Politisch brisant

„Chaos Computer-Club“ kritisiert Wahl-Terminals und „Alexa“

„Jali“ hat gerade einen Schalter an der Frontplatte des Nachbaus eines historischen Computers („PDP 8“) angebracht. Die vielen Lampen zeigen noch die Zustände „Null“ und „Eins“ an. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. „Jali“ (Pseudonym) schraubt einen historischen Rechner für Ausstellungszwecke zusammen. Der PDP 8 ist ein Meilenstein der Computergeschichte. Doch „Jali“ kann das nicht schrecken. Er hat viel Erfahrung mit Computern. „Jali“ ist Pressesprecher beim „Chaos Computer Club-Bremen“ (CCC).

Mit einem Preis von 15.000 US-Dollar war er in den frühen 70ern der erste Rechner, den sich auch mittelständische Firmen leisten konnten. Das Front Panel kennt man aus 70er-Jahre-Filmen: Reihen von Lämpchen, die die Zustände „Null“ und „Eins“ anzeigen. Insgesamt sechs Register mit je zwölf Bit sind so dargestellt. Jede Lampe ist mit Hilfe eines Kippschalters manuell ansteuerbar. „Die Schalter einzubauen war etwas fummelig“, sagt „Jali“.

Dem PDP 5 kann man noch bei der Arbeit zuschauen. Die Lampen zeigen, welche Binär-Zahlen in den einen Kilobyte großen Arbeitsspeicher geladen werden. Im Inneren des Rechners arbeitet ein kleines, gerade mal fünf Euro teures Board; das könnte locker fünf solcher Maschinen versorgen. Aber von außen ist alles authentisch.

Anfangs hatte „Jali“, heute 44 Jahre alt, noch Berührungsängste mit dem CCC. „Da waren diese coolen Hacker“, sagt er. Er begann dann die Zeitschrift „Datenschleuder“ zu lesen, ging zu Treffen und wurde 2005 Mitglied.

„Wir wollen wissen, was alles zusammenhält“

„Jali“ und sein 30-jähriger Kollege „Docloc“ (Pseudonym), Elektrotechniker und Computerfreak, haben in Sachen Hard- und Software einen gewaltigen Erfahrungsschatz. „Wir wollen wissen, was das im Innersten zusammenhält“, sagt „Jali“. „Dazu kommen die gesellschaftlichen Auswirkungen. Man kann die technische Dimension der Computertechnik nicht von der politischen trennen.“ So wettert „Jali“ gegen Wahlcomputer: „Sie sind Mist. CCC-Leute haben sich solche Computer aus den Niederlanden kommen lassen. Es dauerte etwa zwei Tage, um zu zeigen, dass sie manipulierbar sind.“

„Docloc“ kritisiert den sorglosen Umgang mit Assistenzprogrammen wie „Alexa“ von Amazon. „Das ist eine regelrechte Wanze. Sie setzt acht dynamische Richtmikrofone ein und ist die ganze Zeit mit dem Internet verbunden. Sie kann feststellen, wo die Sprecher stehen.“ Es reiche eine Zeile Programmcode, um diesen Missstand zu ändern. Der normale Nutzer tue dies aber nicht.

In Zukunft will der Verein eigene Podcasts produzieren. Eine Kooperation mit der Stadtbibliothek ist angedacht. Die Computerfreaks haben viel Erfahrung damit, auch komplizierte Sachverhalte an Computernutzer zu vermitteln, haben Laien beigebracht, einen schlecht programmierten Account zu knacken.

Der „Chaos Computer-Club Bremen“ hat 25 Mitglieder und fünf Fördermitglieder. Jeden Dienstag ab 20 Uhr haben Interessierte die Möglichkeit, sich mit ihnen im ersten Stockwerk des Postamts 5 auszutauschen.

www.ccchb.de

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