Plädoyers im Raubprozess

„Brutal und roh“: Anklage fordert Haftstrafe

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Die Staatsanwaltschaft fordert viereinhalb Jahre Haft für den 28 Jahre alten Angeklagten. Sein Verteidiger beantragte Freispruch.

Bremen - Von Steffen Koller. Die Staatsanwaltschaft hat am Montag vor dem Landgericht Bremen viereinhalb Jahre Haft für einen 28-Jährigen gefordert. Der Verteidiger beantragte Freispruch. Der Angeklagte, dem schwerer Raub und Freiheitsberaubung zur Last gelegt wird, soll im Dezember 2016 einen Rentner überfallen, geknebelt und mehr als 2 000 Euro von ihm gestohlen haben. An der beantragten Strafe änderten auch drei vermeintliche Alibizeugen nichts, deren Aussagen von der Anklagevertretung als „äußerst fragwürdig“ eingestuft wurden.

Laut Anklage ist der 28-Jährige am 20. Dezember vergangenen Jahres über ein Fenster in die Wohnung des Seniors eingestiegen. Er fesselte ihn mit Klebeband, Gürtel und einem Antennenkabel ans Bett und hob mit der erpressten EC-Karte samt PIN-Nummer 2 000 Euro vom Konto des Mannes ab, ist die Anklage überzeugt. Dabei soll der Angeklagte „brutal und roh“ vorgegangen sein, hieß es im Schlussplädoyer des Staatsanwaltes. Mit dem Geld soll der Mann Schulden beglichen haben, so die Vermutung der Anklagevertretung, die sich nicht durch Alibizeugen von der geforderten Strafe abbringen ließ.

Diese waren auch für das Gericht ganz überraschend am vergangenen Verhandlungstag als Zeugen präsentiert worden – fünf Monate nach dem Überfall. Die Aussagen der Männer im Alter von 23, 29 und 36 Jahren, die laut Verteidiger Axel Rotter bestätigen könnten, dass sein Mandant am 20. Dezember zusammen mit ihnen den Abend verbracht habe, wurden vom Staatsanwalt als „unergiebig“ eingestuft. „Es ist davon auszugehen, dass man die Aussagen abgesprochen hat“, hieß es von Seiten der Anklage. Ein Zeuge sagte am Montag aus, man habe sich innerhalb des Freundeskreises auf den 20. Dezember als den Tag „geeinigt“, an dem man zusammen den Abend verbracht habe. „Wir mussten uns ja auf einen Tag festlegen“, hieß es vom Zeugen.

Schienen die Zeugen – aus Sicht der Anklage – wenig zur Entlastung des 28-Jährigen, der erst Ende 2015 wegen eines anderen Verbrechens aus der Haft entlassen worden war, beizutragen, sollen laut Staatsanwalt andere Zeugen wesentlich aufschlussreicher gewesen sein. Allen voran das 70-jährige Opfer, dessen Aussagen „stimmig und widerspruchsfrei“ seien.

Dem entgegnete die Verteidigung, der Rentner habe bei seiner Aussage vor Gericht „im nachhinein entscheidende Aspekte hinzugefügt“. Zudem könne die von der Anklage angenommene zeitliche Abfolge des Tatabends nicht stimmen. Hinzu komme, dass seitens der Staatsanwaltschaft „maßgebliche Teile an entlastenden Hinweisen unterschlagen wurden“, so Axel Rotter, der für seinen Mandanten einen Freispruch beantragte. „Im Zweifel für den Angeklagten“, hieß es abschließend vom Anwalt des 28-Jährigen. Dieser sagte bei seinen „letzten Worten“: „Ich bin unschuldig. Ich habe damit nichts zu tun.“

Das Urteil wird für Donnerstag, 1. Juni, erwartet.

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