Bremer halten sich „weitestgehend“ an Verbote

Bürgermeister fliegt aus Bäckerei – und freut sich

Polizisten gehen durch die Bremer Innenstadt, um das Kontaktverbot zu kontrollieren. Foto: DPA/SCHULDT
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Polizisten gehen durch die Bremer Innenstadt, um das Kontaktverbot zu kontrollieren.

Bremen - Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) fliegt aus einer Bäckerei – und ist begeistert. „So habe ich mir das vorgestellt“, sagte er am Dienstagnachmittag vor Journalisten. Was war passiert?

Nun, der Bürgermeister „stolperte“ (O-Ton) in den Laden, weil er das Schild übersehen hatte, auf dem die klare Ansage stand, dass sich angesichts der Corona-Krise in Bremen nur zwei Kunden in der Bäckerei aufhalten dürfen. „Höflich bestimmt“ wiesen die Angestellten „Bovi“ aus dem Geschäft. Und der freute sich, wie er sagte, dass so konsequent auf die Abstandsregelung geachtet wurde. Wie ihm erging es danach weiteren Kunden. Bovenschultes Kommentar: „Gut so!“

Ansonsten waren die Töne auf der Pressekonferenz des Senats ernster. Aufenthaltsbeschränkungen, Kontaktverbot („Ansammlungen“ von mehr als zwei Menschen draußen sind verboten, Ausnahme: Familien), strenger Abstand unter Menschen von zwei Metern, keine Besuche bei Oma und Opa, kein gemeinsames Spielen der Kids auf dem Spielplatz – „das ist eine schwere Zeit“, so Bovenschulte. Aber die massiven Regelungen seien zur Eindämmung von Covid-19 notwendig. Soziale Nähe durch räumliche Distanz, das sei das Gebot der Stunde. Wie sich die Lage entwickele, ließe sich nicht vorhersagen. „Wir müssen aber dem, was Bund und Länder jetzt beschlossen haben, erstmal Raum zur Entwicklung geben“, so der Bürgermesiter. Soll heißen: Es muss beobachtet werden, ob sich die Menschen an die Verbote halten und ob die Corona-Ausbreitung verlangsamt werden kann.

Insbesondere Ältere haben Sorgen wegen Corona-Einschränkungen

Die Einschränkungen bereiteten den Menschen große Sorgen, insbesondere Älteren, die allein in ihrer Wohnung seien. Die Sorgen könne man nicht „einfach wegwischen“. Bovenschulte appellierte an die Solidarität aller. Gefragt seien Aktionen, um Menschen nicht allein zu lassen. „Greifen Sie zum Telefon, zum Brief, jeder kann aktiv werden.“ Die Menschen werden „einige Zeit“ mit der Situation umgehen müssen. Wichtig seien „konsequente und klare Vorgaben, aber keine Überreaktion“. Arbeit, Einkauf, Radfahren – das sei weiter möglich. Der Bürgermeister forderte eine „Balance zwischen Striktheit und Klarheit“ sowie einen vernünftigen Umgang miteinander. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte er.

„Weitestgehend“ hielten sich die Bremer an die Verbote. Die eine oder andere Party, Ansammlungen vor Kiosk oder Imbiss, da habe der Ordnungsdienst eingreifen müsse. Die Polizei habe einige Strafverfahren eingeleitet und Platzverweise mit „verstärkter Höflichkeit“ ausgesprochen. Die Kontrollen, auch in Läden, werden verstärkt, so Bovenschulte. Die Baumärkte in Bremen bleiben zunächst geöffnet, in Niedersachsen sind sie bereits für die Privatkunden dicht.

Corona-Krise in Bremen: Intensivbetten soll massiv aufgestockt werden

Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) kündigte an, die Zahl der Intensivbetten zum April auf 460 aufzustocken. Die Zusammenarbeit mit allen Kliniken liefe gut. Paracelsus- und Roland-Klinik hätten alle aufschiebbaren Operationen abgesagt und stellten Personal zur Verfügung.

Bis zum Abend zählte Bremen 195 Corona-Infizierte (Vortrag: 175), davon 14 in Bremerhaven. Acht liegen in Kliniken, zwei werden beatmet; 35 sind genesen.

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