Essen mal anders

Insekten-Burger aus Bremen: „Bold Foods“ setzt auf ungewöhnliche Zutaten

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Die Jungunternehmer Marlo Kockerols (l.) und Federico Krad.

Bremen - Von Alina Pleuss. „Wir wollen den Menschen nicht mit erhobenem Zeigefinger sagen, was sie essen dürfen und was nicht. Was wir bieten, ist eine nachhaltige, schmackhafte Alternative für den Fleisch- und Sojamarkt, die uns persönlich bislang gefehlt hat“, erklärt Marlo Kockerols. Gemeinsam mit Federico Krader (beide 27) hat die gebürtige Bremerin im Februar das Unternehmen „Bold Foods“ gegründet. Burger statt Bank ist ihre Devise.

Die beiden verkaufen Burger-Pattys (Anm. d. Red.: Buletten), die zum Teil aus Insekten bestehen. Was unter anderem in Asien, Afrika, Süd-Amerika und Saudi-Arabien bereits als Delikatesse gilt, hat in Europa bislang wenig Präsenz auf dem Lebensmittelmarkt gefunden. Doch das soll sich laut „Bold Foods“ schnell ändern.

Mit insgesamt fünf Mitarbeitern steht ihr Betrieb in Oberneuland (Eekenhöge 1) noch ganz am Anfang. Dennoch: Die Produkte sind bereits bei „Kaufland“ und seit kurzem auch in einigen „Real“-Märkten zu finden. Weiter im Süden Deutschlands sind sie bereits bei der Supermarktkette „Globus“ angekommen. Im Angebot haben Kockerols und Krader momentan drei verschiedene Geschmacksrichtungen: Tex Mex, Spinat und Reis.

Kennengelernt haben sich die beiden Gründer vor rund drei Jahren über ihre Arbeit als Investmentbanker in Frankfurt am Main. Beide hatten den Wunsch, ein eigenes Unternehmen zu gründen. „Uns war klar: Wir wollen etwas bewegen. Und Nachhaltigkeit liegt uns wirklich am Herzen“, erklärt Kockerols. „Essen war immer ein großes Thema bei uns. Da wir beide Allergiker sind, mussten wir uns früh damit auseinandersetzen, was dem Körper gut tut und was nicht.“

Das ist er, der etwas andere Burger des Bremer Start-ups „Bold Foods“. Keine Sorge, Insekten krabbeln hier nicht mehr, sie sind verarbeitet. Insekten dienen als alternative Proteinquelle.

Während der Internet-Recherche sind die beiden dann auf alternative Proteinquellen durch Insekten gestoßen. „Die Ernährung der Menschen macht einen sehr spannenden Wandel durch. Vor 60 Jahren waren die Menschen froh, wenn sie überhaupt Essen hatten. Ein paar Jahrzehnte später war es dann auch wichtig, dass es lecker schmeckt. Heute soll Essen zwar lecker, aber auch gesund und nachhaltig sein. Und da knüpfen wir an“, erklärte Krader. „Wir sind beide keine Vegetarier und wollen auch mal ein gutes Stück Fleisch essen. Aber eben kein Billigprodukt aus Massentierhaltung.“

Buffalowürmer in Massentierhaltung

In der Hinsicht hat die Insektenhaltung laut Kockerols einen großen Vorteil. Denn die Massentierhaltung stellt anders als für Kühe, Schweine oder Hühner für die von „Bold Foods“ verwendeten Buffalowürmer kein Problem dar. „Die Würmer sind Kaltblüter. Sie können keine Wärme speichern. In der Natur leben sie daher unter Baumrinden oder eben eng aufeinander, um zu überleben. Es gab Versuche, bei denen den Würmern viel Platz gegeben wurde, nach kurzer Zeit sind sie alle wieder zueinandergekrochen.“ Gewünschte Massentierhaltung sozusagen.

Die Rohmaterialien bezieht „Bold Foods“ von einer Insektenfarm in den Niederlanden. Von dort gehen die Tierchen zum Bulletten-Produzenten und von da in die Verpackung nach Deutschland. „Wir waren mehrmals in den Niederlanden und haben uns die Produktion genau angeschaut und auch verköstigt“, erzählte Krader. Vor etwa einem halben Jahr haben die Banker ihre gutbezahlten Jobs gekündigt. „Das ging alles sehr schnell, aber ich bereue es kein Stück“, sagte Kockerols. Momentan sucht das Unternehmen nach weiteren Mitarbeitern. „Wir freuen uns immer über Anfragen für Praktika“, sagte Krader.

Mehr Infos:

www.bold-foods.de und bei Instagram

Hintergrund: Resscourcensparend

Im Rahmen ihrer Recherche sind Marlo Kockerols und Fedeico Krader auf alarmierende Zahlen gestoßen: 71 Prozent aller Flächen auf der Erde werden für landwirtschaftliche Zwecke genutzt. „Was nicht direkt schlimm wäre, wenn dabei zum Beispiel größtenteils Getreide angepflanzt würde“, erklärt Kockerols. „Aber der Hauptanteil dient dem Anbau von Futter für die Viehzucht.“ 

Außerdem: Die Weltbevölkerung wächst stetig. „Es wird Zeit für ressourcensparende Alternativen.“ Für einen Kilo Buffalowürmer werden laut „Bold Foods“ 4000 Liter Wasser in der Produktion verwendet. Im Vergleich: Ein Kilo Rind benötigt 15.000 Liter, heißt es weiter. 

Auch beim Futter gewinnt der Wurm: Zwei Kilogramm sind für einen Kilo auf dem Teller nötig – beim Rind sind es acht Kilo. Auch der CO2- Ausstoß sei bei den Würmern mit zweieinhalb Kilogramm wesentlich geringer als bei Rindern mit 35 Kilogramm, heißt es in der Broschüre des Unternehmens.

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