Bücher und Repräsentation

„Verschwunden“: Poppes prunkvolle Bibliothek am Breitenweg

+
Poppes Prunk – die Bibliothek am Breitenweg auf einer zeitgenössischen Abbildung.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Er war Jurist und Lyriker, hatte sich als Dramatiker einen Namen gemacht und leitete seit 1879 die Stadtbibliothek, aus der Jahrzehnte später die Staats- und Universitätsbibliothek hervorgehen sollte: Heinrich Bulthaupt (1849 bis 1905).

Bücher brauchen Ordnung, Platz – und ein bisschen Repräsentation ist auch nicht schlecht. So regte Bulthaupt einen Bibliotheks-Neubau an. Der wurde 1897 am Breitenweg eingeweiht. Heute steht er nicht mehr. Und ist damit Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Es war eine mächtige Staatsbibliothek, die da am Breitenweg entstanden war. Ein prunkvolles Bauwerk mit vier machtvollen, reichhaltig verzierten Giebeln. Mit der Repräsentation hatte es also gut geklappt – ganz nach dem Geschmack und im Stil dieser Zeit. Und ganz so, wie man es bei dem Architekten auch erwarten durfte.

Der Architekt, das war Johann Georg Poppe (1837 bis 1915), zu Kaisers Zeiten lange so etwas wie der Star-Architekt des bremischen Bürgertums. Wer in Bremen mit Bauten repräsentieren wollte, der ging zu Poppe. Für wohlhabende Kaufleute, für wohlhabende Bürger hat er etliche Villen und Landhäuser in Horn und Oberneuland gebaut.

Die „Umgedrehte Kommode“ (1873) stammt von ihm. Nach Poppes Plänen wurde 1902 der prachtvolle Bau der Baumwollbörse an der Wachtstraße errichtet. 1903 hat er das opulente Ratsgestühl in der Oberen Rathaushalle geschaffen. Als 1910 der ebenfalls prunkvoll ausgefallene Stammsitz des Norddeutschen Lloyd an der Papenstraße fertig  geworden war, stand Poppe wegen seines inzwischen oft als überladen empfunden Stils schon in der Kritik.

Als er 1897 die Bibliothek am Breitenweg baute, war davon noch nicht die Rede. Bibliothekar Bulthaupt setzte mit dem Neubau fort, was sein Vorgänger Johann Georg Kohl (1808 bis 1878) eingeführt hatte – Struktur, Ordnung, wissenschaftliche Beratung der Besucher. Unterdessen waren die Bestände gewachsen, Bremens Bücher brauchten mehr Platz.

Die Ursprünge der Sammlung liegen im 17. Jahrhundert. Damals hatte Bremen anstelle einer Universität, für die das kaiserliche Privileg zur Verleihung akademischer Grade fehlte, ein „Gymnasium Illustre“ – eine Akademie mit den vier Fakultäten Philosophie, Jurisprudenz, Medizin und Theologie. Der Rat beschloss, dafür eine Reihe einzelner Buchsammlungen, darunter auch seine eigene, zu einer großen Bibliothek zu vereinen. So entstand 1660 die „Bibliotheca Bremensis“ im früheren Katharinenkloster der Dominikaner, wo inzwischen längst das „Gymnasium Illustre“ zu finden war.

Auch ein besonderer Schatz gehörte zum Bestand. Im Dreißigjährigen Krieg hatte der Universalgelehrte Melchior Goldast von Haiminsfeld (1578 bis 1635), ein passionierter Büchersammler, den Einfall, seine etwa 1 800 Bände umfassende Sammlung vor Raub und Plünderung schützen zu wollen. Er brachte sie im alten Katharinenkloster unter – getarnt in zehn Eichenfässern.

Die mit all ihren Schätzen ab 1897 im Poppe-Bau am Breitenweg untergebrachte Bremer Bibliothek wurde 1927 offiziell in Staatsbibliothek umbenannt – nicht zu verwechseln mit den Volksbüchereien, mit der Stadtbibliothek. Im Zweiten Weltkrieg lagerte man etliche wertvolle Bücher aus. Sie kamen unter anderem nach Rotenburg, in ein Bergwerk bei Helmstedt, in ein Kalibergwerk an der Saale. Im August und Oktober 1944 trafen Bomben das Gebäude am Breitenweg. Giebel und Dachstuhl wurden zerstört.

Als die Bremer in den 60er Jahren die Gründung ihrer Universität planten, wurde die Staatsbibliothek mit der aufzubauenden Uni-Bibliothek zur Staats- und Universitätsbibliothek verbunden. 1975 begann der Betrieb auf dem Campus. Der Bau am Breitenweg diente dem Übersee-Museum als Magazin, bis er in den 90er Jahren abgerissen wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Diese Promis bekennen sich zu Bitcoin - und sagen das voraus

Diese Promis bekennen sich zu Bitcoin - und sagen das voraus

China baut Militärstützpunkte im Südchinesischen Meer aus

China baut Militärstützpunkte im Südchinesischen Meer aus

Das sind die teuersten Promi-Flitzer aller Zeiten

Das sind die teuersten Promi-Flitzer aller Zeiten

Pferdestall-Großbrand in Hanstedt

Pferdestall-Großbrand in Hanstedt

Meistgelesene Artikel

Brände in Bremerhaven: 15-Jähriger wieder auf freiem Fuß

Brände in Bremerhaven: 15-Jähriger wieder auf freiem Fuß

„Harms am Wall“: Zeitpunkt für Abriss völlig offen

„Harms am Wall“: Zeitpunkt für Abriss völlig offen

Sexueller Missbrauch: Weiterer Tatverdächtiger aus Bremen festgenommen

Sexueller Missbrauch: Weiterer Tatverdächtiger aus Bremen festgenommen

Bei Rot über die Kreuzung: Lieferwagen kollidieren in Bremen

Bei Rot über die Kreuzung: Lieferwagen kollidieren in Bremen

Kommentare