Neues Buch über das Verhältnis zu Polen

„Brücken nach Osten“

Blick in den besprochenen Band – und mitten in die 70er Jahre. ·
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Blick in den besprochenen Band – und mitten in die 70er Jahre. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj · Er ist der Chef-Raucher der Nation und zu einer Art moralisch-politischen Instanz geworden. Instanzen geben Orientierung, zuweilen gar in der Frage, welchen Kanzlerkandidaten eine Partei aufstellen soll – seine Partei, um genau zu sein. Seine Partei ist die SPD, und die Rede ist natürlich von Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt.

Der ist ja bekanntlich Hamburger durch und durch, doch gibt es seit einigen Jahren eine nicht unbedeutende Schmidt-Verbindung nach Bremen. In einem Bremer Verlag, in der Edition Temmen, erscheinen die Studien der „Helmut-und-Loki-Schmidt-Stiftung“. Wissenschaftler untersuchen in den Bänden einzelne Aspekte des Schaffens und Wirkens der Schmidts aus Hamburg.

Wie berichtet, erschien im vergangenen Jahr eine Darstellung der Freundschaft und Zusammenarbeit von Helmut Schmidt und Frankreichs Präsident Valéry Giscard d‘Estaing. In dem Band spielte auch Bremen eine Rolle, schließlich wurde hier unter der Regie der beiden Freunde praktisch der Euro ausgetüftelt – am 6. und 7. Juli 1978 plante der Europäische Rat auf seiner Tagung im Bremer Rathaus die Schaffung eines Europäischen Währungssystems (EWS). Bürgermeister a. D. Henning Scherf (SPD), in jenen Tagen Senator, wies jüngst bei der Vorstellung seines neuen Buchs noch einmal darauf hin.

Die Bedeutung

persönlicher Kontakte

Doch zurück zu den Schmidt-Studien. Dieser Tage ist ein neuer Band der Reihe erschienen, der mittlerweile siebte. Dieses Mal wird nach Osten geblickt, in die Zeiten des Kalten Krieges und der Entspannungspolitik. Der junge polnische Historiker Dominik Pick, 1979 in Warschau geboren, schrieb das Buch mit dem Titel „Brücken nach Osten – Helmut Schmidt und Polen“. Die Historikerin Beate Kosmala übersetzte die Untersuchung (133 Seiten, Preis: 14,90 Euro).

Wieder geht es um das Verhältnis Schmidts zu einem Politiker, zu Polens Erstem Sekretär Edward Gierek. Insgesamt fünf Mal haben sich Schmidt und Gierek persönlich getroffen. Schmidt setzte bewusst auf diese persönlichen Kontakte. Das führte durchaus zu Reibereien mit dem Koalitionspartner – Außenminister war ja der FDP-Politiker Hans-Dietrich Genscher. „Genscher hatte es schwer als Außenminister, weil ich sehr viele außenpolitische Aktivitäten entfaltet habe“, zitiert Pick ein Schmidt-Interview.

„Helmut Schmidt hat nicht, wie es oft wahrgenommen wird, lediglich die neue Ostpolitik Willy Brandts fortgesetzt“, schreibt Pick am Schluss seiner Untersuchung. „Schmidt war der Auffassung, dass die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Bundesrepublik untrennbar mit der dauerhaften Stabilität und fortschreitenden Entspannung in Europa verbunden seien.“ Und: „Für die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen Mitte der 70er Jahre war das freundschaftliche Verhältnis zu Gierek entscheidend.“

Leider nur etwas lapidar am Rande behandelt wird ein Aspekt der deutsch-polnischen Beziehungen, der auch in die Amtszeit Schmidts und Giereks fällt. Im April 1976 schlossen Bremen – mit Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) – und Danzig eine Städtepartnerschaft, deren Bedeutung für die Versöhnung zwischen Polen und Deutschland nicht zu unterschätzen ist. Es war die erste städtepartnerschaftliche Vereinbarung zwischen einer westdeutschen und einer polnischen Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg und es war der Versuch, den Eisernen Vorhang ein wenig anzuheben.

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