Clownerie, Jonglage, Artistik: Begeisterung beim Jugendzirkusfestival

Raus aus dem Alltag

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Noch nie war es so einfach, ein gelungenes Gruppenfoto zu schießen: In Windeseile klettern die Jugendlichen auf ein Gerüst im Innenhof der Bremer Shakespeare-Company – und freuen sich sichtlich über den gelungenen Tag.

Bremen - Von Steffen Koller. „Ohne Zirkus wäre ich nichts!“ René ist erst 15 Jahre alt, dennoch weiß er schon jetzt, wohin ihn sein Weg führen soll. Man sieht ihm die Begeisterung für Clownerie, Jonglage und andere Disziplinen an, genau wie den anderen fast 80 Teilnehmern aus sechs Ländern (Palästina, Türkei, Frankreich, Italien, Belgien, Deutschland) des internationalen Jugendzirkusfestivals „Bridges for Youth“, das nach elf Tagen harter Proben diese Woche seinen Abschluss findet. Ein Blick über den Manegenrand.

Das Thermometer zeigt 30 Grad, junge Menschen aus Italien, Frankreich, der Türkei, Palästina, Belgien und Bremen haben sich im Innenhof der Bremer Shakes-peare-Company (BSC) ein schattiges Plätzchen gesucht. In Gruppen üben sie unter Aufsicht der einzelnen Workshop-Leiter. Eigentlich, so der Plan, sollten die Proben zur abschließenden Show am morgigen Donnerstag im Lidice-Haus auf dem Stadtwerder stattfinden. Doch so spontan der Ortswechsel, so spontan zeigen sich die 13 bis 25 Jahre alten Jung-Artisten im Denken und Handeln. So spontan und anders sind die Stücke, die sie einstudieren. Kein Druck, kein Wettbewerb. Es geht um den Spaß an der Sache und kulturellen Austausch.

Dass das so ist, zeigt bereits das Motto des Festivals, welches übersetzt „Brücken für die Jugend – zwischen Asphalt und Sternenhimmel“ bedeutet. Die Brücke schafft das gemeinsame Ziel, die Leidenschaft für die Manege, die alle hier teilen. Der Asphalt symbolisiert das alltägliche Leben, Dinge, die die Jugendlichen bewegen. Und da jeder von ihnen einen Traum verfolgt, darf der Blick Richtung Sternenhimmel natürlich nicht fehlen.

Damit das Ziel Zirkus-Star auch eines Tages greifbar wird, trainieren die Jugendlichen drei Stunden in Workshops am Vormittag, am Nachmittag geht es individuell weiter. So auch für den Bremer René, der sagt, er habe „ganz klein angefangen“, um dann zu ergänzen: „Es macht so einen Spaß!“ Viel Zeit für Gespräche bleibt nicht, René muss zurück zur Gruppe, eine Einlage aus Akrobatik und Balance steht auf dem Programm. „Dabei schaffen die Jugendlichen besondere Bilder und eine einzigartige Atmosphäre“, meint Alina Weber vom Organisationsteam.

Während sie davon berichtet, schaut ein kleiner Junge aus Palästina ganz neugierig ins Weite. Ob er wohl was sucht? Alina sagt: „Er liebt sein Einrad. Er ist mit ihm verwachsen.“ Es sei schon vorgekommen, dass er mit seinem Rad in die Kantine zum Essen gefahren sei, so sehr hänge er seinem Gefährt. Und auch darum geht es. Jeder der Jugendlichen hat ganz eigene Erfahrungen gemacht. Manche kommen aus Krisengebieten, andere wachsen behütet auf. Sich darüber auszutauschen, stünde zwar nicht im Vordergrund, so Alina, doch stärke das Festival auch die „interkulturelle Kompetenz“. Im Hintergrund wuseln die Jungen und Mädchen, anfängliche Konzentriertheit weicht großer Freude. Bei modernen Beats heißt es: weiter im Training, das an diesem Tag in einer einstündigen Generalprobe mündet.

„Habt keine Angst, seid nicht aufgeregt“, sagt ein Mann. Kurz darauf zeigen die jungen Leute, was sie drauf haben und beweisen gleichzeitig, dass Respekt und Toleranz die Werte sind, die ganz weit oben stehen. Keiner wird ausgelacht, nur Applaus hallt durch den Saal. Das wird sicher heute, Mittwoch, 20 Uhr, und morgen, Donnerstag, 16 Uhr, bei den abschließenden Shows im Haus der Shakespeare-Company am Leibnizplatz nicht anders sein.

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