Bypass im Untergrund

Kanalbauprojekt am Schwachhauser Ring bremst Autoverkehr ab Anfang August

Ein Baustellenschild steht schon: Am 3. August beginnen Kanalbaumaßnahmen am Schwachhauser Ring. Für das Projekt wird ein Jahr Bauzeit veranschlagt. Und die Straße wird in Etappen für den Autoverkehr gesperrt, zunächst aus Richtung H.-H-Meier-Allee.
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Ein Baustellenschild steht schon: Am 3. August beginnen Kanalbaumaßnahmen am Schwachhauser Ring. Für das Projekt wird ein Jahr Bauzeit veranschlagt. Und die Straße wird in Etappen für den Autoverkehr gesperrt, zunächst aus Richtung H.-H-Meier-Allee (Foto).
  • Jörg Esser
    vonJörg Esser
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Bremen – Es läuft. Noch läuft der Autoverkehr über den Schwachhauser Ring. Aber in knapp zwei Wochen – am Montag, 3. August – beginnen Kanalbaumaßnahmen in der zentralen Erschließungsstraße, die Schwachhausen mit dem Bürgerpark verbindet. Dann läuft womöglich nicht mehr viel. Von der H.-H.-Meier-Allee bis zur Schwachhauser Heerstraße soll auf einer Länge von 630 Metern ein neuer Abwasserkanal mit einem Durchmesser von 1,50  Meter verlegt werden – als Bypass für den 105 Jahre alten Kanal.

Für die Bauarbeiten ist ein Zeitraum bis Ende Juli 2021 veranschlagt. Ein ganzes Jahr also. Für die Autofahrer ist Ungemach programmiert. „Zu Hochzeiten der Maßnahme wird an drei Stellen gleichzeitig gebaut“, sagt Oliver Ladeur, Pressesprecher des Abwasserunternehmens Hansewasser. So soll die Bauzeit verkürzt werden.

Die Kanalbauer starten den Angaben zufolge zeitgleich an zwei Stellen mit ihrem Großprojekt – an der Bürgermeister-Schoene-Straße und an der Wätjenstraße, jeweils in Richtung Schwachhauser Heerstraße. Ende August sollen dann auch die Rohrvortriebsarbeiten beginnen.

Umfangreiche Verkehrslenkung

So weit, so gut. Ladeur kündigt für die Zeit der Kanalbauarbeiten „umfangreiche Verkehrslenkungsmaßnahmen“ an. Klingt kompliziert. Einfacher ausgedrückt: Der Schwachhauser Ring wird für den Autoverkehr gesperrt. In Abschnitten jedenfalls. Bis Mitte Februar 2021 ist der Straßenzug von der Schwachhauser Heerstraße aus bis zur Schumannstraße noch befahrbar. Ab 24. August wird der Schwachhauser Ring dann von Hausnummer 99 bis zur H.-H.-Meier-Allee in Richtung Parkallee voll gesperrt. In der Donandtstraße wird die Einbahnstraßenregelung umgedreht. Von Anfang November bis Mitte Dezember soll der Durchgangsverkehr von der Wachmannstraße zur H.-H.-Meier-Allee unterbrochen werden.

Von Anfang Mai bis Ende Juli 2021 ist die Durchfahrt von der Wätjen- in die Georg-Gröning-Straße nicht mehr möglich. Fuß- und Radwege werden nicht gesperrt. Der Straßenbahnverkehr soll während der Bauzeit ungestört weiterlaufen. Die Buslinie 22 und zwei Nachtlininen werden umgeleitet, ergänzt ein Sprecher der Bremer Straßenbahn AG (BSAG).

Leistungsstarke Entwässerungsachse

Ziel der Kanalbaumaßnahme sei es, „eine zusätzliche, zentrale, leistungsstarke Hauptentwässerungsachse in Schwachhausen zu errichten“, sagt Ladeur. Ins Erdreich kommt ein neuer Abwassersammler (ein großer Kanal), der den vorhandenen Kanal und damit die Abwasserentsorgung in einem der bevölkerungsreichsten Gebiete Bremens entlasten soll. „Insbesondere für zukünftige Starkregenereignisse ist dieser zusätzliche Zulauf zum großen Abwassersammler Bürgerpark eine wichtige Maßnahme der klimaangepassten und damit wassersensiblen Stadtentwicklung“, so der Hansewasser-Sprecher.

Die Baumaßnahme erfolge in offener Bauweise und im Rohrvortrieb, der unterhalb der Straßenbahngleise auf einer Länge von 60 Metern im Kreuzungsbereich H.-H.-Meier-Allee eingesetzt werde, sagt Ladeur. Und weiter: „Der neue Sammler wird dann mit dem unter der Grünanlage gelegenen, vorhandenen Mischwassersammler zu einem System verbunden.“

Im Anschluss an die Kanalbaumaßnahme will die SWB-Tochter Wesernetz mit dem Bau einer Fernwärmeleitung beginnen, die direkt neben dem neuen Kanal verläuft.

2300 Kilometer Netz, 200 Pumpwerke

Das Bremer Kanalnetz hat eine Gesamtlänge von 2 300 Kilometern, was einer Strecke von Bremen bis Palermo auf Sizilien entspricht. Es besteht aus einem weit verzweigten System aus Haupt- und Nebenkanälen. Hinzu kommen rund 1 000 Kilometer öffentlicher Anschlusskanäle sowie private Abwasserleitungen mit einer geschätzten Gesamtlänge von 6 000 Kilometern. Verantwortlich für das Geschehen im Bremer Untergrund ist das Abwasserunternehmen Hansewasser.

Rund 200 Pumpwerke und 176 Kilometer Druckleitungen stellen sicher, dass das Abwasser aus allen Teilen der Stadt abgeführt wird. Das Kanalnetz hat ein Durchschnittsalter von 44 Jahren und gilt damit im bundesweiten Vergleich ein „sehr modernes Kanalnetz“. Hansewasser investiert nach eigenen Angaben pro Jahr rund 17 Millionen Euro in die Erhaltung und Erneuerung des Netzes.

Das Unternehmen Hansewasser entstand durch die Privatisierung der bis dahin kommunalen Wasserversorgung und -entsorgung der Stadt Bremen am 1. Januar 1999. Es gehört zu 25,1 Prozent der Freien Hansestadt Bremen und zu 74,9 Prozent der HVE (Hansewasser Ver- und Entsorgungs-GmbH). Diese wiederum gehört zu 49 Prozent der Gelsenwasser AG (Sitz: Gelsenkirchen) und zu 51 Prozent der Bremer SWB, die wiederum eine Tochter der Oldenburger EWE ist. Hansewasser beschäftigt rund 400 Mitarbeiter.

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