Bremisches „Erlebnisprojekt“

„Union Rösterei“ veredelt im alten Brauerei-Malzspeicher Rohkaffee zu Kaffeebohnen

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Robin Kochan (v. l.), Yannik Lammers und Christian Klatt von „Union Kaffee“ haben den alten Malzspeicher des Brauereigebäudes an der Theodorstraße zur Kaffeerösterei umgebaut. 

Bremen - Von Jörg Esser. Es geht um Leidenschaft. Und um Ehrlichkeit. Und vor allem um Kaffeegenuss. „Kaffeestratege“ Christian Klatt spricht von einem „Erlebnisprojekt“. Der in Riede lebende Bremer hat mit drei Mitstreitern die „Union Rösterei“ gegründet – als Handwerksrösterei unter dem Dach der Freien Brau-Union in Walle. Kaffee und Bier, das passt, das ist bremisch.

Seit September sind Klatt, der Barista Ansgar Pleye, Röstmeister Robin Kochan und Quereinsteiger Yannik Lammers als Vertriebschef mit der Rösterei am Start. Und der „Union Kaffee“ ist im Markt angekommen. „Wir sind im Aufbau“, sagt Klatt, „und wir sind auf einem guten Weg.“

Der Standort ist geschichtsträchtig. Er symbolisiert Handwerkstradition. Der Kaffee wird im alten Malzspeicher des Brauereigebäudes geröstet. Hoch oben, im vierten Geschoss, unter dem alten Union-Schriftzug. „Craft-Coffee meets Craft-Beer“, heißt es. Eine Seilwinde zieht die 70  Kilo schweren Rohkaffeesäcke in die Rösterei. „Wenn die ausfällt, wird es anstrengend“, sagt Lammers. Einen Fahrstuhl gibt es nicht, aber viele Treppenstufen.

Klatt ist seit 25 Jahren im Kaffeegeschäft, unter anderem bei „Kaffeeplan“, im Handel mit Kaffeevollautomaten und Siebträgermaschinen. Irgendwann habe er die Idee gehabt, „mal eigenen Kaffee zu machen“. Dann habe er eine Fläche gesucht, sei bei Lüder Kastens von der Union-Brauerei sofort auf offene Ohren gestoßen. Und: Innerhalb von neun Monaten wurde aus dem Malzspeicher eine Rösterei. „Jetzt wird es hier oben schon langsam eng“, sagt Lammers.

„Alle sind zertifiziert“

Der Rohkaffee wird aus Brasilien, Kolumbien, Indien, Sumatra und Äthiopien über Bremer Rohkaffeehändler bezogen. „Wir halten regional, was wir regional halten können.“ Von anfangs 40 Sorten haben letztlich zehn den Weg in die Endauswahl geschafft. „Alle sind zertifiziert“, sagt Klatt.

Der Rohkaffee kommt über die Sauganlage in den Trichter des Trommelrösters. „Dann beginnt der Röstprozess“, sagt Robin Kochan. Die Veredelung zu Kaffeebohnen, die Feinjustierung. Ein Idealprofil ist hinterlegt. Doch jeder Rösttag ist anders, „Raumtemperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, alles hat Einfluss“, sagt der junge Röstmeister. Es dauert zwölf bis 18 Minuten, je nachdem, ob ein Espresso oder ein Filterkaffee in die Tüte kommen soll. Und zum Schluss wird es immer eng. „Handgesteuertes Langzeitrösten ist eine heikle Angelegenheit.“ Die Farbe der Kaffeebohne muss passen. „Gleichbleibende Qualität ist eine große Herausforderung“, sagt Klatt. Das Nachjustieren ist Filigranarbeit, Millimeterarbeit. Es kommt auf Sekunden an. Wimpernschläge entscheiden darüber, ob „25 Kilo Kaffee in die Tüte oder in die Tonne wandern“, heißt es. Das Auge und die Nase des Röstmeisters entscheiden über das Aroma des Kaffees.

Vier Sorten derzeit im Angebot

Auf den Röstvorgang folgt die Luftkühlung. Die gerösteten Bohnen werden hochgesaugt, um so Steine und andere Fremdstoffe auszusieben. Anschließend landen die Bohnen in großen Behältern, wo der Kaffee noch sieben bis zehn Tage ausgegast wird.

Vier Sorten hat die Union-Rösterei derzeit im Angebot – „Nordlicht“ ist ein Espresso mit feinfruchtigen Beerenaromen, „Hansebrand“ einer, der etwas kräftiger und damit säuereärmer geröstet wird. Dann gibt es mit „Deichgold“ einen „schokoladig-süßen“ Kaffee Creme mit „würzigem Nachgeschmack“. Und mit „Küstenkind“ rundet ein frischer Filterkaffee das Quartett ab. „Und der ist absolut süffig“, um mal eine Anleihe bei einem anderen wunderbaren Getränk zu machen.

„Union Kaffee“ ist in diversen Rewe- und Edeka-Märkten präsent, bei „Fürst“ auf dem Domshof, „Holtorf“ im Viertel, Dodenhof in Posthausen und in den Shops der Union-Brauerei. Diverse Restaurants im Viertel und Hofcafés schenken den Kaffee aus.

Er kostet mehr als Industriekaffee. Handrösten dauert länger und ist auch deshalb teurer. Und: 2,19 Euro pro Kilo Kaffee werden ja für die Kaffeesteuer fällig. Die gibt es nur in Deutschland.

www.unionroesterei.de

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