„Fritz“ und Theaterschiff: Neustart im Metropol-Theater

„Bühne frei!“ in Bremen

Drei Mann – mit Abstand – vor dem Metropol-Theater. Von links gesehen: Christopher Kotoucek, Jörn Meyer und Knut Schakinnis. 
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Drei Mann – mit Abstand – vor dem Metropol-Theater. Von links gesehen: Christopher Kotoucek, Jörn Meyer und Knut Schakinnis. Foto: PETERS/INVO
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Bremen – Das ist mal Beinfreiheit! Im Metropol-Theater am Richtweg fehlen Sitzreihen. Sie wurden nicht ohne Grund ausgebaut. Denn demnächst gibt’s hier wieder Theater! Keine Tourneeproduktionen, sondern Inszenierungen zweiter Bremer Privattheater, die coronabedingt auf eigener Bühne noch nicht wieder richtig spielen können: Theaterschiff und „Fritz“-Theater treten nun auf der Metropol-Bühne vor ihr Publikum. Es ist der Versuch eines Neustarts nach monatelang erzwungener Bühnenabstinenz.

„Krisen führen zusammen“, sagt Christopher Kotoucek vom „Fritz“. „Jörn kam mit der Idee, ich war Feuer und Flamme.“ Jörn, das ist Jörn Meyer vom Metropol-Theater. Sein Haus hat 1 450 Sitzplätze. Aufgrund der siebten Corona-Verordnung darf Meyer 200 Besucher ins Parkett lassen. 200 Plätze? Für Kotoucek und Knut Schakinnis (Theaterschiff) durchaus eine Option.

Denn ihre Häuser sind deutlich kleiner. „Solange die Abstandsregeln gelten, geht bei uns gar nichts“, sagt etwa Schakinnis, der seit Mitte März – gegenüber dem Vorjahr – 1,2 Millionen Euro Umsatz verloren hat. Die Regelungen würden dazu führen, dass nur 25 Prozent der Kapazitäten genutzt werden dürfen. „30 Leute im Saal – das ist für das Publikum und die Darsteller nicht schön. Und wirtschaftlich auch nicht.“ Und: „Wir sind durch die Hygieneverordnung gefesselt, können eigentlich nichts machen im Packhaus und auf dem Theaterschiff.“ Im „Fritz“ wären höchstens 65 Plätze erlaubt – auch nicht so witzig.

Abstand auch auf der Bühne

Und im Metropol-Theater? Was spielt man da nun? Schakinnis: „Die Abstandsregeln schränken auch die Möglichkeiten auf der Bühne ein.“ Stücke wie die Beziehungskomödie „Nackte Tatsachen“, in diesem Frühjahr eigentlich auf Schakinnis‘ Spielplan, scheiden da folglich aus. Also kommt jetzt der Theaterschiff-Kracher „Hitparade“ – unter anderem mit Marcus Rudolph – zurück. Im Metropoltheater ist die Hommage an den ZDF-TV-Klassiker jeweils donnerstags bis sonnabends um 20 Uhr und sonntags um 15 Uhr zu sehen (16. bis 19. Juli, 23. bis 26. Juli, 13. bis 16. August).

Das „Fritz“ zeigt im Metropol-Theater Kotouceks neue Musikkomödie „Camping“, eine Schlager-Schlacht zwischen Wohnwagen und Wohnmobilen. Premiere: 30. Juli. Auch das „Fritz“ spielt am Richtweg von donnerstags bis sonntags – mal um 19.30 Uhr, mal um 20 Uhr. Die Termine: 30. Juli bis 2. August, 6. August bis 9. August, 19. bis 22. August. Außerdem bringt das „Fritz“-Team sein „Blues-Brothers“-Konzert ins Metropol-Theater (Sonnabend, 11. Juli, 20 Uhr). Aus dem „Fritz“ an den Richtweg verlegt: Komikerin Nicole Jäger als „Prinzessin Arschloch“. Mit ihrem Auftritt am Donnerstag, 9. Juli, um 19.30 Uhr beginnt das Sommerprogramm.

Auch Meyers Metropol-Mannschaft selbst ist mit eigenen Veranstaltungen dabei. Am Freitag, 10. Juli, zeigt das „Theaterwerk Bremen“ unter der Leitung von Dirk Böhling die szenische Lesung „Die zwölf Geschworenen“ (20 Uhr). Lieder, die in der Lockdown-Zeit entstanden sind, singt Denis Fischer am Sonntag, 12. Juli (20 Uhr). Und am Mittwoch, 15. Juli, gibt das „Bremer Kaffeehaus-Orchester“ sein Sommerkonzert (20 Uhr).

Coronagerechte Unterhaltung

Werden sich all die Mühen lohnen? Mit einem Ansturm rechnen die Organisatoren lieber nicht, schließlich hat es den in Restaurants nach der Wieder-Öffnung auch nicht gegeben. „Man muss anfangen, Vertrauen zu schaffen“, sagt Meyer. Das Publikum, so Schakinnis, soll merken: „Hier kann man sich wieder unterhalten lassen.“

Natürlich coronagerecht. Meyer: „Jede zweite Reihe ist ausgebaut, zwischen Rückenlehne und Rückenlehne haben wir 1,80 Meter Abstand.“ Innerhalb der Reihen sind es 1,50 Meter zwischen den einzelnen Besuchergruppen. Karten werden nur personalisiert verkauft – zum Beispiel via Nordwest-Ticket (und damit in den Geschäftsstellen unserer Zeitung). Abendkasse, Garderobe und Bar gibt es nicht. Besucher dürfen Jacken und kleine Täschchen in den Saal mitnehmen, ebenso vorbestellte „Gastro-Pakete“. Der Zuschauerraum wird mit Frischluft versorgt. Alle Vorstellungen sind ohne Pause zu sehen.

„Normale Saison erst 2021/22“

Werden sich all die Mühen lohnen – wirtschaftlich? „Wir geben alles in einen Topf, dann gucken wir“, so Meyer. „Wenn‘s gut läuft, wird’s kostendeckend“, sagt Kotoucek. Aber: „Wir wollen wieder spielen.“ Und genau das sei auch ein wichtiges Signal ans Publikum – auch für die Zeit nach Corona, wann immer das sein wird. Eine „normale Saison“ aber erwartet Meyer erst wieder für 2021/22.

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