Zweitimpfung kommt früher

Astrazeneca, Biontech, Moderna: Niedersachsen und Bremen bieten Kreuzimpfung an

Erst AstraZeneca und dann einen mRNA-Impfstoff wie Moderna oder Biontech. Dies ist die Empfehlung der Stiko für alle Männer und Frauen – unabhängig vom Alter.

Bremen – Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlung für den Impfstoff von AstraZeneca erneut angepasst. Aktuell raten sie zu einem Impfmix. Nach der Erstimpfung mit AstraZeneca soll ein mRNA-Impfstoff. Letzteres sind die Präparate von Moderna und Biontech. AstraZeneca ist ein Vektor-Impfstoff.

Pharmakonzern:AstraZeneca
Hauptsitz:Cambridge, Vereinigtes Königreich
CEO:Pascal Soriot (Seit 1. Oktober 2012)
Gründung:April 1999

Mit der neuen Empfehlung fällt auch die Vorgabe fürs Alter. Auch über 60-Jährige sollen den Impf-Cocktail bekommen. Das Bremer Gesundheitsressort will diese neuen Erkenntnisse anwenden. Allerdings betrifft dies nur Personen, die sich in einem Impfzentrum haben impfen lassen. Hausärzte sind an diese Vorgabe nicht gebunden. Auch vor dem Hintergrund, dass es um Astrazeneca in der Vergangenheit wegen Komplikationen immer mal wieder zu Eklats kam.

Empfehlung der Stiko: Kreuzimpfung mit Astrazeneca und danach Biontech oder Moderna bietet besten Schutz gegen die Delta-Variante

Laut der Stiko ist der Mix an Impfstoffen der momentan beste Schutz gegen die Delta-Variante. Die Immunantwort nach dem Verabreichen von zwei verschiedenen Präparaten sei der Antwort nach zwei Dosen AstraZeneca „deutlich überlegen“. Auch über den Abstand der zwei Spritzen hat die Stiko neue Empfehlungen ausgesprochen. Eine Zeitspanne von mindestens vier Wochen soll dazwischen liegen. Die Empfehlung gelte „vorbehaltlich der Rückmeldungen aus dem noch zu eröffnenden Stellungnahmeverfahren“, hieß es.

Mehrere Studien haben sich mit der Frage der Verträglichkeit auseinandergesetzt. Laut einer Anfang Juni auf dem Preprint-Server „medrxiv“ veröffentlichten Charité-Auswertung gebe es keine Nachteile bei Wirksamkeit und Verträglichkeit. Eine Kombination der Präparate in einem Abstand von zehn bis zwölf Wochen sei laut der Studie gut verträglich und rufe vergleichbare Immunantworten wie eine Impfserie mit zweimal Biontech hervor, schrieb der Charité-Wissenschaftler und Impfstoffforscher Leif Erik Sander auf Twitter.

Nach Erstimpfung mit Astrazeneca: Zweitimpfung erfolgt mit mRNA von Biontech oder Moderna auch in Niedersachsen

In Niedersachsen wird die neue Impfregelung bereits seit Freitag umgesetzt, wenn vor Ort ausreichend Impfstoff vorhanden ist. Ab der nächsten Woche erfolgt die Umstellung dann automatisch, ohne dass die Betroffenen dafür noch selbst mit der Impfhotline oder dem Impfzentrum Kontakt aufnehmen müssen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Wer dennoch lieber Astrazeneca für seine Zweitimpfung erhalten möchte, kann dies vor Ort sagen und wird dann mit diesem Präparat geimpft.

Kreuzimpfung aus Astrazeneca und Biontech: Studie zeigt – Kombi hochwirksam und sicher.

Insgesamt warten derzeit rund 390 000 Menschen in Niedersachsen nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca auf ihre Zweitimpfung. Alle Termine in den Impfzentren könnten wie geplant stattfinden, es komme nicht zu Terminausfällen oder automatischen Verschiebungen, betonte das Ministerium. Vielmehr solle es für Betroffene über das Impfportal zeitnah möglich werden, den Zweittermin nach vorne zu verlegen. „Wir werden diese Möglichkeit jetzt so schnell wie möglich schaffen“, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

Bremen: Hansestadt und Bremerhaven folgen der neuen Impf-Empfehlung mit Kreuzimpfung aus Astrazenaca und Biontech oder Moderna

Auch in Bremen findet die neue Impfregelung seit Freitag nicht nur Gehör, sondern wird auch direkt umgesetzt. Wer seinen zweiten Impftermin vorziehen wolle, könne dies über die Hotline oder das Impfportal tun, teilte der Gesundheitssenat mit.

Für das Impfzentrum Bremerhaven sind Termine für die Zweitimpfung aufgrund der Impfstoffkapazität frühestens ab dem 26. Juli möglich. Bestehende Termine bis zum 26. Juli bleiben erhalten und können nicht verlegt werden; hier kann vor Ort der Impfstoff gewechselt werden.

AstraZeneca und Biontech: Experten empfehlen Kreuzimpfung

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach twitterte: „Diese Kombi wird gut vertragen und wirkt noch etwas stärker als doppelte Biontech Impfung. Die Kombination kann man empfehlen.“ Auch in Bezug auf die zunehmend dominierende Delta-Variante scheint die Kreuzimpfung ein probates Mittel zu sein, um Schutz gegen die „indische“ Mutante des Coronavirus zu bieten.

Bei der Kreuzimpfung, also ein heterologes Impfschema, werden zwei verschieden Impfstofftypen verabreicht. Dieses Vorgehen war bisher in Deutschland unüblich, schreibt die Apotheken Umschau. Beim Vektorimpfstoff (AstraZeneca) werden harmlose, nicht vermehrungsfähige Viren in den Körper geschleust. Bei mRNA-Impfstoffen gelangt die mRNA als Bauanleitung für ein Eiweiß des Coronavirus in die Körperzelle, woraufhin die Zelle dieses Eiweiß selbst herstellt und der Körper dagegen Antikörper produziert.

Politik erhofft sich Impfschub durch die Kreuzimpfung nach der Anstrazneca-Empfehlung

Bund und Länder erhoffen sich durch die neue Empfehlung kombinierter Corona-Impfungen einen weiteren Schub für die Impfkampagne. Zahlreich verfügbarer Astrazeneca-Impfstoff ermögliche viele Erstimpfungen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin. Mit einer Zweitimpfung mit den Präparaten von Biontech/Pfizer oder Moderna ergebe sich sehr guter Impfschutz, erklärte Spahn nach Beratungen mit seinen Länder-Kolleginnen und -Kollegen in Bezug auf einen möglichen Impfturbo.

Allen mit einer ersten Spritze von Astrazeneca solle „so bald wie möglich“ eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten werden, sagte der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Amtschef Klaus Holetschek (CSU). Laut Spahn kann das teils sofort passieren – nämlich dort, wo mRNA-Impfstoff auf Lager sei. „Auch bei künftigen Erstimpfungen mit Astrazeneca wollen wir den Impflingen eine Zweitimpfung mit mRNA-Impfstoff anbieten“, betonte Holetschek.

Kreuzimpfung: Empfehlung der Stiko gilt auch für kürzeren Zeitraum zur Zweitimpfung Intervall zur Zweitimpfung

„Es wird sehr zügig gehen können, die Empfehlung umzusetzen, weil ausreichend mRNA-Impfstoff da ist“, versicherte Spahn. Im Beschluss der Minister von Bund und Ländern heißt es: „Jede volljährige impfwillige Person, die sich im Juli und August 2021 mit dem Impfstoff von Astrazenca erstmalig impfen lässt, wird zur Vervollständigung der Impfserie in einem Abstand von mindestens vier Wochen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten.“

Tatsächlich umfasst die Stiko-Empfehlung bei der Kreuzimpfung einen Abstand der zweiten zur ersten Impfung von nur vier Wochen. Bei Astrazeneca war zunächst ein Impfabstand von bis zu zwölf Wochen empfohlen worden. Auch bei den Impfintervallen der mRNA-Impfstoffe heißt die Stiko nun kürzere Abstände als bisher gut.

Rubriklistenbild: © Sven Simon/imago images

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