Mit Brix und viel Gefühl

Bremer „Tatort“-Team startet in Borgfeld neue Dreharbeiten

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„Und bitte!“: Die Schauspieler Peter Heinrich Brix (spielt den Gutachter Carsten Kühne) und Sabine Postel (Kommissarin Inga Lürsen) sowie Oliver Mommsen (Kommissar Nils Stedefreund) beim Fototermin am Filmset in Borgfeld.

Bremen - Von Steffen Koller. Widrige Bedingungen, Kommissare als Geister und ein Thema, das „sehr bedrückend“ ist: Beim Drehstart zum neuen Bremer „Tatort“ hatten Schauspieler und Filmteam am Donnerstag alle Hände voll zu tun. Neben Versprechern, Martinshörnern und Flugzeugen machte vor allem eine nicht, was sie sollte: die Sonne. Dennoch herrschte tolle Stimmung am Set zum neuen Streifen „Im toten Winkel“, der einen Stargast nach langer Zeit wieder in die Hansestadt lotste.

„Und bitte!“ – Satz um Satz wird die Szene vor der beschaulichen Kulisse zwischen Buchsbaumhecken und verklinkerten Einfamilienhäusern in Borgfeld einstudiert. Und immer wieder ist zu hören: „Abbruch!“ Und: „Bitte nochmal!“ Zu den obligatorischen Versprechern gesellen sich beim Drehstart zum neuen „Tatort“ Dinge, die so nicht vorgesehen waren – und das fast 40-köpfige Team immer wieder aus dem Konzept bringen. Martinshörner, die im Hintergrund zu hören sind, Flugzeuge, die über die Köpfe der Protagonisten hinwegrauschen. Doch am Ende ist die Szene im Kasten, auch wenn gerade die wechselnden Lichtverhältnisse besonders die Kameraassistenten ständig vor neue Herausforderungen stellen.

Tatort greift Thema Sterbehilfe auf

So idyllisch die Szenerie zum neuen Film von Regisseur Philip Koch erscheinen mag, so ernst ist das Thema, mit dem sich Schauspielerin Sabine Postel (Inga Lürsen) und ihr Kollege Oliver Mommsen (Nils Stedefreund) befassen müssen. Es geht um die großen Themen Sterbehilfe und das – in Teilen – marode und kaputtgesparte Pflegesystem in Deutschland. Ein Rentner tötet seine demenzkranke Frau und die Ermittler tauchen ein in eine Welt, bei der ihnen angesichts der Ungerechtigkeit und der persönlichen Schicksale der Atem stockt. Stück für Stück führt sie dabei der Gutachter Carsten Kühne (Heinrich Peter Brix) in eine Pflegestruktur, die am eigenen System krankt.

Dass nach 15 Jahren eben dieser Heinrich Peter Brix wieder in einem Bremer „Tatort“ mitwirkt, scheint Oliver Mommsen besonders zu freuen. „Wir profitieren von seinem Wissen“, sagt Mommsen und schiebt mit einem Lächeln nach: „Wenn man macht, was er will, ist alles in Ordnung.“

Brix hatte 2001 im „Tatort“ mit dem Titel „Kalte Wut“ bereits eine Nebenrolle – Oliver Mommsen kam erst wenige Monate später zum Team um Kommissarin Lürsen dazu. Trotz sichtlichen Spaß am Filmset sei das Thema des Films „sehr bedrückend“, sagt Sabine Postel, die selbst einen pflegebedürftigen Vater zu Hause betreut, wie sie erzählt. „Das macht schon Gänsehaut“, sagt sie und Mommsen ergänzt mit Bezug auf die Dreharbeiten, dass die Ermittler „eher wie Geister“ seien. Zwar seien sie nah am Fall, doch darauf einwirken könnten sie nur wenig.

Auf Kosten der Spannung wird mehr Gefühl erzeugt

Heinrich Peter Brix sagt dazu: „Die Kraft liegt nicht in der Ermittlungsarbeit, sondern im Thema.“ Trotz „weniger Spannung“, so Sabine Postel ergänzend, überzeuge der Film durch „Gefühl“. Ob dem am Ende wirklich so ist, werden die Zuschauer erst im Frühjahr 2018 erfahren.

Parallel zu den Dreharbeiten für „Im toten Winkel“ arbeitet das Team auch am Streifen „Blut“, bei dem es um den Mord an einer jungen Frau geht, die die Ermittler vor große Rätsel stellt. „Blut“ soll dann im Herbst 2018 ausgestrahlt werden.

Wer so lange nicht warten will, schaltet am Sonntag, 22.  Oktober, um 20.15 Uhr das Erste ein. Dann läuft der nächste Bremer „Tatort“ mit dem Titel „Zurück ins Licht“, unter anderem mit Nadeshda Brennicke.

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