„Cinemaxx“-Prozess: Polizisten schildern Situation nach tödlichen Messerstichen

„Aggressive Stimmung“

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Bislang schweigt der 22-jährige Angeklagte zu den Tatvorwürfen. Er soll am 13. Juli 2014 im Bremer „Cinemaxx“ einen 19-Jährigen erstochen haben.

Bremen - Von Steffen Koller. Tag zwei im Verfahren wegen Totschlags gegen einen 22-Jährigen, der am Abend des WM-Finales im Kino „Cinemaxx“ einen 19-Jährigen erstochen haben soll, begann gestern vor dem Landgericht Bremen mit den Aussagen dreier Polizisten, die am Abend des 13. Juli am Einsatzort waren. Sie sprachen von „chaotischen Zuständen“ und „sehr aggressiver Stimmung“. Der Angeklagte selbst schweigt weiterhin.

Die Beamten erhalten kurz nach 23.30 Uhr den Einsatzbefehl „Massenschlägerei mit 30 bis 40 Personen“, auch ein Messer soll im Spiel sein, berichtete ein 45-jähriger Polizist vor Gericht, der zusammen mit seinem Kollegen (51) an diesem Abend Dienst hat. Sie hören noch über Radio, dass Mario Götze gerade das 1:0 für Deutschland erzielt hat, kaum eine Minute später stehen sie vorm „Cinemaxx“. Ihnen entgegen kommt ein junger Mann, „blutverschmiert im ganzen Gesicht“. Es ist der 22-jährige Angeklagte, ihm auf den Fersen „eine Meute von rund 15 Personen“, erinnerte sich der Polizist.

Zu diesem Zeitpunkt scheint die Lage äußerst unübersichtlich, immerhin feiern im Kino zwischen 2000 und 3000 Menschen. Wer ist Täter, wer Opfer? Die Beamten versuchen sich ein Bild zu machen, doch die aufgebrachte Menge sei „sehr aggressiv“ gewesen, die „Zustände chaotisch“, sagte einer von ihnen. Der Angeklagte habe zu den Polizisten gesagt, dass er „das Opfer sei und nichts gemacht habe“. Schützend stellen sie sich vor den jungen Mann und warten auf Verstärkung. „Die wollten den an die nächste Laterne hängen“, schilderte der 51-Jährige die Atmosphäre.

Kurz nachdem der 22-Jährige von anderen Polizisten weggefahren wird, gehen etwa 40 Personen auf die Beamten los, fordern vehement die Herausgabe des mutmaßlichen Täters. Während im Kino selbst das 19-jährige Opfer aus Osterholz-Scharmbeck um sein Leben kämpft, untersuchen Kriminalbeamte den mutmaßlichen Täter und stellen „oberflächliche Schnitt- und Schürfwunden an Schläfe, Nase und Stirn“ fest. Die Wunden könnten für die Auffassung des Verteidigers sprechen, der von einer Notwehrhandlung ausgeht. Im Kino habe man seinen Mandaten mit kaputten Glasflaschen angegriffen, hatte Verteidiger Carsten Scheuchzer bereits zu Prozessauftakt gesagt.

Am ersten Verhandlungstag waren der Angeklagte, sein Verteidiger, Richterin und Staatsanwalt durch Unbekannte massiv mit dem Tod bedroht worden. Gestern machte die Familie des Opfers, vertreten durch den Vater des 19-Jährigen, der auch als Nebenkläger auftritt, deutlich, dass die Drohungen nicht aus dem Kreis des Getöteten stammen. Man distanziere sich klar von den Morddrohungen und hoffe auf ein „sachliches und ruhiges Verfahren“. Auch gestern war der Prozess durch massive Polizeipräsenz geprägt, Spürhunde durchsuchten den Saal nach Sprengstoff.

Am Dienstag, 3. Februar, wird das Verfahren fortgesetzt. Dann sollen weitere Polizisten als Zeugen gehört werden.

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