Chinesische Stipendiaten wollen Verschwundenen ein Gesicht geben

Künstlerduo aus Fernost

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Bin Zhang (links) und Hongtu Ye mit Bürgerschaftspräsident Christian Weber.

Bremen - Die Stadt Bremen hat gestern zwei neue Stipendiaten in der Bürgerschaft begrüßt. Bin Zhang und Hongtu Ye (beide 41) aus der chinesischen Stadt Dalian leben drei Monate in der Hansestadt und wollen mit Hilfe von Bremern unzähligen verschwundenen Menschen in China ein Gesicht geben.

Händeschütteln hier, Händeschütteln dort, auf den Gesichtern der Besucher liegt ein großes Lächeln, die asiatische Höflichkeit im Foyer der Bremer Bürgerschaft ist deutlich spürbar. Etwa 20 Personen sind zur Begrüßung der beiden Stipendiaten Bin Zhang und Hongtu Ye gekommen und heißen die chinesischen Hochschullehrer aus der Bremer Partnerstadt Dalian willkommen. In den kommenden Monaten wollen die Künstler mit einem ihrer Projekte an zahllos verschwundene Menschen in China erinnern.

Zwischen 1959 und 1963, der Zeit der großen Hungersnot, starben etwa 30 Millionen Chinesen. Weitere seien 1964 „einfach verschwunden“, wie Organisatorin Katherina Vatsella berichtet. Genau diesen Menschen will das Duo ein Gesicht verleihen. Dazu können sich Bremer bei den Künstlern melden, die zwischen 1959 und 1964 geboren sind, und ihren Namen sowie Geburtsdatum nennen. Bin Zhang und Hongtu Ye recherchieren dann in den Archiven der „People´s Daily“, Chinas größter Zeitung, nach Wörtern, die klanglich den angegeben Namen gleichen. Die Zeitung wird im Anschluss ausgedruckt, der Name eingekreist und von den Künstlern signiert. Abschließend wird ein Foto mit den Stipendiaten sowie des Bremers angefertigt.

Das Konzept sei „eine schlichte, aber auch sehr poetische Herangehensweise an ein historisch schwieriges Thema“, so Vatsella. Die Künstler selber sehen auch Parallelen zur deutschen Geschichte, insbesondere der DDR-Zeit. Es gehe ihnen um die „einfachen Menschen“, die „vergessenen Menschen“, an die durch die zufällige Namensähnlichkeit noch Lebender erinnert werde.

In ihrem anderen Projekt verschmilzt das Duo moderne westliche Merkmale mit traditionellen chinesischen Attributen. In großformatigen Kugelschreiberzeichnungen auf Leinwänden mischen sich Abbildungen der Pop-Ikone Lady Gaga und Motive der europäischen und chinesischen Kultur. Bürgerschaftspräsident Christian Weber lobte die „Tradition als wunderschöne runde Sache“ und als „Mosaikstein im Austausch mit anderen Ländern“. Mit Blick auf die Werke, die zahllose Arbeitsstunden verschlungen haben müssen, sagte Weber: „So viel Geduld können nur Chinesen aufbringen.“

ko

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