Buddha mit Energiekanal

Zeremonie für Friedenssymbol des Dalai Lama in der Botanika

Unter der Leitung von Geshe Pema Samten (mit weißem Tuch) wird der Friedensbuddha in der Botanika gesegnet. Am Freitag begann die Zeremonie, die erst am Sonntag beendet ist. Dann wird der Buddha in seiner ganzen Größe zu sehen sein. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. Noch ist der Friedensbuddha im Japanischen Garten der Botanika in Teile zerlegt, doch dreht sich alles um ihn. Die Segnung der Statue beginnt, danach folgt die Befüllung. Fünf Mönche sitzen am Freitag um einen kleinen Tisch. Sie beginnen zu singen. Teilweise wirken ihre tiefen Stimmen wie ein Murmeln, dann wird es melodisch. Sie schließen die Augen und wiegen ihre Oberkörper hin und her.

Die fünf Männer wirken ein wenig wie Pendel, jeder autark, aber sie gehören doch zusammen. Etwas später beginnt einer von ihnen mit runden Kreisbewegungen. Es ist der Beginn einer dreitägigen Zeremonie. Bis Sonntag dauert die Befüllungszeremonie für den 2,40 Meter großen Friedensbuddha in der Botanika in Horn (Deliusweg 40). Die Statue wird mit Textrollen befüllt, mit Mantras. Dazu kommen Schatzvasen und getrocknete Blüten und Kräuter. Außerdem bekommt der Buddha eine Art Wirbelsäule, einen Stab, eingewickelt mit Garn in den Farben des Buddhismus. Der Stab symbolisiere den zentralen Energiekanal im menschlichen Körper, so Geshe Pema Samten, ständiger Lehrer am Tibetischen Zentrum in Hamburg, der die Zeremonie, wie er sagt, sehr gerne leitet.

Der Dalai Lama hat sich absichtlich für einen säkularen Ort für die Statue entschieden. Die Botanika bekommt den einzigen Friedensbuddha in Europa. Er soll allen Menschen unabhängig von ihrer Religion als Symbol des Friedens dienen und außerdem die Liebe des Dalai Lama für die ganze Welt ausdrücken. Auf jedem Kontinent soll ein Friedensbuddha aufgestellt werden. Er solle Menschen helfen, eine Haltung anzunehmen, die in ihnen Mitgefühl erzeugt, sagt Samten.

Geshe Pema Samten leitet die Segnung. In seiner Hand die Puja, eine Glocke, die für die Weisheit steht. - Fotos: Kowalewski

Die Geistlichen greifen zu kleinen Handglocken und erzeugen ein kräftiges Schellen. „Es handelt sich um eine Puja. Sie steht für die Entwicklung der Weisheit“, sagt die im Publikum sitzende Buddhistin Marita Nenast gegenüber unserer Zeitung. „Diese führt zu der Einsicht, dass alles mit allem zusammenhängt und nichts aus sich selbst heraus existiert. Im Buddhismus gibt es keine göttliche Instanz, die unabhängig von allem da war.“

Danach kommt ein handgroßes Rhythmusinstrument zum Einsatz. Die Mönche erzeugen ein lautes Klappern. „Das ist die Vajra. Sie steht für das Mitgefühl“, sagt Nenast. Später werden beide Instrumente gleichzeitig gespielt. Der Gesang setzt wieder ein. Erst liegen die Töne eng beieinander. Dann kommt Bewegung in die Stimmen. „In den Texten geht es um den Wunsch, dass jedes Lebewesen Erleuchtung erlangt. Oft geht es um geistige Zustände auf dem Weg dahin“, sagt Nenast.

Die Zuschauer blicken gebannt auf die Geistlichen. Deren Gesang durchströmt die Halle und verbreitet eine meditative Stimmung. Alle 20 Minuten erklingt eine große Glocke. Dann wechselt das Publikum. So verhindern die Organisatoren, dass es bei der vergleichsweise ruhigen Zeremonie zu voll wird. Die Kameras klicken, doch das stört die fünf Geistlichen nicht.

Geshe Palden Öser bereitet Opfergaben für den Buddha vor.

Leiter Geshe Pema Samten greift eine Kanne und gießt Wasser in eine Schale. „Das ist heiliges Wasser. Es hat eine ähnliche Rolle wie das Weihwasser im Christentum“, sagt Buddhist Habekost. Danach entnimmt Samten einen kleinen Besen, der wie ein Deckel auf der Kanne sitzt, und schwenkt ihn. Einige Tropfen fallen herab. Auch hierbei gehe es um die Opferthematik, sagt Habekost.

Vor dieser Zeremonie haben die Geistlichen einen großen Altar mit Opfergaben vorbereitet, darunter Obst und Kuchen. Der Altar steht über dem Teich mit japanischen Farbkarpfen. Erst Stunden später beginnt die Befüllung. Die Gelehrten legen die Textrollen in den Sockel. Kräuter und Blüten werden in Säcken gebracht und eingeschüttet.

Die zerlegte Buddha-Statue hat einen weiten Weg hinter sich. Zuerst ging es 1 200 Kilometer von Bylakuppe mit dem Lkw nach Mumbai. „Aufgrund der wertvollen Fracht haben wir uns natürlich Sorgen wegen möglicher Überfälle gemacht“, sagt Peter Siemering, Vorsitzender des Vereins der „Sieben Faulen“, der die Transportkosten bezahlt hat. Dann ging es mit dem Schiff nach Südkorea, später nach Bremerhaven. „Ich danke dem Zoll, dass er die Kiste nicht geöffnet hat, um eine Beschauung zu machen. Die haben beide Augen zugedrückt“, sagt Siemering.

Zeremonie für Friedens-Buddha in Bremen

Am Sonnabend setzen die fünf Priester die Befüllung fort. Am Sonntag stellen sie die 2,40 Meter hohe, vergoldete Statue auf ihrem Sockel auf. Bis dahin gibt es jede Menge Programm.

Mehr Infos: www.botanika.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Was quält den Vierbeiner? So arbeiten Hundepsychologen

Was quält den Vierbeiner? So arbeiten Hundepsychologen

Weihnachtsmarkt in Nienburg eröffnet

Weihnachtsmarkt in Nienburg eröffnet

IAEA-Chef verteidigt Atomdeal mit dem Iran

IAEA-Chef verteidigt Atomdeal mit dem Iran

Barkeeper: Vom Berufsrisiko Sucht und der Liebe zur Nacht

Barkeeper: Vom Berufsrisiko Sucht und der Liebe zur Nacht

Meistgelesene Artikel

„Mein Kunst-Stück“ mit Naser Agha: „Von Aleppo nach Bremen“

„Mein Kunst-Stück“ mit Naser Agha: „Von Aleppo nach Bremen“

Mercedes-Benz-Werk Bremen produziert achtmillionstes Auto

Mercedes-Benz-Werk Bremen produziert achtmillionstes Auto

„Ötzi“-Filmdrama feiert Premiere in Bremen

„Ötzi“-Filmdrama feiert Premiere in Bremen

Familie nach Kohlenmonoxid-Vergiftung in Klinik

Familie nach Kohlenmonoxid-Vergiftung in Klinik

Kommentare