Christian Grasmann von seinem ersten Sixdays-Sieg überwältigt / Keine Pause für Marcel Kalz

Der Sieg ist da – der Bart ist ab

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Kenny de Ketele setzt genussvoll den Rasierer an – und Christian Grasmann scheint es zu genießen.

Bremen - Von Gerd Töbelmann. Es hat sicherlich schon spannendere Finaljagden um den Gesamtsieg gegeben, aber der Endspurt der 52. Bremer Sixdays hatte es in der Nacht zu Mittwoch dennoch in sich.

Grund: Christian Grasmann (34) feierte im 60. Anlauf seinen ersten Sixdays-Sieg überhaupt, was zu großen Teilen auch an seinem kongenialen belgischen Partner Kenny de Ketele (30) lag. „Ich bin so stolz und froh, dass wir das hier geschafft haben. Ich hatte so viel Adrenalin im Blut und bin jetzt in einem richtigen Flow“, sagte Grasmann mit leicht feuchten Augen.

Und wie im Vorfeld angekündigt, musste der Sieger noch auf dem Siegerpodest Federn, nein, Haare lassen. De Ketele ließ sich einen Trockenrasierer reichen und legte mit viel Freude Hand am Vollbart an – Grasmann schien es sogar zu genießen. Vollendet wurde das Werk dann bei der After-Race-Party im Courtyard-Hotel.

In den Stunden zuvor hatte Grasmann wirklich alles dafür getan, um endlich diesen kleinen Makel, bisher noch nie ein Sechstagerennen gewonnen zu haben, aus seiner Vita zu tilgen,

Um die Anspannung etwas zu lösen, unterhielt er sich unmittelbar vor der finalen Jagd noch mit Titelverteidiger Marcel Kalz, mit dem er sich auch die Koje teilte. In anderen Sportarten schier unmöglich. Man stelle sich einmal vor, dass im Tennis Novak Djokovic und Roger Federer vor einem Grand-Slam-Finale die gleiche Umkleide teilen – undenkbar. Die Radsportler sind da eben anders, obwohl es dann auf der Bahn auch schon mal knallhart zugehen kann.

Noch 20 Minuten vor dem Ende lagen gleich vier Teams in der Nullrunde und durften sich Titelchancen ausrechnen. Zehn Minuten später sah das anders aus. Die Titelverteidiger Marcel Kalz/Alex Rasmussen und auch Yoeri Havik/Sebastian Mora konnten das Tempo nicht mitgehen und verloren an Boden.

Dann fiel die Vorentscheidung: Der vielfache Weltmeister Kenny de Ketele trat unwiderstehlich an und erarbeitete sich auf der 166 Meter langen Bremer Bahn schnell einen Vorsprung von einer halben Runde. Nach der Ablösung vollendete Grasmann dann das Werk und nahm den Verfolgern und Vorjahreszweiten Jesper Mörkov und Morgan Kneisky die letztlich entscheidende Runde ab. Kurz vor Schluss verlief ein weiterer Ausreißversuch dann im Sande. „Das ist sowas von egal, dass wir nicht mehr rumgekommen sind. Wichtig ist, dass wir gewonnen haben“, sprudelte es aus Grasmann heraus.

Und Partner de Ketele fügte noch hinzu: „Schon im September haben wir uns für Bremen verabredet und in der Vorbereitung alles getan, um hier auch gewinnen zu können. Super, dass das geklappt hat.“

Ganz und gar nicht auf Party ausgerichtet war Marcel Kalz, der mit Rasmussen letztlich Dritter wurde. Unmittelbar nach der letzten Runde stieg er enttäuscht vom Rad, ging gebeugt zu seiner Koje und vergrub sein Haupt kopfschüttelnd in einem Handtuch. Das lag nicht nur an der Enttäuschung über Bronze, sondern in erster Linie an den Schmerzen im wunden Gesäßbereich. „Die letzte halbe Stunde war Quälerei pur. Fast hätten wir noch das Podium verpasst“, stöhnte der 28-jährige Berliner.

Jetzt könnte Kalz doch eigentlich die Füße hochlegen, seine Verletzung auskurieren, um dann in einer Woche mit Roger Kluge die Sixdays von Berlin anzugehen. „Schön wär’s. Aber daraus wird nichts, denn zusammen mit Christian Veith muss ich in Frankfurt/Oder am Samstag eine Tandem-Überprüfung für die WM fahren“, verriet Kalz. Muss das denn sein, dass Kalz auch noch im Tandem antritt? „Auf alle Fälle, denn daran hängt meine Förderstelle bei der Bundeswehr. Und die will ich behalten.“ Schmerzen hin oder her.

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