Bremerin berichtet über Erkrankung

Kraftlos und ohne Geschmackssinn: „Corona hat mein Leben erschüttert“

Die Erkrankung an Corona hat das Leben einer 61 Jahre alten Bremerin erschüttert. Sie berichtet über ihre unglaubliche Kraftlosigkeit, über den Geschmackssinn, der ihr verlorenging.

  • Bremerin berichtet über Corona-Erkrankung.
  • Schlapp: Schnelltest bringt Gewissheit.
  • Selbsthilfegruppe für Corona-Genesene in Bremen.

Bremen – Bettina aus Bremen hat die Daten noch im Kopf. Am Freitag, 16. Oktober 2020, hat sie die Grippeimpfung ausfallen lassen, weil es ihr schlecht ging und sie sehr schlapp war. Noch machte sie sich keine Sorgen, denn sie wusste nicht, dass dies an einer Corona-Infektion lag. Eine Leidensgeschichte sollte folgen.

Es ging Bettina, die nicht mit ihrem ganzen Namen in die Medien möchte, schlechter. Sie blieb zu Hause. Am 22. Oktober sorgte ein Schnelltest für Klarheit: Sie hatte eine Corona-Infektion. Die Alleinlebende musste zu Hause in Isolation. „Danach die gingen die Symptome eigentlich erst los“, sagt sie. Am Wochenende darauf kam Fieber hinzu, ihr Kreislauf machte schlapp, erzählt die 61-Jährige.

Bremerin berichtet über Corona-Erkrankung: Die Wohnung glich einem Möbellager

„Die Einkäufe haben eine Freundin und meine Cousine gemacht“, sagt die Bremerin. Sie nahm Paracetamol ein, um das Fieber zu senken. Um aus dem Bett zu kommen und sich in der Wohnung bewegen zu können, stellte sie Stühle auf. Ihre Wohnung sei wie ein kleines Möbellager gewesen. Sie sei von Stuhl zu Stuhl gegangen und habe sich gesetzt, wenn sie zu schwach wurde. „Weil der Kreislauf so schwach war, durfte ich nicht stehenbleiben“, erzählt sie. „Dann sackt man weg. Man kann laufen, sitzen und liegen, aber nicht stehen.“ Das habe ihre Cousine, eine Ärztin, ihr erläutert.

Ab dem zweiten Erkrankungswochenende fielen ihr Geschmacks- und Geruchssinn aus, sie litt unter Husten. Es dauerte, bis eine Besserung kommen sollte. „Mein Kreislauf stabilisierte sich ab dem 28. Oktober. Dann saß ich mehr im Sessel als ich im Bett lag“, sagt sie. „Ich habe versucht, mich viel zu bewegen, um den Kreislauf wieder in Schwung zu bekommen.“ Ein PCR-Test, zwei Wochen nach dem Schnelltest, habe immer noch das Corona-Virus nachgewiesen. Das habe zwei weitere Wochen Isolation bedeutet. „Ich konnte immer noch nicht stehenbleiben. Ich war weit entfernt davon, die Haushaltsführung hinzubekommen“, berichtet Bettina.

Kraftlos nach Corona-Infektion: Als Training Wäsche aufhängen

Sie gab sich kleine Aufgaben, etwa die Waschmaschine zu befüllen. „Duschen und Haarewaschen klappten nur, wenn alles geplant war und Handtücher und Anziehsachen bereitlagen“, so die 61-Jährige. Improvisieren, das ging einfach nicht. Als Training ging sie für jedes Wäschestück einzeln zur Leine. „In der Zeit wuchs mein Verständnis für ältere Menschen, die sagen, ich habe keine Kraft mehr“, sagt die Bremerin. Irgendwann, als die Isolation vorbei war, machte sie einen Spaziergang mit ihrer Cousine. Mit Spaziergängen machte sich die Bremerin weiter fit, doch sie achtete darauf, dass Sitzbänke zum Ausruhen in der Nähe standen.

Sie gilt als genesen: die Bremerin Bettina auf einer Bank vor dem Gesundheitsamt. Als sie nach dem Höhepunkt einer Corona-Erkrankung und Isolation zu Hause vorsichtig mit dem Spazierengehen beginnen konnte, achtete sie immer darauf, dass Sitzbänke in der Nähe standen.

Nach sechs Wochen ging sie wieder zur Arbeit. Sie arbeitet im Kaufmännischen und zudem noch als Mediatorin. Bis heute leidet sie infolge der Erkrankung unter Wortfindungsstörungen. Sie hat sich eine Liste mit Worten gemacht, die sie braucht. „Das Wort ,Tabelle‘ war weg“, sagt sie.

Bettina aus Bremen erzählt von Corona: Geruchssinn mit Gewürzdosen trainiert

Mit Geruchsstäbchen und Gewürzdosen hat sie den Geruchssinn trainiert, in der Hoffnung, dass so der Geschmackssinn zurückkommt. Erfolgreich! „Ich koche aber immer noch schlicht, um den Geschmackssinn nicht zu verwirren“, erzählt sie. Manchmal riecht sie Sachen, die nicht da sind. Manchmal ist noch die Luft knapp, etwa, wenn die grüne Ampel noch schnell geschafft werden soll. „Die meisten Leute sehen mich als gesund an. Ich fühle mich aber noch nicht komplett wiederhergestellt“, so Bettina.

Nach Corona-Infektion: Bremerin Bettina noch nicht wieder komplett hergestellt

Corona hat ihr Leben erschüttert. Sie vermutet, dass es für Patienten, die im Krankenhaus waren, noch schlimmer ist. Ihre Meinung: „So was muss besprochen werden.“ Sie suchte nach einer passenden Selbsthilfegruppe, fand aber keine. Daraufhin wandte sie sich an die Kontaktstelle des Vereins „Netzwerk Selbsthilfe Bremen-Nordniedersachsen“.

„Dort wurde mein Anliegen zum Anlass genommen, eine Selbsthilfegruppe zu initiieren“, sagt die Bremerin. Sie hofft, dass dort die Bedürfnisse der Teilnehmer deutlich werden und auf den Austausch von Tipps, Tricks und Erfahrungen, etwa dazu, wie man den Geschmackssinn wieder zurückbekommt.

Selbsthilfegruppe für Corona-Genesene in Bremen

Die Selbsthilfegruppe für Corona-Genesene soll sich erstmalig gegen Mitte März in der „Selbsthilfekontaktstelle“ des Vereins „Netzwerk Selbsthilfe Bremen-Nordniedersachsen“, Faulenstraße 31, treffen. Eine Anmeldung ist unter 0421/704581 oder per Mail unter info@netzwerk-selbsthilfe.com erforderlich. Das Netzwerk unterstützt Selbsthilfegruppen und Vereine. „Selbsthilfegruppen dürfen sich mit zehn Personen bei Einhaltung des Hygienekonzepts treffen“, sagt Andreas Weippert, Pressesprecher des Vereins. Sollte die Nachfrage größer sein, seien virtuelle Treffen eine mögliche Lösung oder Gruppen in Stadtteilen. In Bremen und „umzu“, wo der Verein hauptsächlich tätig sei, gebe es etwa 700 Selbsthilfegruppen mit etwa 20 000 Teilnehmern. „Wir beraten auch, wenn jemand eine Selbsthilfegruppe sucht“, sagt Weippert. Aktuell finden die meisten Beratungsgespräche telefonisch statt. Kontakt: www.netzwerk-selbsthilfe.com

Rubriklistenbild: © Kowalewski

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