Aufsichtsrat plant fristlose Kündigung

Flughafen-Chef Bula soll schnell fliegen

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„Der Bremer Flughafen funktioniert“, sagte am Donnerstagabend Aufsichtsratschef Ekkehart Siering. Ein neuer Flughafen-Chef soll im Sommer präsentiert werden. Dem freigestellten Geschäftsführer Jürgen Bula droht derweil die fristlose Kündigung.

Bremen - Von Jörg Esser. So richtig konkret hat sich Flughafen-Aufsichtsratschef Ekkehart Siering am Donnerstagabend doch nicht geäußert. „Das war eine vertrauliche Sitzung.“ Der Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe jedoch bestätigt, dass die Abberufung von Flughafen-Geschäftsführer Jürgen Bula die richtige Entscheidung war. Jetzt werden die Weichen für eine fristlose Kündigung gestellt.

Im November 2017 haben Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung Bula abberufen – wegen „schwerer Störungen“ zwischen dem Geschäftsführer und seinen Mitarbeitern. Wirtschafts-Staatsrat Siering sprach von einem „Klima der Angst“.

Im Juni soll der 56-jährige Bula außerdem bei Tarifverhandlungen alkoholisiert gewesen sein und gegenüber Gewerkschaftsvertretern ausfallend geworden sein. Bekannt wurde das alles erst im Oktober. Bula kassierte eine Abmahnung. Der damalige Flughafen-Chef, seit 2009 im Amt, räumte im Oktober in einer persönlichen Erklärung einen Fehler ein.

Zurück zur Aufsichtsratssitzung von Donnerstag: Die mit einer Sonderprüfung beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat diverse Fehlleistungen Bulas festgestellt. So hat er laut Siering den Aufsichtsrat nicht oder nicht immer sachgerecht über alle finanziellen Dinge, über bauliche und investive Maßnahmen informiert. „Bula hätte mehr liefern müssen“, sagte Siering im Anschluss an die Sondersitzung des Aufsichtsrats. Für ihn steht fest: Der ehemalige Geschäftsführer hat seine Informationspflichten gegenüber Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung verletzt. Hinzu komme „eine Vielzahl von Verstößen gegen interne Regularien“. Da geht es ums Vier-Augen-Prinzip bei wichtigen Entscheidungen, das Bula häufig missachtet habe. Und: „Es gibt eine Reihe von Personalvorgängen, die nicht hinreichend dokumentiert sind.“

Aufsichtsrat engagiert Anwalt

Das läppert sich. Der Aufsichtsrat hat beschlossen, mit anwaltlicher Hilfe gegen Bula vorzugehen – konsultiert werden Arbeitsrechtler und Strafrechtler. „Wir werden alle dienstvertraglichen Sanktionen prüfen“, sagte Siering. Eine fristlose Kündigung des Vertrags mit Bula, der erst 2019 ausläuft, wird angestrebt. Siering zeigte sich zuversichtlich, dass das auch „so schnell wie möglich“ klappt. Der beurlaubte Flughafen-Geschäftsführer wird mit einem Jahresgehalt von 275.000 Euro entlohnt.

Und: Dem Flughafen sei Schaden entstanden, so der Aufsichtsratschef. Details nannte er nicht. Noch sei auch keine Anzeige gegen Bula erstattet worden. „Gibt es ausreichend Verdachtspunkte, werden wir unverzüglich die Staatsanwaltschaft einschalten.“

Weitere personelle Konsequenzen am Flughafen schloss Siering nicht aus. „In den Bilanzen muss nichts korrigiert werden“, fuhr er fort. Allerdings müssten geplante Investitionen womöglich verschoben werden. Und: „Möglicherweise hätten wir die eine oder andere Entscheidung anders getroffen.“

„Neue Aufbruchstimmung“

Am Flughafen jedenfalls soll neues Vertrauen geschaffen werden. Schon jetzt sei „Mehltau weggewischt“ worden. Es herrsche unter der kommissarischen Flughafen-Chefin Petra Höfers eine „neue Aufbruchstimmung“.

„Früh im Sommer“ will Siering den Bula-Nachfolger präsentieren. Es gebe noch drei Kandidaten, mit denen „sehr intensiv verhandelt werde“. Siering: „Davon wird einer übrigbleiben.“ Keiner von ihnen kommt aus Bremen.

Jürgen Bula ist der dritte Flughafen-Chef in Folge, der vorzeitig die Koffer packen musste. Sein Vorgänger Manfred Ernst, unter dessen Regie der Airport erheblich Aufwind bekam, musste ein Jahr vor dem Ruhestand gehen. Die Vorwürfe, er habe gute Jobs an Familienmitglieder vergeben, erwiesen sich später als haltlos. Ernsts Vorgänger Herbert Estel war 1986 abberufen worden, weil er Airport-Beschäftigte bei sich zu Hause arbeiten ließ.

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