Auf Kurs Rot-Rot-Grün

Kristina Vogt will mit den Linken Verantwortung übernehmen

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Kristina Vogt, Spitzenkandidatin der Bremer Linken, ist bereit, in einer rot-rot-grünen Regierung Verantwortung zu übernehmen.

Bremen - Von Jörg Esser. Wahlkampf. Das ist für Kristina Vogt nichts Neues. Zum dritten Mal geht die Fraktionschefin als Spitzenkandidatin der Bremer Linken ins Rennen um die Wählerstimmen.

Die jüngste Umfrage sieht die Linken derzeit bei elf Prozent. Vor vier Jahren holten sie 9,5 Prozent der Stimmen und gewannen damit acht Sitze im Landesparlament. Im Interview äußert sich die 53-Jährige zu Wahlzielen und möglichen Regierungskonstellationen.

Frau Vogt, die Linken gehen selbstbewusst in den Wahlkampf. Der zentrale Slogan lautet „Wir machen das“. Das heißt: Sie wollen mitregieren?

Unser Wahlprogramm ist sehr konkret. Wir haben Ideen entwickelt, die man in vier Jahren umsetzen kann. Es geht darum, einige Projekte für unsere Wählerschaft durchzusetzen. Politiker und Parteien müssen bereit sein, Verantwortung zu übernehmen.

Rot-Rot-Grün ist für die Linken die einzige mögliche Option. In welche Richtung sind die politischen Gräben tiefer?

Die Grünen sind kompromissloser. Sie sind ideologisch auf den Sanierungskurs und auch auf eine akademisch geprägte Klientel fixiert.

Sie haben sich vor allem als Bildungspolitikerin etabliert. Ist das Bildungsressort Ihr Wunschressort?

Wir haben in der Fraktion und Partei überhaupt noch nicht über Ressorts gesprochen. Claudia Bogedan, SPD, ist eine Senatorin, die in Schulen geht und zuhören kann. Sie ist fachlich gut, stolpert aber gelegentlich über Senat und die eigene Partei. Letztlich gibt es schwierige Ressorts und Ressorts, in denen man gestalten kann. Dazu zählen Finanzen, Wirtschaft und Bau.

Die Handelskammer hat für die nächste Legislaturperiode ein Superressort Wirtschaft, Häfen, Bau und Verkehr gefordert...

Da bin ich skeptisch. Sinnvoller ist ein eigenes Haushaltsbudget für ressortübergreifende Aufgaben, um die Konkurrenz unter den Ressorts um finanzielle Mittel abzumildern.

Zurück in den Wahlkampf. Wo liegt Ihr Wahlziel?

Zweistellig, bei zwölf bis 13  Prozent.

Damit landen Sie auf Platz vier?

Wenn lokalpolitische Qualität bei der Wahlentscheidung eine Rolle spielt, dann können AfD und FDP nicht an uns vorbeiziehen. Marketing darf nicht zum politischen Auftrag werden. Wir Linke rechnen alles durch, bevor wir mit Ideen rausgehen. Vielleicht sind wir sogar zu detailverliebt. Aber ich möchte nicht, dass wir zur Marketingpartei verkommen.

Vieles deutet darauf hin, dass die Entscheidung auf ein Duell Carsten gegen Carsten hochgepuscht wird. Ist das für die kleineren Parteien gefährlich?

Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen. In Bremen spielen allerdings die Grünen im oberen Bereich mit. Sie profitieren vom Bundeshype um Robert Habeck. Sie sind so etwas wie eine überzeichnete Aktie. Momentan trägt das aber.

Welche Schwerpunkte setzen Sie im Wahlkampf?

Wohnungsbau, Stadtentwicklung, ÖPNV, Arbeitsmarktpolitik sind Schwerpunktthemen.

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Wohnungsbau heißt Sozialbau?

Es geht um die Frage, wem die Stadt gehört. Wir brauchen eine Kehrtwende auf dem Wohnungsmarkt. Die Stadt sollte den sozialen Wohnungsbau über kommunale Gesellschaften wie die Gewoba und die Brebau steuern. Es ist wichtig, Druck vom Kessel zu nehmen, damit Mieten bezahlbar bleiben. Neue Quartiere sollten unter städtischer Regie entwickelt werden. Mit einer guten Mischung lässt sich Urbanität herstellen. Die städtebauliche Entwicklung der Überseestadt ohne Gestaltungssatzung und architektonischen Vorgaben ist da doch ein Negativbeispiel.

Verkehrspolitik heißt günstiger Nahverkehr?

Eine Verkehrswende ist wichtig. Es geht nicht um „schöner, schneller, weiter“. Wir setzen vor allem auf eine Stärkung des ÖPNV. Es geht unter anderem um die Anbindung von Randgebieten. Und ein kostenloser Nahverkehr sollte eine langfristige Perspektive sein. Das ist so schnell nicht umzusetzen. Aber es ist möglich, in die Vorbereitungen einzusteigen. Zunächst sollte das Stadtticket günstiger gemacht und auf eine größere Gruppe ausgedehnt werden.

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Stichwort Arbeitsmarktpolitik?

Wir brauchen Qualifizierungsangebote für Menschen, die nicht so gute Bildungschancen hatten, und Möglichkeiten für eine lebenslange berufsbegleitende Qualifizierung. Die Wirtschaftsförderung ist zu sehr auf Industriebetriebe fokussiert. Der Fokus sollte verstärkt auf kleine und mittlere Betriebe sowie beschäftigungsintensive Branchen gelegt werden. Wissensbasierte Dienstleistungen müssen gestärkt werden. Beim Thema Windenergie könnte Bremen einen Markt für rentable Zwischenspeicher und Langzeitspeicher bieten. Die Hochschulen haben das Potenzial dafür, dass Bremen den Herausforderungen der Digitalisierung innovativ begegnet. Bremen sollte auch mal den Anspruch haben, in Führung zu gehen.

Nennen Sie mir bitte – politisch gesehen – drei Dinge, die Sie im Land Bremen sofort ändern würden, wenn Sie denn könnten!

Ich würde eine Schulbaugesellschaft gründen, um Entscheidungsprozesse zu verschlanken. Und die Gewoba dazu befähigen, mehr zu bauen. Und ich würde das Nahverkehrs-Sozialticket billiger machen.

Die wichtigsten Spitzenkandidaten für das Wahlgebiet Stadt Bremen im Interview:

Zur Person

Kristina Vogt wurde am 3. Juni 1965 in Münster geboren. Seit 1984 lebt die Rechtsanwaltsfachangestellte und alleinerziehende Mutter eines mittlerweile erwachsenen Sohnes in Bremen, der Heimat ihrer Familie. Vogt wohnt in Walle. Sie sitzt seit 2011 für die Linken in der Bremischen Bürgerschaft und ist seither auch Vorsitzende der Oppositionsfraktion. Seit 2008 ist sie Parteimitglied. Die Agenda-Politik von SPD-Kanzler Gerhard Schröder und die Bildungspolitik von Willi Lemke (SPD) in Bremen haben sie „in die Politik getrieben“.

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