Bunt und wüst

„Mein Kunst-Stück“ mit Michael Schwenk und seinem Bild „Babyloon Zoo“

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Quirlige Strukturen und jede Menge Farbe – Michael Schwenk mag es auf seinen Bildern wüst und bunt.

Bremen - „Babyloon Zoo“ heißt Michael Schwenks Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Auf 120 Zentimetern mal 150 Zentimetern zeigt es quirlige Strukturen und jede Menge Farbe.

Der Bremer Künstler Michael Schwenk liebt große Formate. „Da schlage ich die Farbe oft direkt aus der Tube auf die Leinwand“, sagt er. „Das ist richtig körperlicher Einsatz.“ Ein Spaß, der bei kleinen Bildern entfällt. Wie auch bei „Babyloon Zoo“ entstehen Schwenks Werke ohne Plan und ohne Vorbereitung. Höchstens die Farbgebung legt er vorab fest. „Dann lasse ich mich vom Moment treiben und genieße es, kindlich naiv sein zu können, geradezu anarchisch.“

Das leere Bild gebe nichts vor. Er könne einfach tun, was er wolle. Meist benutzt der Maler statt Pinsel Spachtel und Rolle. Er bricht Konturen auf und experimentiert. Und immer arbeitet er schnell. Das ausgewählte Acrylbild aus dem vergangenen Jahr steht repräsentativ für viele seiner Werke. „Es ist schön bunt, es ist wüst und naiv“, freut sich der Bremer. Am Ende gibt er seinen Bildern gerne drollige Namen wie beispielsweise „Seegurken Convention“ oder „Alienoid, Blobb und Co. killen Castrop-Rauxel“. Während seine Bilder anfangs noch figürlich waren, gehört „Babyloon Zoo“ zu einer bunten Reihe mit vielen Details und kleinen Strukturen. Die Reihe „Hobo Signs“ hingegen zeichnet sich durch große, ruhigere Farbflächen aus. Auch die jüngsten Werke sind weniger quirlig.

Schwenk studierte Grafikdesign

Obwohl Schwenk Grafikdesign studiert hat und auch in diesem Beruf tätig ist, nimmt das Malen eine bedeutende Stellung in seinem Leben ein. Bereits als Kind habe er gern gezeichnet. Während seines Grafik-Design-Studiums vertiefte Schwenk auch die Malerei. Sie sei zur Passion geworden. Zwei bis drei Tage die Woche besucht er sein Atelier auf dem Gelände der früheren Fleischfabrik „Könecke“ in Hemelingen.

Die Herausforderungen des Künstlerlebens sieht er darin, gute Bilder zu machen. Das gelinge nicht immer. Dann werde übergespachtelt. Aber wenn es klappt, dann gebe das echte Zufriedenheit und ein großes Glücksgefühl. „Am schönsten wäre es dann noch, wenn man von der Kunst leben könnte“, sagt Schwenk. Dann würde er von morgens bis abends im Atelier sein. Man befände sich dann in einer Blase und könnte wirklich machen, was man wolle. Verbiegen würde er sich aber nicht, um beispielsweise Auftragsarbeiten zu erfüllen.

Ob wir Kunst brauchen? „Ja“, meint Schwenk. Es gebe politische Kunst und ganz banale Kunst, wie einen röhrenden Hirsch im Wald, und alles habe seine Legitimation. Die alten Höhlenbilder wiesen auf unser Bedürfnis hin, Kunst zu produzieren und zu betrachten.

Zu den Künstlern, die für Schwenk besonders bedeutend sind, zählen neben Pablo Picasso als „Symbolfigur der Moderne“, der US-amerikanische Graffitikünstler Jean-Michel Basquiat (1960 bis 1988) und der deutsche Jonathan Meese. Basquiat habe unglaublich bunt und naiv gemalt, sagt Schwenk. Meese bewege sich völlig frei in seiner Kunst, und verstoße um der Kunst Willen auch gegen Tabus.

Wenn Schwenk jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge sein Bild „Systemfrei“ an US-Präsident Donald Trump. „Damit er etwas entspannt und von seiner aggressiven Art wegkommt“. „Systemfrei“ könne künstlerisch oder gesellschaftlich betrachtet werden. Es richte sich gegen Ideologien und Fundamentalismus. „Bei Fundamentalismus jeglicher Art, auch in den Religionen, kommt einfach nichts Gutes heraus.“

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