„Lage weiter beherrschbar“

Corona-Krise: Müssen sich Umland-Patienten Sorgen machen, in Bremer Kliniken abgewiesen zu werden?

Die Hygienemaßnahmen in den Bremer Krankenhäusern sind in der Corona-Pandemie sehr umfangreich. Derzeit liegen mehr als 170 Corona-Patienten in den Bremer Kliniken, davon rund 40 aus dem Umland.
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Die Hygienemaßnahmen in den Bremer Krankenhäusern sind in der Corona-Pandemie sehr umfangreich. Derzeit liegen mehr als 170 Corona-Patienten in den Bremer Kliniken, davon rund 40 aus dem Umland.

Bundesweit müssen immer mehr Corona-Patienten in Kliniken versorgt werden. Bei den Intensivbetten und insbesondere beim Pflegepersonal wird es eng. Während Krankenhäuser in einigen Ballungszentren bereits Alarm schlagen und den Regelbetrieb quasi eingestellt haben, ist die Lage in Bremen weiterhin „beherrschbar“, wie es beispielsweise aus dem Klinik-Verbund Gesundheit Nord (Geno) heißt. Aber voller wird es. Müssen sich Patienten aus dem Umland daher Sorgen machen, bald in Bremer Kliniken abgewiesen zu werden?

Bremen – In den vier kommunalen Geno-Kliniken ist die Zahl der Corona-Patienten seit Ende Oktober weiter gestiegen. „Die Patientenzahlen sind auf hohem Niveau stabil“, sagt Sprecherin Karen Matiszick. Gut 100 Covid-19-Infizierte werden in den Geno-Häusern behandelt, davon 20 auf Intensivstationen. Hinzu kommen etwa 30 Verdachtsfälle. Matiszick: „Damit ist die Lage für uns weiterhin beherrschbar.“ Die Zahl der Beatmungsgeräte sei aufgestockt, es gebe ausreichend Räumlichkeiten. „Einen Engpass sehen wir hier nicht.“

Corona-Lage in Bremer Kliniken: Engpässe beim Personal möglich

Engpässe könne es allerdings beim Personal geben, „weil der Arbeitsmarkt leergefegt ist und wir deshalb nicht einfach zusätzliches Personal einstellen können“, räumt die Geno-Sprecherin ein. Schließlich sei nicht ausgeschlossen, dass es auch unter den Mitarbeitern größere Krankheitsausfälle geben könne.

Den „Normalbetrieb“ hätten die Häuser bislang „nicht wesentlich einschränken müssen“, auch Personal sei kaum versetzt worden. Aber: „Wir sehen die Entwicklung mit großer Sorge und schließen nicht aus, dass wir an einen Punkt kommen werden, an dem wir planbare Eingriffe absagen müssen, um ausreichend Personal für die Versorgung der Covid-19-Patienten zu haben“, so Matiszick. Notfälle und Schwerkranke, beispielsweise Krebspatienten, würden jedoch immer versorgt.

Die Sprecherin beruhigt auch die Menschen aus dem Umland, auch sie würden weiterhin in den vier Geno-Kliniken versorgt. Laut Gesundheitsressort liegen immerhin etwa 40 Corona-Patienten aus der Region in Kliniken des Landes, angesichts von insgesamt gut 170 Covid-Patienten ein erheblicher Anteil.

Corona-Lage in Bremer Kliniken: Pflegekräfte im Diako meistern die Situation

Im Diako in Gröpelingen ist bereits vor zwei Wochen eine zusätzliche Corona-Station eingerichtet worden. Auch erfülle das Haus die jetzigen Maßgaben der Stadt, acht Prozent der Kontingente auf den Normalstationen und 16 Prozent auf den Intensivstationen für Corona-Patienten freizuhalten, sagt Sprecher Ingo Hartel. Um diese Kontingente reduziert, laufe der Regelbetrieb jedoch weiter. Betten und Beatmungsgeräte für Corona-Patienten gebe es ausreichend. Das Diako hat laut Hartel bereits vor Monaten die Intensivkapazitäten von 14 auf 28 Plätze, die Beatmungsplätze von acht auf 16 verdoppelt. „Derzeit können unsere Pflegekräfte die Situation noch meistern“, betont der Sprecher. Die Hygienemaßnahmen in der Klinik sieht er auf „Top-Niveau“, alle Mitarbeiter trügen FFP2-Masken. Ähnlich berichten es auch die anderen Kliniken. Und das Thema Umland-Patienten? Da sieht Hartel derzeit auch keine Probleme bei der Behandlung. Allerdings sehe die Gewichtung, grob formuliert, zwei Drittel der Patienten aus Bremen und bis zu einem Drittel aus dem Umland vor.

Corona-Lage in Bremer Kliniken „weiter beherrschbar“: RKK hält Intensiv-Plätze vor

Das Rot-Kreuz-Krankenhaus (RKK) betont, dass es alle Notfall-Patienten aufnehme, egal woher – solange es keine anderslautende Anordnung gebe, erklärte Sprecherin Dorothee Weihe. Die Notfallversorgung werde auch bei Einschränkungen stattfinden. Die neuen behördlichen Anordnungen zur Vorhaltung von Intensiv-Kapazitäten für Corona-Patienten übererfülle das RKK bereits seit zwei Wochen durchgängig.

Laut Weihe versorgt das RKK in der Neustadt derzeit etwa 25 Corona-Patienten, davon sechs intensiv. „Die Versorgung noch höherer Zahlen von Corona-Patienten kann in den Krankenhäusern nur bei Reduktion anderer stationärer Aufnahmen gehen“, sagt die Sprecherin. Das RKK habe vorsorglich damit begonnen, weitere Stationen zusammenzulegen, damit Personal für die Versorgung der Corona-Patienten bereitstehe. Aus der Roland-Klinik gebe es für das RKK bereits wieder (wie bei der ersten Welle) Unterstützung durch einige Pflegefachkräfte und Ärzte, wie Sprecherin Tine Klier bestätigt. Aktuell laufe der Betrieb an der Roland-Klinik unter Corona-Bedingungen noch ganz normal weiter.

Corona-Lage in Bremen: Ausreichend Betten im St.-Joseph-Stift

Das St.-Joseph-Stift in Schwachhausen unterscheidet bei den Patienten laut Sprecher Maurice Scharmer nicht nach dem Wohnort. Zwei der zwölf Corona-Patienten würden beatmet. „Derzeit verfügen wir über ausreichend Betten, Intensivbetten, Beatmungsgeräte und Pflegekräfte für alle Patienten“, betont Scharmer. Er sagt auch: „Sollten die Zahlen weiter steigen, werden wir eventuell wieder, wie im Frühjahr, medizinisch planbare Operationen nicht mehr durchführen und das medizinische Personal auch anderer Fachabteilungen in die intensivmedizinische Behandlung einbeziehen.“ Noch sei das jedoch nicht notwendig.

Corona-Lage in Bremer Kliniken „weiter beherrschbar“: Gespräche mit Umland-Behörden

Der eine oder andere Patient aus dem Umland könnte in Kürze allerdings durchaus in seine Klinik vor Ort verlegt oder gleich dort statt in Bremen aufgenommen werden, räumt Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts, am Mittwoch ein. Man stehe in ständigem Kontakt mit den Behörden im Umland. Wichtig sei, die Versorgung aller Patienten sicherzustellen, dazu gehöre eine sinnvolle Verteilung. Außerdem, das bestätigt Fuhrmann, bereiten sich Ressort und Kliniken darauf vor, bei Bedarf den Regelbetrieb weiter zurückzufahren.

Bremen und Corona: 217 neue Fälle

Die Zahl der neuen Corona-Fälle im Land Bremen ist deutlich um 217 (Stadt Bremen: 194) auf 7 602 gestiegen, der Inzidenzwert für die Stadt Bremen aber leicht auf 197 gesunken. Aktuell sind dem Gesundheitsressort 2 250 Infizierte im Land bekannt (Stadt Bremen: 2 146). 173 Covid-19-Patienten werden in Kliniken des Landes versorgt (darunter knapp 40 aus dem Umland), 36 liegen auf Intensivstationen, 19 davon beatmet. 

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