Osterwiese fällt aus

Zum Schutz der Schwächsten: Bremen eröffnet zweite Corona-Ambulanz

Mundschutz und Desinfektion der Hände müssen sein, haben die Mediziner der neuen Corona-Ambulanz am Klinikum Ost entschieden, nachdem der kleine Patient deutliche Symptome aufwies. Foto: KOLLER
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Mundschutz und Desinfektion der Hände müssen sein, haben die Mediziner der neuen Corona-Ambulanz am Klinikum Ost entschieden, nachdem der kleine Patient deutliche Symptome aufwies.

Das Coronavirus breitet sich auch in Bremen weiter aus. Zum Schutz der Bevölkerung sind jetzt drastische Maßnahmen beschlossen worden.

Bremen - Das war deutlich! Selbst die sonst nicht so leicht so beeindruckenden Medienvertreter waren ganz still, nachdem Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) am Montagnachmittag in ruhigen, aber ganz klaren Worten den Ernst der Corona-Lage in Bremen beschrieben hatte. Danach war allen bewusst: Das öffentliche Leben auch im Land Bremen wird stillstehen – und das für mindestens vier Wochen. Und ohne es eigens zu benennen: keine Osterwiese.

Coronavirus in Bremen: Kein Theater, kein Sportbetrieb

Kein Theater, kein Konzert, keine Barbesuch, kein Resturantbesuch am Abend, kein Shoppingbummel, keine Ausstellung, kein Kino, keine Messen, kein Zoobesuch, keine Schule, kein Sportbetrieb, kein Spielplatzbesuch, kein Bordellbesuch, kein Gottesdienst. Bis einige Tage nach Ostern bleibt alles dicht. „Dann schauen wir mal, ob wir die Maßnahmen aufheben können“, sagte Bovenschulte nach einer Telefonkonferenz mit seinen Länderkollegen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Restaurants dürfen wegen ihrer „Versorgungsfunktion“ immerhin von 6 bis 18 Uhr öffnen. Offen bleiben lediglich Supermärkte, Apotheken, Tankstellen, Banken (auch da haben einige bereits den Publikumsverkehr eingeschränkt), Post, Wochenmärkte und Waschsalons. Dienstleister (auch Lieferdienste) und Handwerker dürfen arbeiten. Auch der Nahverkehr wird aufrechterhalten, allerdings eingeschränkt – es gilt der reduzierte Sonntagsfahrplan. Auf dem Airport dürfen weiter Flieger starten und landen, so Bovenschulte. Doch jeder weiß, dass längst viele Verbindungen gestrichen sind.

Coronavirus in Bremen: Osterwiese abgesagt

Hart trifft es die Schausteller: Die Osterwiese (3. bis 19. April) fällt komplett aus. Bremer Hotels müssen auf Touristen verzichten – nur Geschäftsreisende dürfen in den Häusern übernachten.

Der Bürgermeister fasste zusammen: „Das ist ein massiver Eingriff in die Gesellschaft. Das öffentliche Leben wird weitgehend runtergefahren.“ Die sozialen Kontakten würden auf ein Minimum reduziert. Grund für die drastischen Maßnahmen: der Schutz der Schwächsten, der Älteren und Kranken, betonte Bovenschulte. Es müsse verhindert werden, dass viele Menschen gleichzeitig an Covid-19 erkrankten, damit das Gesundheitssystem die Lage bewältigen könne. 

Coronavirus in Bremen: Behörden arbeiten weiterhin

„Muss das alles sein?“ fragte der Bürgermeister und beantwortete sich die Frage selbst: „Das wissen wir erst am Ende (der Pandemie).“ Lieber wolle er hinterher feststellen, dass man zu viel als zu wenig gemacht habe. Bovenschulte: „Wir müssen alles tun, um den ,Worst Case' mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen zu können.“ Würfeln helfe da nicht weiter.

Die Behörden hielten ihre Arbeit aufrecht, den Unternehmen versprach Bovenschulte Hilfen. Er machte aber deutlich, dass jetzt die Bekämpfung der Corona-Krise Priorität habe. Eine Situation wie diese habe die Gesellschaft seit Kriegsende 1945 noch nie erlebt. „Wir haben dafür keine fertigen Rezepte und Pläne. Solidarität ist das Gebot der Stunde. Den Kampf können wir nur gewinnen, wenn alle mitwirken“, so der Appell des Bremer Bürgermeisters.

Vor der neuen Corona-Ambulanz: Dr. Oliver Müssig (l.), Chefarzt am Klinikum Ost, Bürgermeister Andreas Bovenschulte (v.r.) und Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard.

Coronavirus in Bremen: Weitere Corona-Ambulanz am Klinikum Ost eröffnet

Als Reaktion auf den Ansturm auf die Corona-Ambulanz am Klinikum Mitte hat Bremen am Montag eine zweite Anlaufstelle am Klinikum Ost (Gebäude 51) eingerichtet. In der vergangenen Woche suchten nach Angaben von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) 780 Personen die Ambulanz in Mitte auf. Am Wochenende sei der Ansturm jedoch zurückgegangen. An der neuen Anlaufstelle arbeiten montags bis freitags jeweils zwei Ärzte und Krankenpfleger. 

Ob weitere Ambulanzen eingerichtet werden, müsse die weitere Entwicklung zeigen, so Bernhard. Denkbar wären sogenannte „Drive-In”-Untersuchungen. Die Senatorin rechnet in den nächsten Tagen mit einem „Schwung“ neuer Fälle, möglicherweise im dreistelligen Bereich. Es stehe eine „Bugwelle“ von Tests aus, die erst noch abgearbeitet werden müsse. Die meisten der zur Zeit 57 Corona-Erkrankten im Land Bremen kämen aus Risikogebieten. Für sie und die Kontaktpersonen gelte eine zweiwöchige Quarantäne.

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