Bremen: Pharmakologe gibt Einblicke in Studie zu Remdesivir

Corona: Hype und Hoffnung

Prof. Dr. Bernd Mühlbauer
+
Prof. Dr. Bernd Mühlbauer

BremenBremen – Ein Name ist in Zeiten von Corona in aller Munde: Remdesivir. Das Medikament scheint bislang das erfolgversprechendste in der Behandlung von Covid-19 zu sein. In der Sprache des Sports ist Remdesivir somit Hoffnungsträger. Auch der Pharmakologe Prof. Dr. Bernd Mühlbauer sieht das Medikament als „Hoffnung“. Mehr aber auch nicht. Und um in einem Bild aus dem Sport zu bleiben: Irgendwie ist Remdesivir wie der letzte Ersatzspieler, der in der 88. Minute auf den Platz kommt, und das Spiel drehen soll. Ein Fünkchen Hoffnung, sozusagen.

Mühlbauer ist Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie am Klinikum Bremen-Mitte der Gesundheit Nord (Geno). Er verantwortet den deutschen Teil der WHO-Studie über die Wirkung von Remdesivir. Am Donnerstagabend gab der Pharmakologe im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lagerfeuer-Gespräche“ des Universums Einblicke – in den Stand der Studie und der Forschung.

Bislang konzentriert sich die Suche nach Wirkstoffen auf Remdesivir. Es war eines von vier „Hoffnungsträgern“ und ist jetzt als einziger Wirkstoff, der die Studie durchlaufen soll, übriggeblieben. Ursprünglich war es vom US-Hersteller Gilead gegen Ebola entwickelt worden – mit „phantastischen Ergebnissen im Reagenzglas“, so Mühlbauer. Dieses Versprechen hielt es in der klinischen Anwendung nicht.

Bremer Studie zu Corona: Hoffnungsträger Remdesivir

Wie konnte Remdesivir trotzdem zum Covid-19-Hoffnungsträger aufsteigen? Nun, die amerikanische Arzneimittelbehörde vergab als erste eine Zulassung zur klinischen Erprobung. Der Druck auf die Europäer stieg. Und so zog die europäische Zulassungsbehörde trotz „armseligen Datenbestands“ nach. „Wir wissen nichts, als dass es vier Tage Krankenhausaufenthalt verkürzt“, so Mühlbauer. Er sprach von „positiven Nachrichten in den vergangenen zehn Tagen“ wegen eines Impfstoffs, aber auch von „verstörenden Nachrichten“ (weil bei Erkrankten teilweise keine Antikörper nachzuweisen sind). Dann könnten auch Impfungen „nicht anhaltend“ sein. Damit nährte er Zweifel an deren Sinn.

Zurück zur WHO-Studie: Mühlbauer und seinem Team fehlen schlicht Patienten, die Zahlen in Deutschland sind zu niedrig. Warum die Studie denn nicht in Indien oder Südafrika gemacht werde, wo die Zahlen an Erkrankten doch viel höher seien, wurde Mühlbauer gefragt. Er könne als deutscher Mediziner die Untersuchung nicht einfach dort machen, da müssten sich die Kollegen aus diesen Ländern beteiligen. „Thailand und Chile sind bei der WHO-Studie dabei“, ergänzte er.

Bremer Studie zu Corona: Zweite Welle?

Und wie sind die Perspektiven? „Es gibt keine zweite Welle. Das Virus war nie weg“, sagte Mühlbauer. Remdesivir sieht er als „Hoffnungsschimmer“, als positiv dessen „gute Verträglichkeit“. Zuversicht lässt sich zumindest aus der bisherigen Erfahrung („Jede Pandemie läuft sich irgendwann um die Welt tot“) ziehen, aus dem vernünftigen Umgang mit den Vorsichtsmaßnahmen („es war vielleicht richtig mit der räumlichen Distanzierung“) und mit täglich neuen Erkenntnissen. Mühlbauers „persönliche Meinung“: Ob es zu sogenannten Spreader-Events kommt, hängt davon ab, wie tief die Menschen das Virus in die Lunge einatmen. Beispiel: Beim Singen im Chor, schwerer Arbeit (wie bei Tönnies) oder Ansammlungen von begeisterten Fußballfans wie im italienischen Bergamo. Beim beiläufigen Vorbeigehen hält er eine Infektion für nicht sehr wahrscheinlich. Obwohl kein Verfechter der Maskenpflicht, hält Mühlbauer sie für sinnvoll: „Die Masken machen ein Achtungsmoment.“

Von Ralf Sussek

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Letzte Rettungsversuche für gestrandete Wale in Australien

Letzte Rettungsversuche für gestrandete Wale in Australien

Das etwas andere St. Petersburg erleben

Das etwas andere St. Petersburg erleben

Lebensmittel aus dem Netz

Lebensmittel aus dem Netz

Im legendären 100er-Bus durch die Hauptstadt

Im legendären 100er-Bus durch die Hauptstadt

Meistgelesene Artikel

Vorbild Mr. Bean? Mann fährt mit ungesichertem Sofa auf dem Dach durch Bremerhaven

Vorbild Mr. Bean? Mann fährt mit ungesichertem Sofa auf dem Dach durch Bremerhaven

Vorbild Mr. Bean? Mann fährt mit ungesichertem Sofa auf dem Dach durch Bremerhaven
Möbel unter dem Hammer

Möbel unter dem Hammer

Möbel unter dem Hammer
Bremen: Tödliches Mittagessen

Bremen: Tödliches Mittagessen

Bremen: Tödliches Mittagessen
Bremer „Freipaak“: Zwei Eingänge und 100 Schausteller auf der Bürgerweide

Bremer „Freipaak“: Zwei Eingänge und 100 Schausteller auf der Bürgerweide

Bremer „Freipaak“: Zwei Eingänge und 100 Schausteller auf der Bürgerweide

Kommentare