„Cape Town Opera Chorus“ sorgt in der Glocke für Gänsehautmomente

Mit Stil und Seele

Auch aus visuellen Gesichtspunkten punktete der „Cape Town Opera Chorus“ mit „African Angels“. Neben hochkarätigen Stimmen überzeugte der 18-köpfige Chor auch mit Gesangseinlagen, die so präzise wie ein Schweizer Uhrwerk anmuteten. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Das kann man getrost Extraklasse nennen: Am Donnerstagabend zelebrierte der südafrikanische „Cape Town Opera Chorus“ im Bremer Konzerthaus Glocke einen Abend, der noch lange in Erinnerung bleiben wird. Voller Gefühl und Grazie, mit bebenden Bässen und taktvollen Tenorstimmen zogen die 19 Musiker mit ihrer Show „African Angels“ binnen Minuten die rund 650 Besucher in ihren Bann. Ein Abend voller Seele, Kraft und Energie folgte.

Füße wippen im Takt, Oberkörper bewegen sich von einer Seite zur nächsten, Finger schnippen – es dauert nicht lange, da hat der „Cape Town Opera Chorus“ das Publikum voll auf seiner Seite. Zwar ist der große Saal der Glocke nicht im Ansatz ausverkauft, doch der Stimmung tut das keinen Abbruch. Neun Frauen und neun Männer, gekleidet in farbenprächtigen Gewändern und gemusterten Westen, am linken Rand der Bühne Musikdirektor und Pianist José Dias. Es ist angerichtet für einen Abend, der so facettenreich ist, dass man das Gefühl bekommt, einige Besucher möchten gar nicht mehr gehen, auch wenn der letzte Ton längst verklungen ist.

Kraftvolle Opernstücke von Richard Wagner, Gaetano Donizetti und Pietro Mascagni wechseln sich mit afrikanischen Volksliedern ab, dazu eine Prise Gospel und tolle Choreografien, die den einzelnen Darbietungen noch mehr Leben einhauchen. Feinfühlig, filigran, fast zerbrechlich wirken manche Stimmen, ehe nur wenige Augenblicke später die ganze Wucht des 2013 als bester Opernchor des Jahres prämierten Ensembles förmlich explodiert. 18 Stimmen, geballt und voller Energie, durchfluten den Saal, dass man Angst hat, die von der Decke hängenden Boxentürmen stürzen zu Boden. Voller Leidenschaft und mit einer unbändigen Kraft reißen die Musiker das Publikum mit sich, führen die Menschen in eine schöne Welt voller Lebensfreude.

Exakt wie ein Schweizer Uhrwerk greifen die einzelnen Bassklänge, Tenöre und Sopranisten ineinander und machen ihrem Namen als Engel dabei alle Ehre. Lieder über Liebe, Frauenrechte, das Leben und den Tod werden dabei von stimmungsvollem Licht untermalt, viele Besucher schließen demonstrativ ihre Augen und lassen die Farben der Stimmen auf sich wirken. Als ob sie sagen wollten: „Nur der Klang allein ist schon ein Genuss.“ Dabei überzeugt der „Cape Town Opera Chorus“, der sich 2013 gegen 1 500 renommierte Chöre durchsetze, auch in visuellen Gesichtspunkten. Aufwendig geflochtene Haare bei den Frauen, dazu elegante Abendkleider. Lackschuhe und stilvolle Anzüge bei den Herren prägen das Bild auf der minimalistisch gehaltenen Bühne.

Jede Stimme für sich würde womöglich ganze Konzertsäle füllen, doch „African Angels“ vereint sie alle auf einem Podium. Ein Podium, an dem so schnell nicht zu rütteln sein wird. Zu gut, zu abwechslungsreich und hochkarätig besetzt, präsentiert sich die Show von Regisseurin Tara Notcutt und Chorleiter Marvin Kernelle. Hoffentlich beehren sie Bremen bald wieder.

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