewöhnlich angegebenen zehn Prozent ein viel zu hoher Wert sind. "Vermutlich gab es damals viel mehr als die bekannten 8000 Sars-Fälle", erläutert er. 

CORONAVIRUS SYMPTOME

Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt 2 bis 14 Tage. Die Lungenerkrankung äußert sich durch Fieber, trockenen Husten, Abgeschlagenheit und Atemnot. Weil das Virus die unteren Atemwege infiziert, haben Betroffene keinen Schnupfen. Letztlich ähneln die Symptome denen einer Sars-Infektion. Kein Wunder, denn das neue Virus dockt am gleichen Rezeptor an. Der Test auf das Virus basiert meist auf der Analyse von Sputum (Auswurf) und dauert etwa zwei Stunden.

THERAPIE

Eine spezielle Therapie für die Lungenerkrankung gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung. - IMPFUNG: Eine Impfung wäre das beste Mittel, die Epidemie einzudämmen. Laut Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin werden derzeit Impfstoff-Kandidaten gegen Mers am Menschen getestet. Sie seien - erfolgreiche Resultate vorausgesetzt - frühestens in einigen Monaten verfügbar. "Darauf ließe sich dann aufbauen", sagt Schmidt-Chanasit.

RESERVOIRE

Die Reservoire verschiedener Coronaviren liegen im Tierreich. Bei Mers sind Kamele der Ursprung, bei Sars und dem neuen Erreger liegen die Reservoire vermutlich bei Fledermäusen. Auf den Menschen sprang der Sars-Erreger vermutlich von Schleichkatzen über, die auf chinesischen Märkten angeboten werden. Auch 2019-nCoV geht vermutlich von einem Tiermarkt in China aus. Von welcher Tierart das Virus übersprang, ist derzeit nicht bekannt. 

SCHUTZ

Zum Schutz vor diesem wie auch anderen Viren empfehlen Experten gewöhnliche Hygienemaßnahmen: regelmäßiges Händewaschen, Desinfektionsmittel und Abstand zu Erkrankten. Den Nutzen von normalen Atemmasken - wie derzeit in China überall auf den Straßen zu sehen - schätzen Schmidt-Chanasit und Drosten als eher gering ein.

PROGNOSEN

Manche Experten rechnen mit einem langen Ausbruch. "Wir sollten das als Marathon betrachten und nicht als Sprint", sagte Chris Whitty, der die britische Regierung in Gesundheitsfragen berät. "Das Ausmaß und die Auswirkungen dieses Ausbruchs sind derzeit unklar, weil sich die Lage rapide entwickelt", schrieb ein Team um Anthony Fauci von den US-Nationalen Gesundheitsinstituten (NIH) im Fachblatt "JAMA". Der Virologe Drosten hingegen kann sich vorstellen, dass die Epidemie ähnlich schnell endet wie der Sars-Ausbruch, der schnell abflaute und 2004 für beendet erklärt wurde. "Ich bin geneigt, optimistisch zu denken, weil das eine Sars-ähnliche Krankheit ist." Dazu passe, dass es außerhalb Chinas bislang kaum zu einer Weiterverbreitung kam. "Das ist extrem ermutigend." Sars kursiert zwar weiter - aber nur im Tierreich.

je/dpa

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