Herbergen und Reisebüros in Bedrängnis

Bremer Hotels leiden unter der Coronakrise: „Das Jahr ist gelaufen“

Die Coronawelle macht Hotels und Reiseanbietern in Bremen das Leben schwer. Mit den ansteigenden Infektionszahlen verschärft sich die Krise in den Gastronomie-Unternehmen.

  • Hotels in Bremen klagen über eine Stornierungswelle und Unsicherheit bei den Kunden.
  • Der Hotel- und Gaststättenverband ist über die Aufhebung des Beherbergungsverbotes erfreut.
  • Hoher Umsatzrückgang in Bremer Reisebüros seit der Coronakrise.

Bremen – Bremen ist Corona-Risikogebiet und das bekommen die Hotels zu spüren. Marc Rohe, stellvertretender Geschäftsführer der Atlantic-Hotels, spricht von einer Stornierungswelle und viel Unsicherheit bei den Kunden: In vielen Telefonaten werde gefragt, ob man überhaupt anreisen dürfe.

Verglichen mit Häusern an der Küste konnten die fünf Bremer Atlantic-Hotels mit 1 334 Betten im Sommer nicht von der Tendenz zum Inlandsurlaub als Ausgleich für weniger Geschäftsreisende profitieren, sagt Rohe. Aktuell sei die Auslastung eher schlecht.

Am wenigsten funktioniere der für die Atlantic-Hotels wichtige Veranstaltungsbereich. Viele Familienfeiern seien ausgesetzt oder storniert worden. Aktuell dürften nur wenige Gäste kommen. „Wir müssen uns ständig tagespolitisch darüber informieren, was wir dürfen“, sagt Rohe. Ein Beispiel sei die Aufhebung von Beherbergungsverboten. „Wir versuchen, über die nächsten Monate zu kommen, schauen im Moment aber eher zwei Wochen nach vorne.“

Geschäftskunden blieben aus: Ulrich Straten, Inhaber der drei Bremer „Hotel-Residence“-Häuser, steht vor einem der Hotels in Bahnhofsnähe. Ihm fehlen Geschäftsreisende, die 70 Prozent seiner Kundschaft ausmachen.

Verbote für Bremer Hotels ein „ganz kritischer Punkt“

Über die Aufhebung von Beherbergungsverboten ist man auch beim Hotel- und Gaststättenverband erfreut. Die Verbote seien ein „ganz kritischer Punkt“, sagt Geschäftsführer Jörg Jarchow. Insgesamt sieht er eine „böse Entwicklung“ und harte Monate für die Hotel- und Gastronomiebranche kommen. „Es ist die allgemeine Erwartung, dass es Pleiten geben wird“, sagt er. Auch werde sich das Nachfrageverhalten ändern, etwa durch Videokonferenzen.

Ulrich Straten, Inhaber der drei „Hotel-Residence“-Häusern mit insgesamt etwa 90 Betten, sagt, die Lage spitze sich annähernd wieder zu wie im März, seit Bremen als Risikogebiet gilt. Auch wer aus einem Krisengebiet nach Bremen komme, müsse einen Test vorlegen. „Wenn eine Nacht bei mir 80 Euro kostet und der Test 100 Euro, sagen viele, das brauche ich nicht“, sagt Straten.

Zudem würden viele Firmen nicht wollen, das Geschäftsreisende in Risikogebiete fahren. Geschäftsreisende machten aber 70 Prozent seiner Kundschaft aus. Straten sagt, die Politik müsse sich um die Infektionsherde kümmern, von denen die höheren Fallzahlen herkommen. Er sieht das Problem bei großen Privatfeiern mit 200 bis 400 Besuchern außerhalb der Gastronomie. „Im Hotel ist man alleine und es herrscht überall Maskenpflicht“, sagt Straten. Die Gäste säßen alleine oder in ihren Familien am Tisch. Der Nachbartisch sei dann frei.

Herber Umsatzrückgang in Bremer Reisebüros

Die Reisebüros haben sich mit zahlreichen Demonstrationen im Sommer die Aufmerksamkeit der Politik erkämpft. Hüseyin Senol, Geschäftsführer der „Oyter Reisewelt“, war Organisator bei den Demonstrationen in Bremen. Bei diesen haben die Reisebüros nicht nur auf Einnahmeausfälle aufmerksam gemacht, sondern auch auf die Arbeit an den Stornierungen, die keine Einnahmen bringt. „Im Großen und Ganzen hat es die Politik begriffen“, sagt Senol. Es seien Überbrückungshilfen gewährt und dabei ausgefallene Provisionen eingerechnet worden. Er beziffert den Umsatzrückgang auf 85 bis 90 Prozent. „Das Jahr ist gelaufen“, sagt er.

Senol spricht von neuen Problemen. „Viele Veranstalter stornieren nicht kostenlos, weil der Kunde mit einem Test reisen kann.“ Allerdings würde der Kunde dann vor dem Problem stehen, einen Test zu besorgen, der nur 72 Stunden alt sein darf. Ärzte würden sich weigern, Tests für Reiseangelegenheiten zu machen. „Einige Kunden bleiben auf dem Geld sitzen“, sagt Senol.

Probleme mit Reisewarnung für Risikogebiete

Udo Riemann vom auf Kreuzfahrten spezialisierten „Reisetreff“ verzeichnet seit kurzem einen Anstieg bei den Kreuzfahrten. Das sei ein kleiner Lichtblick. „Sicherer als auf dem Schiff kann man nicht sein“, sagt er. „Man macht einen Test im Hafen. Leute mit negativen Test kommen an Bord.“

Das heiße aber nicht, dass die Geschäftslage gut sei. Man freue sich aktuell über jeden Euro Umsatz. Matthias Preusche, Geschäftsführer beim „Reisetreff“ in Bremen, spricht von vielen Kollegen, die Pleite sind. Das Pandemiegeschehen sorge für Probleme bei Ersatzangeboten wie Flussfahrten, etwa auf der Donau. „Es gab Reisewarnungen für Budapest und Wien.“ Eine alternative Reiseroute sei von den Kunden nicht akzeptiert worden.

Von Martin Kowalewski

Rubriklistenbild: © Kowalewski

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