Bremer Freimaurer-Orden feiert im Rathaus sein 225-jähriges Bestehen

Ein Bund fürs Leben

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Karl Engelhard (links) und Thomas Stöcker stellten anlässlich des 225-jährigen Jubiläums den Bremer Freimaurer-Orden „Johannis-Loge zum Oelzweig“ vor. ·

Bremen - Von Nina Seegers. Wenn sich am Sonnabend rund 200 edelgekleidete Herren in Frack und Zylinder in der Oberen Rathaushalle versammeln, um das 225-jährige Bestehen des Bremer Freimaurer-Ordens „Johannis-Loge zum Oelzweig“ zu feiern, bleiben die Türen für Außenstehende geschlossen. Das Jubiläum möchte die Bruderschaft dennoch als Gelegenheit nutzen, die Öffentlichkeit über den Orden zu informieren.

Der derzeitige Logenmeister Karl Engelhard (69) und sein baldiger Nachfolger Dr. Thomas Stöcker (67) stellten gestern die Johannis-Loge, eine der ältesten Institutionen Bremens, im Meisterzimmer des sogenannten „Oelzweig-Hauses“ vor. Die große, weiße Villa aus dem Jahr 1910 steht im Bremer Stadtteil Schwachhausen und ist schon seit knapp 60 Jahren im Besitz des Ordens. Engelhard und Stöcker erklärten den Ethos ihres Freimaurer-Ordens, sprachen über allgemeine Abläufe, Aufnahmebedigungen und Ziele und erläuterten das aus zehn Stufen bestehende System der Bruderschaft.

Den Orden gründete der Kaufmann und spätere Bremer Senator Johann Vollmers im Juni 1788 auf der Grundlage christlicher Werte. Auch heute noch könne nur derjenige dem Johannis-Orden beitreten, der an Jesus Christus glaubt, betont Engelhard. Die rund 150 Ordensmitglieder bezeichnen sich selbst als „Brüder“, ihren Versammlungsraum haben sie zum „Tempel“ geweiht und ihre Treffen nennen sie „Arbeit“. Nach einem langwierigen Aufnahmeprozedere, das mindestens sechs Monate dauert, durchlaufen die Brüder einen Entwicklungsprozess, der aus zehn Erkenntnisstufen besteht. Vor jeder neuen Stufe muss der Bruder eine Prüfung meistern und zeigen, dass er die bis dahin vermittelten Erkenntnisse aufgenommen und verstanden hat. „Bis man die zehnte Stufe erreicht hat, vergehen in der Regel zwischen zehn und 15 Jahre“, erklärt Engelhard und betont dabei, speziell die Ordensfreimaurerei ein Bund fürs Leben sein sollte.

Im Mittelpunkt des Ordens stehen Werte wie Freiheit, Toleranz und Brüderlichkeit. Ziel eines jeden Bruders ist es, sich sittlich zu vervollkommnen. „Jeder von uns will ein besseres Mitglied der Gesellschaft werden“, ergänzt Engelhard und versinnbildlicht dieses Ziel mit einem rauen Stein, den man zu einem Kubus schleifen wolle.

Über die konkreten Inhalte und Rituale des Ordens dürfen Engelhard und Stöcker freilich nichts verraten, denn jeder Bruder hat nach der Aufnahme ein Gelübde abgelegt, das ihn für alle Zeiten zur Verschwiegenheit verpflichtet. Das habe nichts mit Geheimniskrämerei zu tun, sondern sei darin begründet, dass jedes Mitglied die einzelnen Erkenntnisstufen individuell erleben müsse, ohne vorher zu wissen, was ihn erwartet, so Stöcker.

Bei der Jubiläumsfeier im Rathaus wird Engelhard nach sechs Jahren sein Amt als Logenmeister an seinen Nachfolger Stöcker übergeben. Anschließend wird die Bruderschaft den Festtag mit einem Tafelmahl ausklingen lassen.

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