Humorvoller Appell an Täter

Chance auf Entschuldigung: Polizei redet Kennzeichen-Dieben ins Gewissen

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Einer der Täter trug das gestohlene Kennzeichen quer durch den Hauptbahnhof. Mehr als einen Ausschnitt des Videos hat die Bundespolizei bisher nicht veröffentlicht, um den Tätern eine Chance auf Reue zu lassen.

Bremen - Ein zweifacher Diebstahl von Nummernschildern ihrer Fahrzeuge beschäftigt derzeit die Bundespolizei in Bremen. Anstatt allerdings die Täter mit Videobildern an den Pranger zu stellen, appellieren die Beamten in einer Pressemeldung an das Gewissen der Unbekannten - und beweisen dabei durchaus Humor.

Die beiden Fälle ereigneten sich in der Nacht auf Samstag und in der Nacht auf Sonntag - jeweils unweit des Bremer Hauptbahnhofs, teilten die Beamten der Bundespolizei am Montag mit. Ihr Team habe Videoaufnahmen von Überwachungskameras ausgewertet und verfüge „über ansehnliche Portraitaufnahmen der Diebe und ihrer Begleiter“, heißt es in der Meldung.

Anstatt nun einfach die Tathergänge zu beschreiben, richten sich die Beamten passend zur Freimarkt-Zeit mit schnippischen Worten direkt an die gesuchten Personen, um ihnen so eine Chance zu geben, „die Kennzeichen wieder abzugeben und sich eine gute Entschuldigung einfallen zu lassen“. Anderenfalls müssten die Täter mit einer öffentlichen Fahndung inklusive der Verbreitung ihrer Gesichter rechnen.

„Da man mit BP-Kennzeichen weder an Fahrzeugen aus dem Zulassungsbezirk der Stadt Boppard glänzen kann, noch ein Fahrzeug der ehemaligen Bundespost ausstatten könnte, fehlen das Motiv und die Option der gewinnbringenden Veräußerung. Stattdessen laufen die Verursacher Gefahr, von Polizeibeamten spontan festgenommen zu werden - der nächste Abend in Bremen wäre verdorben“, heißt es in dem Appell von Pressesprecher Holger Jureczko.

Die Beschreibung der beiden Taten lässt indes keinen Zweifel daran, dass die Polizei tatsächlich über gute Aufnahmen der Täter besitzt:

Fall 1 im Detail

Der erste Diebstahl geschah am Samstag um 0:43 Uhr - danach gingen die Täter durch den Hauptbahnhof und fuhren mit der Nordwestbahn um 1.01 Uhr Richtung Bremerhaven. „Das Nummernschild schaut unten aus dem dunklen Kapuzenblouson heraus, welcher modisch zu einem hellen Hemd und einem weißen Shirt mit V-Ausschnitt und einem dunkelgrauen New-York-Käppi kombiniert wurde“, heißt es weiter. Der etwa 20 Jahre alte Mann trug kurze dunkle Haare mit langen schmalen Kotletten, dichte Augenbrauen und relativ schmale Lippen. Sein Begleiter ist für die Polizei ebenfalls bestens erkennbar.

Fall 2 im Detail

Der zweite Diebeszug ereignete sich am Sonntag um 1.33 Uhr - danach lief das nun gesuchte Pärchens laut Polizeiangaben durch den Bahnhof in Richtung Innenstadt. Der Täter trug einen Parka mit Kapuze und Fellbesatz. Die Schnüre der Kapuze waren farblich unterschiedlich geflochten. Darunter trug er ein dunkles Shirt mit V-Ausschnitt, wobei er das BP-Kennzeichen nur lässig unter der Jacke verbirgt und die Buchstabenkombination laut Polizeiangaben gleich einer Trophäe durch den Bahnhof trägt.

Der junge Mann ist etwa 20 Jahre alt und hat dunkelblonde bis rötliche Haare, seitlich kurz geschnitten, das Haupthaar gewellt. Begleitet wird er von einer jungen Dame mit blauer Jeans und schwarzer kurzer Lederjacke. Sie hat lange glatte Haare mit dunkelbrauner oder mahagonifarbener Tönung.

Zeit, Pfad zur dunklen Seite der Macht zu verlassen

Weiterhin rät der Polizeisprecher, die jungen Leute sollten sich Paragraf 242 des Strafgesetzbuchs genauer ansehen, um dort festzustellen, dass Diebstähle keine Kavaliersdelikte sind und mit Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen geahndet werden können, sofern ihnen auch die „rechtswidrige Zueignungsabsicht“ nachgewiesen wird. 

Eine rechtzeitige Rückgabe könnte das Gericht positiv bewerten, aber das liege nicht im Ermessen der Bundespolizei, gesteht Sprecher Jureczko ein. Und weiter: „Wir möchten es vermeiden, Ihre Portraits zur Fahndung in unseren Wachen aufzuhängen, um noch etwas Platz für die großen Fische zu lassen.“

Den Argumenten der Polizei folgend wäre nun „vielleicht die richtige Zeit, dem Pfad zur dunklen Seite der Macht nicht noch weiter zu folgen und sich lieber bei der Bundespolizei zu bewerben.“

Eine Alternative zum Kennzeichen-Diebstahl bietet die Polizei in ihrer Mitteilung nämlich ebenfalls an: „Wer nicht straffällig geworden ist, das Auswahlverfahren und die Ausbildung besteht, dem würde man sogar die Streifenwagen leihweise überlassen - und nicht nur die Kennzeichen. Ein Link, unter dem sich Interessierte über die Ausbildung informieren können, liefert Holger Jureczko abschließend auch gleich mit: www.komm-zur-bundespolizei.de.

kom

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