Bremen: Prozess um Kokain-Schmuggel im Wert von 14 Millionen Euro

Brisante Fracht im Kofferraum

Brisante Fracht im Kofferraum: Mit 206 Kilogramm Kokain in seinem Auto hielten Einsatzkräfte den Angeklagten an. Seitdem sitzt der 39-Jährige in Untersuchungshaft. Seit Montag steht er vor Gericht.
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Brisante Fracht im Kofferraum: Mit 206 Kilogramm Kokain in seinem Auto hielten Einsatzkräfte den Angeklagten an. Seitdem sitzt der 39-Jährige in Untersuchungshaft. Seit Montag steht er vor Gericht.

Um das Schmuggeln von Drogen in Millionenhöhe geht es in einem Prozess vor dem Bremer Landgericht. Einem Lkw-Fahrer bescherte der Fall eine kurze Nacht und eine Szenerie wie im Krimi.

Bremen – Im Schutz der Dunkelheit entladen im Juli 2020 mehrere Personen einen Container im Bremerhavener Hafen. Die brisante Fracht: mindestens 206 Kilo Kokain mit einem Verkaufswert von mehr als 14 Millionen Euro. Doch die Männer haben die Rechnung ohne einen Lastwagenfahrer gemacht.

Der ruft nicht nur die Polizei – sondern ist bei der anschließenden Verfolgungsfahrt hautnah dabei. Seit Montag muss sich einer der mutmaßlichen Schmuggler wegen Drogenhandels im großen Stil vor dem Bremer Landgericht verantworten.

Zeuge: „Wie im Kino, nur gefährlicher“

Der Lkw-Fahrer bevorzugt nach eigenen Angaben den Ort schon seit langem zum Schlafen. Es gibt ein Bad im angrenzenden Büro, eine Dusche. Das Areal einer Transportsysteme-Firma auf dem Gelände des Bremerhavener Hafens ist nachts stets abgeschlossen. So könne er gut in seiner Fahrerkabine zur Ruhe kommen, sagt er. Keine ungebetenen Gäste, kein Lärm, kurze Wege zum nächsten Auftrag. Doch die Nacht zum 31. Juli 2020 sollte alles andere als ruhig werden für den Mann, der später sagen wird, es sei „wie im Kino“ gewesen, „nur gefährlicher“.

Was der 56-Jährige damals noch nicht ahnt, als er abends in seinen Laster steigt und sich schlafen legt: Er wird Zeuge einer mutmaßlichen Entladeaktion etlicher Kilo Rauschgift werden – und Stunden später live dabei sein, als der vermeintliche Kurierfahrer von den Beamten nach einer Verfolgungsjagd festgenommen wird.

Zunächst ist es nur das Zischen der Hydraulikschläuche, das den Zeugen aus seinem Schlaf reißt. Er hört das Piepen eines Gabelstaplers und sieht fünf Personen, die gerade einen Container entladen.

Lkw-Fahrer mit Waffe bedroht

Es sei die Neugier gewesen, die ihn dazu veranlasst habe, die Fahrertür seines Lasters zu öffnen, sagt der Mann. Neugier, die auch tödlich hätte enden können. Wenige Augenblicke, nachdem er seinen Kopf aus dem Fahrzeug streckt, wird ihm eine Waffe an den Hals gehalten, schildert der Lkw-Fahrer  die Situation vor Gericht.

Der vollmaskierte Täter, der zudem eine gelbe Weste mit der Aufschrift „Security“ getragen habe, befiehlt ihm, aus der Kabine zu steigen, und sagt: „Es wäre besser gewesen, Du hättest weitergeschlafen.“

Während im Hintergrund mehrere Personen – gegen einzelne wird mittlerweile gesondert verhandelt, andere sind bis heute unbekannt – das Kokain in Transporter verladen, wird dem 56-Jährigen befohlen, sich auf eine Treppe zum Büroraum der Firma zu setzen. Er solle seinen Kopf nicht wenden, nicht hinsehen, „Augen geradeaus“, so die Aufforderung des Maskierten. Später habe ihm ein Mann das Angebot gemacht: Schweige er, könne er Geld bekommen. Der Lastwagenfahrer lehnt ab. Dann werden ihm Wagenschlüssel und Handy abgenommen – und die Täter fliehen.

Fund: 206 Kilo Kokain

Über einen Festnetzanschluss des Büros ruft der Mann die Polizei, wenig später wird er nur einige hundert Meter vom Tatort entfernt von Zivilkräften aufgelesen und soll für seine Aussage zu einem Polizeirevier gefahren werden. An einer Kreuzung habe kurz darauf ein Kleintransporter die Beamten überholt, sei über mehrere rote Ampeln gerast und habe versucht zu fliehen. Die Zivilkräfte verfolgen den Fahrer, bremsen ihn schließlich mit Hilfe weiterer Einsatzkräfte auf der A 27 aus und setzen ihn fest.

Bei der anschließenden Kontrolle des Wagens finden die Fahnder 206 Kilo Kokain im Verkaufswert von etwa 14 Millionen Euro im Kofferraum, die, so die These der Staatsanwaltschaft, für einen Zwischenhändler in Bremen bestimmt waren. Am Steuer: der Angeklagte, ein 39 Jahre alter Türke. Er soll als Kurierfahrer für die millionenschwere Fracht engagiert worden sein. Er schwieg zu Prozessauftakt. Ob der Angeklagte womöglich auch beim Entladen des Containers, der aus Brasilien stammte und offiziell Plastikfolie beinhaltete, anwesend war, blieb offen.

Was für den Lastwagenfahrer, so sagt er es selbst mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor, „eine kurze und recht interessante Nacht“ gewesen sei, könnte den Angeklagten für mehrere Jahre ins Gefängnis bringen. Bei einer Verurteilung wegen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

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