Luke Mockridge

Witzbold mit Wuschelkopf

Luke Mockridge traf mit seiner Comedy in der ausverkauften Bremer Stadthalle den Nerv des Publikums. Nur am letzten Teil der Show sollte der Witzbold mit Wuschelkopf noch ein wenig arbeiten. Foto: Photoka

Bremen - Von Steffen Koller. Wuschelkopf, Web-Held, Witzbold: Luke Mockridge hat am Freitagabend in der ausverkauften Stadthalle (ÖVB-Arena) gastiert. Mit seinem Programm „I'm Lucky, I'm Luke“ traf er den Nerv des Publikums. Der Newcomer am deutschen Comedy-Himmel bewies sich dabei als Multitalent, auch wenn der Funke zum Schluss seiner Show nicht mehr ganz überspringen wollte.

„Willst Du ein Kind von mir?“ fragt Luke Mockridge rhetorisch ins Publikum. „Hab' gerade keins dabei. Aber ich geb' Dir 'nen Schuldschein“, heißt es kurz darauf. Als der 27-Jährige – zerzauste Haare, Dreitagebart, Schlabberlook – auf die Bühne vor rund 9 000 Menschen tritt, ist von Anspannung nichts zu spüren. Gänzlich anders verhält sich ein Großteil des vorwiegend weiblichen Publikums. Nervös wippen Mädchen auf ihren Stühlen hin und her, Handys werden gezückt. Kreisch-Alarm in den ersten Reihen. Doch das scheint er gewohnt zu sein, auch wenn ihm ab und an ein fast schon debil klingendes Kichern herausrutscht.

Kein Wunder, scheint dem gebürtigem Bonner die Bühne in den Genen zu liegen. Mutter und Vater sind seit Jahren auf den Bildschirmen zu Hause, haben in der „Lindenstraße“ gespielt und sind als Kabarettisten unterwegs. Mockridge meint da eine Ahnung zu haben, dass das heute „fucking lustig“ werden kann.

Und das wird es. Der großgewachsene junge Mann weiß genau, was sein Publikum bewegt, welche Themen angesagt sind. Schließlich, und das scheint eine seiner großen Stärken zu sein, ist er schlicht genauso alt wie sie. Es geht um Liebe, Erziehung, Schule, die „klassischen Frau-Mann-Dinger“ und vor allem um die 90er.

„Gummibärenbande“, „Backstreetboys“, Nintendo 64. Zu allem hat er was zu erzählen, und das Publikum findet sich wieder, knüpft Erinnerungen, sing mit, als er an Klavier und Gitarre Klassiker wie „Mr. Vain“ oder „Lemontree“ zum Besten gibt. Es dauert nicht lange, da ist auch Mockridge ganz angetan von Bremen. „Hier gibt es nicht so viele Asoziale“, meint er zu wissen, schließlich komme er gerade aus Neumünster. Der 27-Jährige verlangt seinem Publikum nicht viel ab, seine Witze kratzen an der Oberfläche, beziehen kaum Stellung. Aber wer sagt denn, dass Comedy tiefgründig sein muss.

Mockridge hampelt umher, verstellt gekonnt seine Stimme und verleiht so den Figuren aus seiner Kindheit Substanz, macht sie greifbar für die Zuschauer, die bei vielen Passagen zustimmend mit dem Kopf nicken. Ganz genau so, als würden sie genau wissen, wovon er spricht, sich in ihre eigene Kindheit versetzt fühlen.

Luke Mockridge in Bremen

Doch auf Dauer reicht nicht jedem das für einen gelungenen Abend. 90 Minuten hat er das Publikum voll auf seiner Seite, die letzten 30 ziehen sich etwas in die Länge. So wie das Bühnenbild – eine Art Baustelle – befindet sich wohl auch Mockridge noch im Werden.

Das komödiantische Gerüst scheint zu stehen, in den kommenden Jahren muss dem Ganzen vielleicht etwas mehr Breite und Farbe verliehen werden. Dann hat seine Show auch das Potenzial, ganz besonders „fucking lustig“ zu werden.

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