Bunker „Valentin“: Das „Denkort“-Konzept stößt auf positive Resonanz

Unbequeme Geschichte

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Der Bunker „Valentin“ in Farge ist seit November als „Denkort“ und für Besucher geöffnet.

Bremen - Von Jörg Esser. Die letzten Zeitzeugen sterben weg. Der Zweite Weltkrieg und die Nazi-Diktatur rücken ein Stück weiter weg. Die Gedenkstätten stehen vor neuen Herausforderungen. Der „Denkort“ im Bunker „Valentin“ in Farge setzt auf Empathie. Das Schicksal einzelner Zwangsarbeiter wird in den Mittelpunkt gerückt. „Dadurch wird vieles greifbarer“, sagt Marcus Meyer, wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte.

Der „Denkort Bunker ,Valentin‘“ ist seit November 2015 für das Publikum geöffnet. Bund, Land und EU teilten sich die Kosten von 4,6 Millionen Euro für die Einrichtung des Dokumentations- und Erinnerungszentrums in dem monströsen Koloss, der die Ruine einer U-Boot-Werft der deutschen Kriegsmarine aus dem Zweiten Weltkrieg ist. Tausende von Zwangsarbeitern schufteten in den Jahren 1943 bis 1945 auf der Baustelle – Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Mehr als 1100 von ihnen starben während der Bauzeit an Unterernährung und Krankheiten oder wurden willkürlich umgebracht. „Wir wurden behandelt wie Tiere“, erinnerte sich der 91-jährige Ire Harry Callan bei der Eröffnung des „Denkorts“.

Der Bunker war das größte Rüstungsprojekt an der Unterweser. Und er galt und gilt als Symbol für den Größenwahn der Nazis. Die Geschichtsschreibung feierte das gigantische Bauwerk lange als „technische Meisterleistung deutscher Ingenieurskunst“, bevor es als Tatort nationalsozialistischer Gewaltverbrechen entlarvt wurde. „Wir wollen dieses unübersehbare und unzerstörbare Relikt des Krieges nutzen, um uns mit dem unbequemen Teil unserer Geschichte zu beschäftigen“, so Bürgermeister Carsten Sieling (SPD).

Die Besucher erfahren auf einem neu angelegten Fußweg durch den Bunker die wichtigsten Fakten zur geplanten U-Boot-Werft. 25 Infotafeln sind aufgestellt. Zitate und historische Fotos runden die Präsentation ab. „Täter und Opfer stehen im Mittelpunkt der Ausstellung“, sagt Thomas Köcher, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung. Dazu zählen Kriegsgefangene, Offiziere der Kriegsmarine und Ingenieure der am Bau beteiligten Firmen. Der „Denkort“ schickt die Besucher mit tragbaren Multimedia-Guides, über die Tagebuchauszüge und Interviews mit Überlebenden abrufbar sind, auf die Reise. „Unser Anspruch ist nicht, dass die Menschen das System Zwangsarbeit verstehen, sondern dass sie über den Ort nachdenken“, so Meyer. Das Konzept geht offenbar auf. „Die Besucherzahlen sprechen für sich“, sagt „Denkort“-Sprecherin Sandra Kern. Kurz nach der Eröffnung seien pro Tag rund 100 Personen auf dem Gelände unterwegs gewesen. Seit Jahresbeginn seien es im Schnitt 400 pro Woche. Kern weiter: „Es gibt viel positives Feedback.“

Der „Denkort“ und das Infozentrum sind außer montags und sonnabends täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. An Feiertagen bleibt der „Denkort“ geschlossen. Der Eintritt ist frei. Führungen kosten pro Person fünf Euro.

www.denkort-bunker-valentin.de

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