Engin Kara und Kai Fink sind Absolventen eines exotischen Studiengangs

Chinesisch als Türöffner

Kennen sich mit Maschinenbau und China aus und gehören damit zu den Exoten unter den Ingenieuren: Kai Fink (li.) und Engin Kara studierten „Industrial Management and Engineering China“ an der Hochschule Bremen. ·
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Kennen sich mit Maschinenbau und China aus und gehören damit zu den Exoten unter den Ingenieuren: Kai Fink (li.) und Engin Kara studierten „Industrial Management and Engineering China“ an der Hochschule Bremen. ·

Bremen - Von Viviane ReinekingKai Fink und Engin Kara sind Maschinenbau-Ingenieure. Und: studierte Chinaexperten. Eine ungewöhnliche Kombination. Und eine relativ neue: Sie sind die ersten Absolventen des noch jungen Studiengangs „Industrial Management and Engineering China“ (IMEC) an der Hochschule Bremen.

Werkstoffkunde gehört zum ingenieurswissenschaftlichen Maschinenbaustudium, ebenso Module der Physik, Mechanik, Elektrotechnik, Konstruktion und Betriebswirtschaft. Neben den anspruchsvollen technischen und wirtschaftlichen Studieninhalten steht auch etwas Exotisches auf dem Studienplan des achtsemestrigen Bachelor-Studiums: Drei Stunden in der Woche lernten sie Chinesisch und das Land mit seinen kulturellen, wirtschaftlichen und rechtlichen Begebenheiten kennen.

„Die Absolventen sollen in die Lage versetzt werden, sich eigenständig in China bewegen zu können und Leistungsfunktionen speziell in chinesischen oder deutschen Produktionsunternehmen zu übernehmen“, so Prof. Dr. Heiko Grendel. Daher ist in das Studium ein sechsmonatiger Aufenthalt in China integriert.

„Ich bin kulturell interessiert und viel gereist, wollte aber schon immer ein technisches Studium machen“, sagt der Bremer Engin Kara. „China ist für viele deutsche Firmen insbesondere des Maschinenbaus ein Zukunftsmarkt, da fiel die Entscheidung für das Studium nicht schwer.“

Der Start war nicht einfach: Nach den ersten zwei Semestern hat sich die Zahl der Studenten schnell gelichtet, auch deshalb, weil die Studienkombination aus Maschinenbau und Fremdsprache besonders anspruchsvoll ist, die meisten entweder zu einem oder zum anderen Bereich neigen. Zur Zeit sind 33 Studenten im IMEC eingeschrieben. „Im ersten Semester mussten wir uns erst einmal an die für uns unbekannte Sprache gewöhnen“, so Kara. Die Sprache erlernten sie erst über eine Lautschrift, später kamen die chinesischen Zeichen – für die Studenten rund 1 500 – dazu.

Von chinesischen Dozenten lernten Kara und der gebürtige Schweizer Fink auch besondere Gepflogenheiten der Chinesen kennen. Bei der Erinnerung an ihre ersten Restaurantbesuche im ostasiatischen Land schmunzeln beide. Es war die praktische Erfahrung, die Begegnung mit einer völlig anderen Kultur. In diesem Fall mit anderen Manieren, als es beide gewöhnt sind. „Es wurde herumgeschrien, Knochen landeten entweder neben dem Teller oder auch mal auf dem Boden“, erzählt Kara aus seinen Erfahrungen. „Firmenessen sind ungezwungener als bei uns, da wurde richtig reingehauen.“ Ganz unerwartet war diese Erfahrung aufgrund der Vorbereitung nicht. „Doch wie es wirklich ist, weiß man erst, wenn man es vor Ort erlebt“, so Fink.

Während Fink im nordöstlichen Shenyang bei BMW praktische Erfahrungen sammelte, arbeitete Kara beim Germanischen Lloyd in Shanghai. Nach der Gewöhnung funktionierte die Verständigung gut: „Durch meine Sprachkenntnisse konnte ich mich auch mit Leuten in der Produktion unterhalten, die kein Englisch sprachen und so schneller einen Bezug zu ihnen bekommen“, erzählt Fink. „Das macht das tägliche Arbeiten einfacher.“

Kara fungierte sogar als Übersetzer für Freunde, andere Praktikanten und seinen deutschen Chef. Beide können sich vorstellen, nach ihrer weiterführenden Ausbildung für eine Zeitlang in China zu arbeiten. „Um dort fest angestellt zu werden, benötigt man aber ein Arbeitsvisum“, erklärt Kara. Und dafür rund zwei Jahre Berufserfahrung, weshalb die meisten erst einmal bei einem Unternehmen in Deutschland arbeiten.

Ein ungewöhnliches Studium, das sorgt im Lebenslauf für Aufsehen. „Zu Vorstellungsgesprächen wird man schon deswegen eingeladen, weil die Leute neugierig sind. Ein guter Türöffner, keine Frage.“ Bei Interessierten wollen die beiden Berührungsängste abbauen: Jeder könne mit Engagement und Motivation das schwierige Studium aus Maschinenbau und Chinesisch schaffen – Offenheit und Interesse an anderen Ländern und Kulturen vorausgesetzt.

http://www.hs-bremen.de/internet/de/studium/stg/imec

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