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Angespannte, aber stabile Lage in Bremer Kliniken

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Von: Elisabeth Gnuschke

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Versorgung eines Corona-Patienten im Rot-Kreuz-Krankenhaus: Die Lage an den Bremer Kliniken ist angespannt, aber stabil.
Versorgung eines Corona-Patienten im Rot-Kreuz-Krankenhaus: Die Lage in den Bremer Kliniken ist angespannt, aber stabil. © RKK/Weihe

Lockerungen der Corona-Maßnahmen trotz hoher Infektionszahlen - das schwebt Bremen vor, denn die Lage in den Kliniken entspanne sich ein wenig. Wie sehen das die Krankenhäuser?

Bremen – Omikron hat die Infektionszahlen in die Höhe schnellen lassen. Fast jeder kennt mittlerweile in seinem Umfeld Corona-Infizierte. Der Verlauf scheint milder als bei anderen Varianten zu sein. Daher denkt Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) über Lockerungen der Corona-Maßnahmen nach, erlaubt am Sonnabend 10 000 Zuschauer beim Werder-Spiel. Als Begründung verweist er auf eine „leichte Entspannung“ auf den Intensivstationen. Wie schätzen die Bremer Kliniken selbst ihre Lage ein?

Einhellig sprechen die Krankenhäuser von einer angespannten Situation, von steigenden Patientenzahlen auf den Isolierstationen, aber gleichzeitig auch von einer stabilen Lage mit „leicht abnehmender Tendenz“ auf den Intensivstationen, wie es die Sprecherin des Rot-Kreuz-Krankenhauses (RKK) formuliert. Dorothee Weihe betont zugleich: „Da die Gesamtinfektionszahlen jedoch weiter steigen, sind wir wachsam.“

RKK: Leichte Entspannung

Die RKK-Sprecherin nennt für die leichte Entspannung Zahlen: Kam auf zwei „normale“ Corona-Patienten vor ein paar Wochen ein Intensivfall, so kommt jetzt auf 4,5 Covid-Infizierte ein Intensivpatient.

Fünf Prozent der Planbetten müssen die Bremer Kliniken derzeit für Corona-Patienten freihalten, auf den Intensivstationen 15 Prozent der im Krankenhausbedarfsplan gemeldeten Betten. Im RKK übersteige die Zahl der Corona-Patienten diese Vorgaben seit Wochen regelmäßig, so Weihe. Von freizuhaltenden 13 stationären Betten im RKK seien in der Regel 20 belegt, es müsse also aufgestockt werden. Voll belegt sei auch die Intensivstation, allerdings nicht ausschließlich mit Corona-Patienten. Weihe: „Im Schnitt sind es zur Zeit in der Woche drei bis fünf Corona-Intensivpatienten.“ Am Dienstag versorgte die Klinik in der Neustadt einen Corona-Patienten intensiv, 21 auf den Corona-Stationen.

Hohe Zahl an Corona-Patienten wirkt sich auf andere Patienten aus

Wirkt sich die hohe Zahl an Corona-Patienten auf die Behandlung anderer Patienten aus? Ja, sagt die Sprecherin, „immer“, denn es müssten dafür Kapazitäten an anderer Stelle reduziert werden. Und sie wird deutlich: „Die anspruchsvolle, zeitintensive und anstrengende Versorgung von Corona-Patienten erfordert zusätzliche pflegerische und ärztliche Kapazitäten für die fachgerechte Versorgung. Dies kann nicht mal eben so neben dem normalen Krankenhausbetrieb laufen.“ Auch die zusätzlichen Isolierungsbedarfe wirkten sich auf die Bettenbelegung aus. „Vereinfacht gesagt: Jedes durch einen Corona-Patienten belegte Bett ,kostet’ den stationären Klinikaufenthalt von bis zu zwei Nicht-Corona-Patienten“, sagt die RKK-Sprecherin. Notfälle würden dennoch versorgt, vor allem in Fachbereichen wie beispielsweise Gefäßchirurgie.

Aber wie geht das? Nun, so Weihe, Personal wurde aus anderen Bereichen umgeschichtet, Dienstpläne geändert, Hygienemaßnahmen verstärkt (nur noch Einzelpausen, tägliche Tests, großflächige PCR-Tests), Operationen werden nach Ansicht des Einzelfalls verschoben. Nicht verschoben werden könnten jedoch Akutfälle wie bei Herz- und Krebserkrankungen sowie Unfällen. Das ist noch nicht alles an Maßnahmen, um Platz und Personal für Corona-Patienten zu schaffen. Eine weitere Normalstation wurde geschlossen und zur zweiten Infektionsstation umfunktioniert.

Und die Mitarbeiter, wie sieht es dort mit Infektionen aus, um beispielhaft beim RKK zu bleiben? Im Schnitt befänden sich 25 von 900 Beschäftigten in Quarantäne, am Dienstag lediglich zwölf. 96 Prozent der Mitarbeiter sind geimpft, heißt es.

Geno-Sprecher: Vor allem Ungeimpfte auf Intensivstationen

Angespannt, aber stabil, so ist auch die Lage an den vier kommunalen Kliniken der Gesellschaft Gesundheit Nord (Geno), wie Sprecher Rolf Schlüter auf Nachfrage sagt. Derzeit werden 100 Corona-Patienten behandelt, zwölf auf Intensivstationen, davon neun beatmet. Nach wie vor liegen auf den Intensivstationen vor allem ungeimpfte und nicht vollständig geimpfte Patienten. Schlüter: „Es bleibt dabei, die Impfungen sind hochwirksam und helfen uns sehr durch die Pandemie.“ Von den rund 8 000 Geno-Beschäftigten sind laut Sprecher noch um die 350 ungeimpft. Da ab 16. März für Pflegepersonal Impfpflicht gilt, appelliert der Verbund eindringlich an alle Ungeimpften, sich piksen zu lassen, Impftermine sind vorbereitet. Wegen Corona fallen laut Schlüter etwa 250 Mitarbeiter aus, unter anderem auch wegen Kinderbetreuung.

St.-Joseph-Stift stark ausgelastet

Stark ausgelastet ist auch das St.-Joseph-Stift. 31 Corona-Patienten werden hier versorgt, davon vier auf Intensivstationen, fast alle ungeimpft, sagt Sprecher Maurice Scharmer. Die Klinik rechne mit steigenden Patientenzahlen. Bei Bedarf könne die Kapazität für Corona-Fälle ausgebaut werden, unter anderem durch die Verschiebung von planbaren Eingriffen. Bislang habe das Stift davon nur in Einzelfällen Gebrauch machen müssen. Von den 1 100 Beschäftigten befänden sich etwa 40 wegen Covid-19 in Isolation.

Stadt Bremen: Hospitalisierungsinzidenz sinkt leicht

Das Gesundheitsressort hat am Dienstag 1 163 neue Corona-Fälle gemeldet – alle in der Stadt Bremen, da Bremerhaven die Meldung verpasste. Die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt Bremen sank erneut: von 1,397,3 auf 1,293,3. Auch die Hospitalisierungsinzidenz fiel leicht – von 15,5 auf 14,6. Sie liegt aber weiter deutlich über dem Schwellenwert 9. In Bremen und Bremerhaven gilt wie bisher Warnstufe 4. Ein weiterer Mensch mit dem Virus ist gestorben, bisher 643. In den Bremer Kliniken liegen 142 Corona-Patienten, davon 17 auf Intensivstationen (neun beatmet).

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