Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) möchte weiter mit den Grünen regieren

„Die Chemie stimmt“

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Bürgermeister Jens Böhrnsen möchte bei der Bürgerschaftswahl das Ergebnis für die SPD verbessern und die Koalition mit den Grünen fortsetzen.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. 38,6 Prozent der Wählerstimmen vor vier Jahren waren kein Ruhmesblatt für die SPD, da möchte Spitzenkandidat Jens Böhrnsen „eine Schippe drauflegen“, wie er es einst selbst beim Thema Bildung formuliert hat. Und der Bürgermeister macht kein Hehl daraus, dass er gern weiterhin mit den Grünen regieren will. Ein Grund: Die Chemie zwischen dem 65-Jährigen und der grünen Finanzsenatorin Karoline Linnert stimmt, wie er im Interview sagt.

Bei der Bürgerschaftswahl 2011 hat die SPD eines ihrer schlechtesten Ergebnisse nach dem Krieg einstecken müssen, die Position als stärkste Kraft blieb aber klar erhalten. Welches Wahlziel haben Sie sich gesetzt, wie viel Prozent halten Sie für möglich?

Jens Böhrnsen: Gegenüber 2007 hatte die SPD vor vier Jahren um zwei Prozent zugelegt. Ich kämpfe dafür, dass wir ein vergleichbares, möglichst noch besseres Ergebnis als 2011 erzielen und die SPD wieder mit Abstand stärkste Kraft im Parlament ist.

Sie sind jetzt seit zehn Jahren Bürgermeister und werden sicherlich auch nach dem 10. Mai Regierungschef bleiben, alles andere als ein Sieg der SPD wäre für Bremen unrealistisch. Wird es den Bürgermeister Jens Böhrnsen weitere vier Jahre geben oder ziehen Sie sich im Laufe der Legislaturperiode zurück?

Jens Böhrnsen: Nichts ist entschieden bis zum 10. Mai, 18 Uhr. Wer jetzt schon so tut, als gäbe es keine Wahl, der nimmt die Wählerinnen und Wähler nicht ernst. Im Übrigen trete ich für vier Jahre an.

Thema Asylpolitik: 2014 hat Bremen mehr als 2 400 Asylbewerber aufgenommen, in diesem Jahr rechnet das Sozialressort mit mindestens 5 000 neuen Flüchtlingen. Ständig müssen neue Unterkünfte gefunden werden, jetzt stehen Container in den Messehallen. Flüchtlinge, die nach Bremen kommen, dürfen bleiben, auch wenn sie rechtskräftig abgelehnt sind. Muss Bremen da nicht umdenken, zumal ein Großteil der Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern kommt, um den Menschen, die vor Kriegen flüchten, bessere Chancen auf Integration einzuräumen?

Jens Böhrnsen: Bremen stellt sich seiner Verantwortung, wie sich Europa und Deutschland ihrer Verantwortung stellen. Wenn ich mir die Bilder aus Syrien oder dem Irak anschaue, wenn ich mir das unfassbare Leid der Menschen auf den Schiffen auf dem Mittelmeer vor Augen führe, fällt mir nicht als erste politische Herausforderung ein, Menschen abzuschieben.

Zur Verkehrspolitik: Sie haben Bremen unlängst mit Blick auf Mercedes als „Autostadt“ bezeichnet. Das, was Verkehrssenator Jo-achim Lohse (Grüne) umsetzt, sieht allerdings eher nach Auto-Schikane und Fahrradstadt aus. Weitere Tempo-30-Zonen, auch auf Einfallstraßen, Fahrradstraßen mit Vorrang für die Radler - das alles wirkt nicht so, als wenn im Oberzentrum Bremen Autofahrer von außen willkommen sind, zum Beispiel zum Einkaufen. Einkaufszentren auf der grünen Wiese mit Hunderten von kostenlosen Parkplätzen frohlocken, die Innenstadt-Kaufleute sind erbost über die grüne Verkehrspolitik. Muss die SPD das Thema nicht endlich wieder selbst in die Hand nehmen und einige der grünen Spielereien dringend abschaffen, sich wieder offen für Autofahrer zeigen?

Jens Böhrnsen: Bremen war, ist und bleibt Autostadt, daran kann es keinen vernünftigen Zweifel geben. Aber ich diskutiere Verkehrspolitik nicht in Gegensätzen, ich will alle Verkehrsmittel integrieren, also gute Bedingungen für das Miteinander von Fußgängern, von Radfahrern, von Auto, Wirtschaftsverkehr, Bus und Bahn. Dem Verkehrskonzept des Senats haben alle zugestimmt, von der Handelskammer und den Innenstadtkaufleute über die CDU bis hin zum Fahrradclub und den Umweltverbänden.

Mit den Grünen möchten Sie auch weiterhin als Koalitionspartner zusammenarbeiten, weil....?

Jens Böhrnsen: ...wir eine vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit pflegen und auch die persönliche Chemie zwischen Bürgermeisterin Karoline Linnert und mir stimmt.

Am 10. Mai wird im Land Bremen ein neues Landesparlament gewählt. Im Vorfeld der Bürgerschaftswahl stellen wir die Spitzenkandidaten der in Fraktionsstärke im Parlament vertretenen Parteien vor.

Zur Person: Jens Böhrnsen, SPD

Alter: 65 Jahre

Funktion: Bürgermeister

Geburtsort: Bremen

Familienstand/Kinder: verheiratet, 4 Kinder

erlernter Beruf: Jurist

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