„Brutal und sinnlos“

Mord: 18-Jähriger muss siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis

Zeigte bis zuletzt keinerlei Reue: Der 18-jährige Angeklagte muss siebeneinhalb Jahre in Haft. Foto: KOLLER
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Zeigte bis zuletzt keinerlei Reue: Der 18-jährige Angeklagte muss siebeneinhalb Jahre in Haft.

Bremen - Er wollte diesen BMW, koste es, was es wolle. Und er beschaffte sich den Wagen, auch wenn dafür ein Mensch sterben musste. Zu diesem Schluss ist die Große Jugendstrafkammer des Bremer Landgerichts am Freitag gekommen und verurteilte einen 18-Jährigen unter anderem wegen Mordes aus Habgier zu siebeneinhalb Jahren Haft. Der Angeklagte hatte einen Senior in Bremerhaven zusammengeschlagen, um an dessen Autoschlüssel zu kommen. Der Mann überlebte den Angriff nicht.

Über allem stand sein Faible für Autos, seine Bewunderung für diesen einen Wagen. Er wollte ihn, egal, was dafür nötig sein würde. Dass letztlich ein 76-jähriger Mann mit seinem Leben bezahlte, berührt den Angeklagten bis heute nicht. Diesen Eindruck jedenfalls gewinnen Prozessbeobachter.

Auch Nebenklagevertreter und Gutachter sprachen im Verfahren von einer „erschreckenden Gleichgültigkeit“, mit der der 18-jährige Bulgare auf den Tod seines Opfers, aber auch auf das Leid der Angehörigen reagierte. Weder vor dem Haftrichter noch während des Prozesses eine Spur von Reue, sogar das „letzte Wort“ ließ der Mann aus – auf Anraten seines Verteidigers Thomas Domanski, der sagte: „Es würde nicht von Herzen kommen.“

Wenn überhaupt etwas, so formulierte es die Vorsitzende Richterin Andrea Schneider, im Angeklagten etwas ausgelöst habe, dann der Wunsch, „einmal diesen BMW fahren zu können“. Der BMW, silberfarben, 3er-Modell, fuhr am 1. August 2019 vor ein Wohnhaus an der Keilstraße in Bremerhaven.

Am Steuer saß das spätere Opfer, 76. Der Mann, so das Ergebnis der Beweisaufnahme, ging zunächst in den Keller, um dort eine Wasserkiste abzustellen. Was er nicht bemerkte: Der Angeklagte war ihm gefolgt und forderte umgehend die Autoschlüssel. Nachdem der Mann dies verweigerte, stieß der 18-Jährige ihn zu Boden, versetzte ihm einen Faustschlag, kniete sich über sein Opfer und schlug noch mindestens zwei weitere Male ins Gesicht des Rentners. Der 76-Jährige verlor das Bewusstsein – und erlangte es nie wieder. Am 31. August starb er in einem Krankenhaus.

Abstand halten – das Landgericht reagiert auf Corona und reduziert das Platzangebot für Zuschauer.

Wie ein Rechtsmediziner vor Gericht aussagte, vermutete er zunächst, der Mann sei getreten worden, so massiv seien die Verletzungen des Seniors gewesen. Neben mehrfachen Gesichtsbrüchen und einem schweren Schädel-Hirn-Trauma diagnostizierten die Ärzte zudem immense Hirnblutungen.

Und der Angeklagte habe den Ernst der Lage erkannt, stellte das Gericht fest. Trotzdem nahm er die Schlüssel an sich, baute nur wenige Minuten später einen Unfall – und floh. Mit dem gestohlenen Wagen habe er dann vor Freunden geprahlt und sei am Folgetag durch Bremerhavens Innenstadt gerast – all das, obwohl er gar keinen Führerschein besitzt. Erst, als Polizisten die Verfolgung aufnahmen, der Angeklagte in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verlor und den Wagen gegen einen Metallzaun setzte, endete seine Flucht.

Wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge, Diebstahls, Fahrens ohne Führerschein, Fahrerflucht und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sowie wegen versuchten Computerbetrugs bildete die Kammer eine Gesamtstrafe von siebeneinhalb Jahren Haft.

Damit blieb das Gericht unter der Forderung des Staatsanwalts, der neuneinhalb Jahre gefordert hatte. Seiner Ansicht nach handelte der Angeklagte „brutal und sinnlos“. Verteidiger Thomas Domanski hatte in seinem Schlussvortrag maximal sieben Jahre Freiheitsstrafe wegen Raubes mit Todesfolge für seinen Mandanten beantragt. Doch das Gericht entschied auf Mord – nicht zuletzt, weil der Bulgare keinerlei Empathie für sein Opfer gezeigt habe. „Ihnen war es schlicht egal, was mit dem Mann passiert. Sie wollten das Auto“, so Richterin Schneider.

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