Staatsanwalt fordert mehr als zehn Jahre Haft

Raubüberfälle auf Senioren: „Brutal und rücksichtslos“

Streitet die Taten ab: der 64-jährige Angeklagte im Gerichtssaal. Foto: KOLLER
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Streitet die Taten ab: der 64-jährige Angeklagte im Gerichtssaal.

Bremen - Von Steffen Koller. Zeugen mit „Entlastungstendenzen“, „unglaubwürdige“ Aussagen des Angeklagten, „ziemlich gute DNA-Spuren“ – für Staatsanwalt Florian Maaß steht fest: Der Mann, der seit Mai 2018 auf der Anklagebank des Bremer Landgerichts sitzt, ist schuldig. Schuldig, zwei über 90-jährige Frauen brutal überfallen und ausgeraubt zu haben. Am Mittwoch forderte Maaß wegen versuchten schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zehn Jahre und zehn Monate Haft.

„Habe Mist gebaut. Bitte ruf´ an.“ Sechs Worte, die für sich genommen, kaum eine Bedeutung haben. Sechs Worte, die auch noch kein Geständnis sind. Für Staatsanwalt Florian Maaß sind diese sechs Worte – verfasst vom Angeklagten, versendet an seine Frau – dennoch von großem Wert. Ein Puzzleteil in einem fast 15 Monate dauernden Prozess, der nun womöglich ein Ende findet. 

Denn: Für Maaß ist das Wort „Mist“ das Synonym für einen brutalen Raubüberfall am frühen Nachmittag des 7. November 2017. Gegen 13 Uhr drängte ein Mann – laut Maaß der Angeklagte – die damals 90-Jährige in ihre Wohnung in der Neustadt, fesselte sie mit Klebeband an einen Sessel und drückte ihr ein Kissen ins Gesicht, bis die Frau zu ersticken drohte. Mehrfach soll der Mann mit seinen Fäusten auf die Seniorin eingeprügelt haben, dann sei er ohne Beute geflohen. Die Frau, bis heute traumatisiert, kam mit schweren Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus.

Für Ankläger Florian Maaß ist die Tat bis auf „wenige inhaltliche und zeitliche Randgeschehen im Wesentlichen erwiesen“ und dem 64-Jährigen zuzuordnen. Daneben, so die Anklage, überfiel der Mann bereits anderthalb Jahre zuvor, im Januar 2016, eine damals 92-jährige Frau. Das Muster ähnelte der Tat von 2017. Auch in diesem Fall soll der Mann das Opfer in seine Wohnung gedrängt, gefesselt und versucht haben, es auszurauben. Doch eines hatte der Mann wohl vergessen. Nämlich, dass er DNA-Spuren hinterließ, die ihn laut Maaß letztlich überführten. 

Ermittler fanden sowohl am Klebeband, das bei der ersten Tat verwendet worden war, als auch am Mantel der zweiten Seniorin Erbmaterial des Angeklagten. Laut Kriminaltechniker „eine gute Spur“, weil nur einer von 1,5 Trilliarden Menschen eine solche DNA hat. Daneben hätten Zeugen – Polizisten, Nachbarn, Kriminaltechniker – die Alibis des Angeklagten entkräftet. Für Maaß gebe es keine „vernünftigen Zweifel an der Tatbegehung“ des Mannes. Die Aussagen des Angeklagten wiesen „Ungereimtheiten und Unstimmigkeiten“ auf und seien als „Schutzbehauptungen“ zu werten. 

Der Täter sei „brutal und rücksichtlos“ vorgegangen – und vor allem: „Der Angeklagte suchte sich ganz gezielt wehrlose Opfer aus und überfiel sie im privatesten Rückzugsort.“ Der Mann sei trotz seiner kriminellen Vergangenheit „wiederholt gewalttätig“ geworden und weise mittlerweile 19 Eintragungen im Bundeszentralregister auf. Unter anderem verurteilte ihn das Landgericht München 1992 wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. 2009 wurde er nach 17-jähriger Haft entlassen. Nun könnten mehr als zehn Jahre dazu kommen.

Das Plädoyer der Verteidigung soll am 19. August folgen. Ein Urteil wird für den 20. August erwartet.

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