Deutlich mehr häusliche Gewalt

Bremer Statistik: Corona verändert die Kriminalität

Gewalt gegen Polizisten nimmt in Bremen weiter zu. Auch Einrichtungen der Polizei sind immer wieder Ziel von Brandanschlägen und Farbattacken – wie hier das Revier am Bürgerpark.
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Gewalt gegen Polizisten nimmt in Bremen weiter zu. Auch Einrichtungen der Polizei sind immer wieder Ziel von Brandanschlägen und Farbattacken – wie hier das Revier am Bürgerpark.

Die Kriminalität steigt leicht an – und Corona prägt die Bremer Kriminalstatistik für das Jahr 2020. Das hat einige positive Auswirkungen, aber auch etliche negative. Die Zunahme häuslicher Gewalt zum Beispiel erschreckt.

Bremen – Es ist die erste Corona-Kriminalstatistik, die Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) am Mittwoch vorlegte – und die Auswirkungen der Pandemie sind auf den ersten Blick zu erkennen. In Zukunft wird es bei Vergleichen der Jahresstatistiken eine Zeitrechnung vor und nach Ausbruch der Pandemie geben müssen, meint Mäurer. Die Zahl der registrierten Straftaten stieg 2020 um 2 641 Fälle auf insgesamt 80 869 Fälle im Land Bremen.

In manchen Deliktsfeldern zeigt das Zahlenwerk durchaus positive Aspekte auf – da wirkt „Kommissar Corona“ gewissermaßen präventiv. So sind die Fallzahlen bei Raubdelikten 2020 im Vergleich zu 2019 um 15,6 Prozent gesunken. Wohnungseinbrüche gingen um 20,7 Prozent zurück, Taschendiebstähle um 43,4 Prozent – ist auch kein Wunder, weil zeitweilig kaum noch Menschen unterwegs waren.

Auch die Zahl der Diebstähle aus Autos ist gesunken (um 18 Prozent); Straftaten, denen ältere Menschen zum Opfer fallen, gingen um 19 Prozent zurück. Diebstähle aus Lokalen, Hotels und Pensionen verringerten sich um 36,2 Prozent – wo nicht geöffnet werden darf, da kann auch nichts wegkommen. „Wenn die Menschen zu Hause sind, reduziert sich die Zahl der Tatgelegenheiten“, sagt Mäurer.

Gelegenheit macht immer noch Diebe...

Denn Gelegenheit macht ja bekanntlich Diebe. Und so sind die Zahlen in anderen Deliktsfeldern deutlich gestiegen – zum Teil ebenfalls wegen Corona. So haben zum Beispiel die Straftaten mit dem „Tatmittel Internet“ – so drücken die Fachleute das aus – 2020 im Vergleich zum Vorjahr in der Stadt Bremen um 58,3 Prozent zugenommen. Wegen Lockdown und Homeoffice ist die Zahl der Einbrüche in verwaiste Werkstatt-, Büro- und Diensträume geradezu sprunghaft um 34,1 Prozent auf 1 368 Fälle gestiegen. Macht etwa 3,75 Fälle pro Tag. Der Waren- und Warenkreditbetrug stieg um 57,2 Prozent an (4 231 Fälle). Und während es beim Subventionsbetrug in der Statistik für 2019 keinen einzigen Fall gab, verzeichnet die Kriminalstatistik für 2020 gleich 101 Fälle.

Häusliche Gewalt steigt dramatisch an

Auch die häusliche Gewalt nimmt deutlich zu: 1 860 Fälle im Jahr 2019, dann 2 153 Fälle im Jahr 2020 – ein Anstieg um 15,8 Prozent, den Mäurer als bedrückend empfindet. Und: „Dies ist nur das Hellfeld“, so der Senator. Ein womöglich nicht geringer Teil solcher Vorfälle sei Außenstehenden verborgen geblieben, da Kindergärten und Schulen über Wochen geschlossen gewesen seien und sich die Opfer zudem aufgrund der Kontaktverbote schwieriger Unterstützung bei Freunden oder Verwandten hätten holen können.

Gewalt richtet sich zunehmend auch gegen Einsatzkräfte und Polizeibeamte – in der Stadt Bremen stieg die Zahl noch einmal von 406 auf 432 Fälle an. Der höchste Stand, seit dieser Wert in der Statistik ausgewiesen wird (seit 2014). In den Deliktszahlen finden sich Widerstandshandlungen und tätliche Angriffe wieder. Beleidigungen werden darunter nicht erfasst, so das Innenressort. Hinzu kommen quasi regelmäßige Farb- und Brandanschläge auf Fahrzeuge und Einrichtungen der Polizei.

Die Gewalt gegen Polizisten werde „mit Sorge“ betrachtet, so Polizeivizepräsident Dirk Fasse. „Wir stellen fest, dass die Akzeptanz polizeilicher Maßnahmen bei einigen Leuten überhaupt nicht mehr vorhanden ist“, sagt Harry Götze, Direktor der Ortspolizeibehörde Bremerhaven. Polizisten schlage mitunter „blanker Hass“ entgegen.

Opposition: Frauen und Kinder besser schützen

Bremens Polizei „steht vor großen Herausforderungen“, kommentiert die FDP-Innenpolitikerin Birgit Bergmann die Statistik. „Wir müssen unsere Anstrengungen, insbesondere Frauen und Kinder zu schützen, dringend verstärken“, so Bergmann.

„Wir brauchen eine Cyber-Polizei“, fordert Marco Lübke, innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Die Pandemie verändert das Verhalten der Täter, sie suchen sich neue Wege. Die Internetkriminalität ist um 58 Prozent gestiegen – und der Senator für Inneres hat dem nichts entgegenzusetzen.“ Der Anstieg der Taten im Bereich der Kinderpornografie von 105 auf 135 Verfahren sei „dramatisch“.

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