Von Thomas Kuzaj

Britischer Künstler bettelt am Bahnhof

Mark McGowan.

Bremen - · 48 Stunden um den Bahnhofsvorplatz herumkriechen und dabei betteln, während dieser Zeit vom Erbettelten leben – damit begann der britische Aktionskünstler Mark McGowan gestern Mittag kurz nach 13 Uhr.

Die – man darf wohl sagen – spektakuläre Performance mit dem Titel „The Dignity of Man“ („Die Würde des Menschen“) gehört zum Programm der „Manieren“-Ausstellung, die das Focke-Museum gegenwärtig zeigt. Zu den Exponaten dort zählt das Video jener New Yorker Performance von 2007, die McGowans Namen weltbekannt machte – mit einer George-Bush-Maske kroch er damals 72 Stunden lang durch Manhattan. An seinem Hosenboden hing ein Schild mit der Aufschrift „Kick my ass“. Eine Einladung an die Bürger, ihm – stellvertretend für den richtigen Präsidenten – in den Hintern zu treten. Die Einladung nahmen derart viele Passanten an, dass McGowan seine Aktion vorzeitig abbrechen musste.

Werder-Schal, Mantel, mit Plastik umwickelte Füße – so begann der Aktionskünstler gestern seine Bremer Performance. Wird er 48 Stunden durchhalten – bei der Kälte? „Wir werden sehen“, antwortet McGowan. Es sei nicht einfach, das Leben auf der Straße. Der Künstler habe sich mehrere Orte in Bremen angesehen, sagt „Manieren“-Kurator Urs Roeber, und dann für den Bahnhofsvorplatz entschieden. Der Bahnhof als Sammelplatz von Obdachlosen sei ein weltweites Phänomen. „Ich glaube, es ist gleichzeitig ziemlich traurig und poetisch, dass sich obdachlose Menschen in der ganzen Welt immer in den Hauptbahnhöfen scharen“, erklärt McGowan.

Nun könnte es manch einer als zynisch empfinden, dass sich da jemand als Bettler verkleidet und auch noch mit den wirklichen Obdachlosen um die Einnahmen konkurriert. Ein Aspekt, der den „Manieren“-Machern durchaus bewusst ist. Roeber spricht von „Konfliktpotenzial“.

Wer nun am Hauptbahnhof aus der Straßenbahn steigt, kann unverhofft zum Teil einer Performance werden. Man wird mit etwas konfrontiert. McGowans Auftritt entwickelt eine Intensität, die gerade durch das Kriechen – wenn man es so sagen darf – auf die Spitze getrieben wird. Hinzu kommt das monoton schabende Geräusch einer Plastikschüssel, die er vor sich herschiebt. Natürlich ist so etwas auch ein Medienereignis. Die Menschen mit den Kameras schauten gestern ganz genau hin. Viele Passanten sahen lieber weg. „Ich verstehe das nicht“, sagte eine junge Frau.

WWW.

focke-museum.de

markmcgowan.org

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