Kostenfaktor Putzkolonne

Alle ein bis vier Wochen werden in Bremen Brunnen geputzt

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Der Neptunbrunnen prägt den Domshof in Bremen.

Bremen - Von Denise Müller-Dum. Auf dem Bremer Domshof treibt ein bronzener Neptun mit erhobenem Dreizack zwei Pferdeköpfe vor sich her. Unter ihm sprudelt von April bis Oktober das Wasser. Von Zeit zu Zeit allerdings wird dem Meeresgott der Hahn zugedreht. Am Neptunbrunnen ist Reinemachen angesagt.

Zum Vorschein kommt der gesammelte Unrat einer Woche. Auf dem Beckenrand ist eine Mandarinenschale drapiert, eine 10-Cent-Münze klebt am Boden nebst einigen Zigarettenkippen. Die Figur zu Neptuns Rechter bläst in eine trompetenförmige Muschel, darin steckt eine Papiertüte. „Wenn man nicht regelmäßig saubermacht, sind die ganz schnell vermüllt“, sagt Peter Schulz, Sprecher von Immobilien Bremen.

Die Gesellschaft betreibt die 20 öffentlichen Brunnen der Hansestadt im Auftrag des Bremer Amts für Straßen und Verkehr und hält sie instand. Dafür stehen dem Dienstleister jährlich 100.000 Euro aus dem Bremer Haushalt zur Verfügung, wobei 10.000 bis 15.000 Euro für Strom noch dazukommen. Alle ein bis vier Wochen reinigt eine von Immobilien Bremen beauftragte Spezialfirma die Brunnen, je nach Größe und Lage. Exponierte Bauwerke wie auf dem Domshof bräuchten sicherlich häufigere Wartung als kleine, unauffälligere, so Schulz.

Der Neptunbrunnen wird während der Saison etwa einmal die Woche geschrubbt. Orange-weiß gestreifte Markierungskegel umranden am Putztag ein sonst unscheinbares Detail des Bauwerks. Die Tür zu einem knapp drei Meter tiefen Schacht an der Längsseite des Brunnens. Hier klettern Servicemonteur Jan Bahrs und sein Kollege von der Firma Dynamik-Pumpen aus Stuhr (Landkreis Diepholz) am Morgen als erstes hinab. Dort unten schlägt das Herz des Brunnens. Zwei große Umwälzpumpen befördern 170 Kubikmeter Wasser pro Stunde - so viel wie gut 1200 Badewannen fassen. Doch die schweren, blauen Pumpen haben jetzt erst einmal Pause.

Jan Bahrs reinigt den Neptunbrunnen auf dem  Bremer Domshof.

Ist das Wasser versiegt, beseitigen die Monteure das Grobe. „Blätter, Äste, Scherben, Bierflaschen“, zählt Bahrs auf. „Letztes Jahr haben wir einen Oktopus hier herausgeholt. Der ganze Brunnen hat danach gestunken.“ Solcherlei Funde findet Immobilien Bremen-Sprecher Schulz überhaupt nicht witzig. „Das ärgert uns am meisten, wenn da so schlampig mit umgegangen wird.“ Vandalismus kommt die Stadt teuer zu stehen. Wer einen Becher Waschpulver in einen Brunnen kippe, verursache Reinigungskosten von 800 bis 1000 Euro, so Schulz.

Vandalismus an den öffentlichen Brunnen kennt man auch in Hannover. Allerdings komme das nur in Einzelfällen vor, sagt Stadtsprecherin Anja Menge. „Dabei handelt es sich hauptsächlich um Graffitis.“ Insgesamt gesehen mache Vandalismus aber nur einen kleinen Teil der Kosten für Wartung und Instandhaltung der 58 städtischen Brunnen Hannovers aus: 80 000 Euro im Jahr, Personalkosten, Wasser und Strom nicht eingerechnet. Das Geld werde hauptsächlich für die bauliche Instandhaltung und Instandsetzung gebraucht, so Menge.

Denn immer mal wieder stehen auch kleinere Reparaturen an. Am Neptunbrunnen ist eine Platte der Verkleidung ein Stück abgeplatzt. Die Monteure von Dynamik-Pumpen sind den halben Tag zugange, kümmern sich auch um verstopfte Düsen, zugesetzte Siebe und verdreckte Kacheln. Durch Münzen, die Passanten zur Erfüllung ihrer Wünsche in den Brunnen werfen, kommt das Geld für deren Unterhaltung übrigens nicht wieder rein. Das seien ganz geringe Beträge, so Bahrs. „Das kommt dann in die Kaffeekasse.“

dpa

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