Bund fördert Zubringerdienst

„Bus on demand“: Minibusse auf Abruf

Bremen - Von Eliabeth Gnuschke. Sie wollen von A nach B, haben aber kein Auto? Das Fahrrad kommt auch nicht infrage, denn es regnet wie aus Eimern. Die Bushaltestelle liegt zu weit weg? Was tun? Nun, ganz einfach: einen Minibus rufen. Dieses Prinzip könnte schon Mitte 2019 in Bremen Realität werden.

Das Bundesverkehrsministerium hat für die Erprobung des bedarfsgesteuerten Buskonzeptes – „Bus on demand“ (frei übersetzt: Bus auf Abruf) – eine Förderung in Höhe von 1,1 Millionen Euro zugesagt. Das Geld geht an die Bremer Straßenbahn AG (BSAG), die das Konzept umsetzen will.

Die Minibusse auf Abruf sollen in einem noch festzulegenden Gebiet flexibel über eine Smartphone-App gerufen werden können. Der kleine Bus bringt die Fahrgäste dann zu den regulären Bus- oder Straßenbahnlinien, er übernimmt also eine Zubringerfunktion. „Mit dem ,Bus on demand’ kann die BSAG ihre Bedienungsqualität auch in Gebieten erhöhen, in denen heute aufgrund niedriger Nachfrage nur ein begrenztes ÖPNV-Angebot zur Verfügung steht“, sagt BSAG-Vorstandssprecher Hajo Müller. So werde ein ergänzendes Nahverkehrsangebot erprobt, das unabhängig vom klassischen Fahrplan und von Routen sei.

Der Förderbescheid ist ein Ergebnis des „Green City Masterplans“, den das Verkehrsressort gemeinsam mit der BSAG und dem Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (VBN) erarbeitet hat. Mit der Erprobung von neuen App-gesteuerten Verkehrsangeboten würden die Chancen der Digitalisierung genutzt, um den „ÖPNV als Alternative zum Auto weiter auszubauen“, sagt Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne), der einmal mehr sein Ziel – die Mobilitätswende – betont.

Ziel des Pilotprojektes ist die Erweiterung des ÖPNV durch ein „On-Demand-Shuttlesystem“, das, wie gesagt, als Zubringerdienst dient. Ressortsprecher Jens Tittmann: „Damit sollen Stadtgebiete mit nicht ausreichender Abdeckung durch den bisherigen ÖPNV flexibel und nachhaltig erschlossen werden, um so mehr Personen vom eigenen Fahrzeug in den Umweltverbund zu überführen.“ Für Bürger, die bereits Bus und Bahn nutzen, solle das zusätzliche Angebot die Qualität des ÖPNV steigern.

Start für Mitte 2019 geplant

Mitte 2019 soll der Betrieb der Minibusse auf Abruf starten. Im Testgebiet können Kunden dann über ein Smartphone-Portal zu den in der Vorbereitungsphase definierten Zeiten die Shuttlebusse bestellen. Das Portal gibt zudem Auskunft über aktuelle ÖPNV-Angebote sowie Alternativen zum Shuttle, so der Ressortsprecher. Und es kommt noch besser, sprich umweltfreundlicher: Werden Busse gebucht, so werden über Algorithmen Routen bestimmt, die die Anfragen bündeln und die Aufträge effizient, also mit möglichst geringstem Kilometer-Aufwand, abwickeln. Diese Routen werden dann abgefahren, um die Kunden am vereinbarten Start aufzunehmen und zur Anschlussstelle zu bringen. 

Was nicht möglich ist: das Ziel spontan zu ändern oder den Bus ohne vorherige Buchung praktisch wie ein Taxi heranzuwinken. Aber wer weiß, vielleicht wird auch das irgendwann möglich. Nach Beendigung der Fahrt fährt der Kleinbus entweder zur Betriebsstelle zurück oder bekommt eine neue Fahrt zugeteilt. „Eine Konkurrenz zu Taxidiensten ist somit nicht gegeben“, betont Senator Lohse. Wie schnell und flexibel der Zubringerdienst agieren kann, wird sich in der Testphase zeigen.

Betreiber des Ruf-Busses ist vollständig die BSAG, die daher auch die Fördersumme von 1,1 Millionen Euro vom Bund bekommt. Der Förderzeitraum umfasst die Jahre 2019 und 2020.

Rubriklistenbild: © Ehlers

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