Positionspapier zur Innenstadt

CDU fordert eine grüne Bremer City

Blühende Landschaften in der Obernstraße: So stellt sich die CDU die zentrale Achse der Bremer Innenstadt vor, wenn keine Straßenbahnen mehr hindurchfahren. Die Verlegung der Bahn wäre keine kurzfristige, eher eine mittelfristige Maßnahme. 
Visualisierung: Swakowski/CDU-Bürgerschaftsfraktion
+
Blühende Landschaften in der Obernstraße: So stellt sich die CDU die zentrale Achse der Bremer Innenstadt vor, wenn keine Straßenbahnen mehr hindurchfahren. Die Verlegung der Bahn wäre keine kurzfristige, eher eine mittelfristige Maßnahme.

Bremen – „Wir wollen eine grüne Innenstadt.“ Das sagen nicht die Grünen, sondern die Schwarzen. Die CDU-Fraktion hat am Mittwoch ihr neues „Positionspapier für eine lebendige und grüne Innenstadt“ vorgestellt. Als Schauplatz dafür wählten die Abgeordneten Heiko Strohmann und Carsten Meyer-Heder einen symbolträchtigen Ort aus – den früheren Gerry-Weber-Store an der Obernstraße: Leerstand in Top-Lage.

Im August hatte der rot-grün-rote Senat ein „ Aktionsprogramm Innenstadt“ beschlossen, das kurzfristig wirken soll – 13,2 Millionen Euro schwer, finanziert aus dem „Bremen-Fonds“, mit dem Folgen der Corona-Krise abgemildert werden sollen. Nun ist der Niedergang der City nicht allein eine Folge der Pandemie, aber durch sie beschleunigt worden.

Im CDU-Papier geht‘s auch um mittelfristige Perspektiven. Und um Prinzipielles. Strohmann: „Wir brauchen einen zentralen Ansprechpartner, der die Interessen zusammenführt und die Umsetzung koordiniert, in die es nun endlich gehen muss. Das muss die Senatskanzlei und damit der Bürgermeister übernehmen.“

„Willkommenkultur für Investoren“ in der Bremer City

Ein weiterer Punkt: „Wir müssen eine Willkommenskultur für Investoren etablieren“, so Meyer-Heder. Oftmals würden Projekte durch „zu viele Auflagen“ gebremst. „Wir können nicht alles selbst bezahlen, wir brauchen Partner.“ Partner, die dann „auch Geld verdienen wollen“. Und: „Nicht alle sind so altruistisch wie Herr Jacobs, der sagt: Ich mache das für Bremen.“ Dr. Christian Jacobs, Urgroßneffe des Gründers Johann Jacobs, hat mit dem neuen „Johann-Jacobs-Haus“ den Stammsitz der Kaffee-Dynastie an der Obernstraße wieder zum Leben erweckt. Mit dem „Balge-Quartier“ will er Innenstadt und Weser verbinden.

Apropos Weser. Die Martinistraße gilt vielen als trennende Schneise zwischen City und Schlachte. Als wichtigste Maßnahmen für eine Entwicklung der Innenstadt nennt auch Strohmann einen kurzfristigen Rückbau der Martinistraße, um Fahrradrouten und Flaniermeilen zu ermöglichen – und die Barrierewirkung aufzuheben.

Wall als „Flaniermeile“ in der Bremer City

Den Wall will die CDU zu einer Flaniermeile umgestalten. Einspuriger Verkehr von der Polizei Richtung Herdentor auf der Parkseite, die andere Spur eine reine Fahrradstraße – so die Idee. „Die Martinistraße muss zusammen mit dem Wall den Ringschluss für Fahrrad- und Autofahrer um die Innenstadt bilden“, heißt es im Papier.

Zwischen Weser und Wall-Ring, zwischen B6 und Altenwall sieht die CDU eine „grüne Fußgängerzone“ – Autos nur, wenn es sich um Liefer-, Arbeits- und Anwohnerverkehr handelt. Parkhaus Mitte abreißen, Katharinen-Parkhaus nur für Anwohner und Dauermieter. Die weiteren Parkhäuser bleiben, zumal sie sich um den Fußgängerzonen-Ring gruppieren. Auf dem Parkplatz Bürgerweide sollten, so die CDU-Vision, kostenlose Elektro-Kleinbus-Shuttles angeboten werden – „schließlich liegt er näher zur Innenstadt als die letzte Parkplatzreihe von Dodenhof zum Eingang des Hauptgeschäftes“, heißt es.

„Parkähnliche Atmosphäre“ in der Obernstraße

Für die zentrale City-Achse, die Obernstraße, schwebt den CDU-Strategen vor, eine „parkähnliche Atmosphäre“ zu schaffen. Dazu müsse die Straßenbahn mittelfristig aus der Obernstraße raus. Auf dem Domshof sollten die Markthändler mehr Platz bekommen – für schönere Stände. In der gesamten Innenstadt müsse mehr Wohnraum geschaffen werden, damit auch am Abend noch was los ist. 5 000 bis 10 000 Menschen will die CDU „in die Innenstadt holen“.

Sollte es so weit kommen, müsste zuvor viel gebaut werden, sehr viel. Die CDU schlägt vor, auch die Baustellen und Kräne zur (temporären) Attraktion zu machen – mit der weltweit höchsten mobilen Aussichtsplattform, dem „City Skyliner“. Da hätten Bremer und Bremen-Besucher freie Sicht auf die wachsende grüne City.

Kommentar zum Thema von Thomas Kuzaj

Die Opposition will keinen Streit

Die CDU hat die Bürgerschaftswahl 2019 gewonnen, Parteichef Carsten Meyer-Heder weist immer gern darauf hin. Stärkste Fraktion! Trotzdem ist die Partei in der Opposition gelandet. Und was macht sie da nun? Legt ein Innenstadt-Positionspapier vor, das die rot-grün-rote Landesregierung auf der grünen Seite beinahe noch überholt.

Rückbau der Martinistraße. Mehr Wohnen in der Innenstadt. Weniger Autos. Das alles haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten oft gehört. Nun hat es die CDU auch noch mal zusammengefasst.

Ihre Rufe nach einem zentralen Koordinator und nach einer „Willkommenskultur für Investoren“ setzen kaum Akzente, es sind Nuancen. Die City sei kein Thema parteipolitischen Zanks, hieß es dazu noch. Wozu dann überhaupt ein eigenes Papier?

Eine Opposition, die (fast) genauso redet wie die Regierung, wird Opposition bleiben – womöglich aber nicht mehr als stärkste Fraktion.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Japanische Roadsterträume in Italien

Japanische Roadsterträume in Italien

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Federgras in Hülle und Fülle

Federgras in Hülle und Fülle

Meistgelesene Artikel

Bremer „Freipaak“: Zwei Eingänge und 100 Schausteller auf umzäuntem Gelände

Bremer „Freipaak“: Zwei Eingänge und 100 Schausteller auf umzäuntem Gelände

Bremer „Freipaak“: Zwei Eingänge und 100 Schausteller auf umzäuntem Gelände
Schüsse auf einen Rocker in Huchting: Polizei ermittelt mutmaßlichen Schützen

Schüsse auf einen Rocker in Huchting: Polizei ermittelt mutmaßlichen Schützen

Schüsse auf einen Rocker in Huchting: Polizei ermittelt mutmaßlichen Schützen
Weihnachtsgeschichte mit Risiko

Weihnachtsgeschichte mit Risiko

Weihnachtsgeschichte mit Risiko
Bremen: 25-Jährige liefert sich Verfolgungsjagd auf der A1 - dann sehen Polizisten, wer im Auto sitzt

Bremen: 25-Jährige liefert sich Verfolgungsjagd auf der A1 - dann sehen Polizisten, wer im Auto sitzt

Bremen: 25-Jährige liefert sich Verfolgungsjagd auf der A1 - dann sehen Polizisten, wer im Auto sitzt

Kommentare