Mosel-Riesling gewinnt Weißwein-Wahl

Château und „Goldkupp“ im Rathaus 

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Cord Hesterberg und Schneidermeisterin Margitta Raguschke von der Nähstube der Schaffermahlzeit.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Wer darf den Wein liefern? Ein prestigeträchtiger Auftrag – einmal wegen der Schaffermahlzeit an sich, aber auch wegen der Wirkung über Bremens Grenzen hinaus. Viele Gäste kaufen sich den Wein als buchstäblich geschmackvolles Souvenir. Deshalb wird gerade beim Roten auch darauf geachtet, dass er a) jetzt schon schmeckt und b) sich nach einigen Jahren der Lagerung noch einmal als besonders hochklassiger Botschafter Bremens präsentiert. Gesucht wird stets ein mindestens vier Jahre alter Bordeaux.

Nun, der Rotwein für die 474. Schaffermahlzeit kam vom „Weinhaus Ludwig von Kapff“ – ein 2012er Château d’Aiguilhe aus dem Weinbaugebiet Castillon (Côtes de Bordeaux). „Der hat jetzt schon eine gute Fülle im Mund und eine gute Frucht, die sich sehr schön verteilt. Und mit Sicherheit hat er noch Potenzial“, sagt Eduard Dubbers-Albrecht, der für die fachliche Organisation der Weinauswahl zuständig ist.

Den Weißwein lieferte dieses Mal der Bremer Ratskeller – er kommt von der Mosel, aus der Heimat von Ratskellermeister Karl-Josef Krötz also. Es handelt sich um den 2016er „Mehringer Goldkupp“ (Weingut Hank, Riesling Spätlese trocken).

Zeitgenössische Kunst unter der Decke

„Cui Bono“, die Installation des britisch-guyanischen Künstlers Hew Locke, schwebt über der Dreizack-Tafel der Schaffermahlzeit. -

Die Kapitäne, Kaufleute und Gäste sitzen bei der Schaffermahlzeit stets unter den prächtigen Orlogschiffen, die von der Decke der Oberen Rathaushalle hängen. In diesem Jahr gab es eine Neuerung. Erstmals feierten die Teilnehmer der Schaffermahlzeit sozusagen unter einem zeitgenössischen Kunstwerk – unter der Installation „Cui Bono“, die der britisch-guyanische Künstler Hew Locke, Jahrgang 1959, voriges Jahr im Zusammenhang mit der Kunsthallen-Ausstellung „Der blinde Fleck – Bremen und die Kunst in der Kolonialzeit“ fürs Rathaus geschaffen hatte. Auch ein Schiff – aber aus anderen Materialien als die Orlogschiffe. Locke griff für sein Vier-Meter-Werk unter anderem zu Stoff, Seilen, Metalldraht, Leinwand, Acrylfarbe, Ölfarbe und allerlei Zierrat.

Drei Frauen an Tisch A

Frauen bei der Schaffermahlzeit – vor wenigen Jahren ein Riesendiskussionsthema, inzwischen nur noch eins von vielen Themen im Zusammenhang mit dem Brudermahl, bei dem Schwestern jetzt ja ausdrücklich auch zugelassen sind.

Viele sind es aber noch nicht. Dieses Mal waren drei dabei, alle saßen sie an Tisch A: Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe und Ehrengast von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), Dr. Bettina Volkens (Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektorin der Lufthansa) und Hildegard Müller (Vorstand Netz und Infrastruktur der RWE-Tochter „Innogy“).

Nähstube neu besetzt

Bei der Schaffermahlzeit gibt es ja immer mal wieder Neuerungen. So zum Beispiel in der Nähstube, die sich beim Vorab-Empfang im Haus Schütting und später im Rathaus um kleine Notfälle aller Art kümmert. Schneider Michael Voigts aus Oberneuland hat das Amt – und damit eine Familientradition – aufgegeben.

Worauf in der Sögestraße das Telefon klingelte. Beim Herrenausstatter Stiesing, der die Aufgabe nun übernommen hat. Und so standen jetzt Cord Hesterberg und Schneidermeisterin Margitta Raguschke in der Nähstube bereit. Sie erneuerten Frack- und Manschettenknöpfe dort, wo plötzlich buchstäblich Not am Mann herrschte. . .

Auch der Gedanke an – theoretisch mögliche – Rotweinflecken auf weißen Frackhemden brachte das Nähstuben-Duo nicht aus der Ruhe, ganz im Gegenteil: „Dann holen wir einfach eben ein neues Hemd aus dem Geschäft. Bis zur Sögestraße ist es ja nicht weit.“

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