Neue Sonderschau in Bremerhaven

„Good Music“ im Auswandererhaus: 130 Briefe aus 80 Jahren

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Blick in die Sonderausstellung „Good Music“ im Auswandererhaus Bremerhaven.

Bremerhaven - Zwei ausgewanderte deutsche Musiker stehen im Mittelpunkt der neuen Sonderschau „Good Music“ im Auswandererhaus Bremerhaven. Einer von ihnen ist Louis Schütz aus dem Dorf Westerfeld im Hochtaunus. Ihn zieht es 1880 nach Newark in ein Leben als Berufsmusiker. Drei Jahre später holt er seinen jüngeren Bruder Fritz nach.

„Einige Deutsche (...) haben gute Musik und Literatur in die Stadt gebracht”, schreibt die amerikanische Schriftstellerin Martha Lamb 1876 im „Harper’s Magazine” über die boomende Stadt Newark in New Jersey. Und zu dieser „good music” zählten auch Marsch und Polka als Unterhaltungsmusik, die man an der ganzen amerikanischen Ostküste Ende des 19. Jahrhunderts in Lokalen oder in den Musikpavillons im quirligen Badeort „Asbury Park” hörte. Gespielt wurde diese Musik auch von eingewanderten deutschen Berufsmusikern.

Dieses bisher unbekannte Kapitel in der deutsch-amerikanischen Geschichte präsentiert die Sonderausstellung „Good Music – Zwei deutsche Musiker in Amerika 1880 – 1939“. Zu sehen ist die Schau von Montag, 7. August, bis zum 31. Januar 2018.

Gelernt hat Louis Schütz sein Handwerk in einer Mainzer Militärkapelle, wo er fünf Jahre dient. In seinem Heimatdorf besitzt seine Familie seit Jahrhunderten einen Bauernhof. Er wandert nach Amerika aus – „denn um das Loos in Deutschland als armer Mann ist Niemand zu beneiden“, schreibt er am 12. Juli 1883 nach Hause. Er holt seinen Bruder Fritz nach. Beide spielen als Blasmusiker erfolgreich über Jahrzehnte in „Voss’ First Regiment Band”, die aus einer Militärkapelle des amerikanischen Bürgerkrieges hervorgegangen ist. Gemeinsam erleben sie die Revolutionierung der Musikbranche.

Die Live-Auftritte in Sälen und auf Plätzen rücken zugunsten der Tonaufnahmen im Studio zunehmend in den Hintergrund. Die Schütz-Brüder bezeichnen es bereits in den 1890er Jahren als ihr „Hauptgeschäft“, für den Phonographen Musik aufzunehmen. Louis Schütz begleitet in den 1920er Jahren Stummfilme musikalisch. „Als junge, gutqualifizierte Männer gehören Louis und Fritz Schütz zum klassischen Typ des deutschen Auswanderers in den 1880er Jahren. 

Musikalische Auswanderergeschichte

Besonders ist allerdings ihre Qualifikation als Musiker – es sind in dieser Zeit ja sonst vor allem Handwerker, Arbeiter und Tagelöhner nach Übersee gegangen“, sagte am Freitag Simone Eick, Direktorin des Auswandererhauses. Einzigartig wird diese musikalische Auswanderungsgeschichte ihren Worten zufolge auch durch die Briefe der beiden Brüder und ihrer Kinder, die sie an die Verwandten in Deutschland schicken. 

Mehr als 130 Briefe kommen in Westerfeld im Taunus aus den USA an. Sie umfassen einen Zeitraum von mehr als 80 Jahren. 1880 schreibt Louis Schütz seinen ersten Brief aus Newark, 1939 seinen letzten kurz vor seinem Tod. Der allerletzte Brief aus Amerika erreicht 1963 die Enkelin von Heinrich, dem Bruder von Louis und Fritz. Darin steht, dass die Tochter von Fritz, die letzte Briefschreiberin, gestorben ist. Danach bricht der Kontakt ab.

Dieses einzigartige Konvolut fand der Bremer Historiker Dr. Diethelm Knauf bei einem Nachfahren der Familie Schütz, bei Bernd Höser, in Neu-Anspach/Westerfeld. Unter Mitwirkung von Wissenschaftlern des Auswandererhauses kuratierte Knauf die Ausstellung.

gn

www.dah-bremerhaven.de

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